Heizkostenschock im Herbst 2026: Heizöl über 30 Prozent teurer als vor einem Jahr
- Redaktion soaktuell.ch

- vor 2 Tagen
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Die gefühlte Inflation in der Schweiz bleibt moderat: Im Juli 2026 lagen die Preise für Alltagsgüter 0,4 Prozent höher als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat sanken sie um 0,1 Prozent. Freuen konnten sich Konsumentinnen und Konsumenten besonders beim Saisonschlussverkauf: Bekleidung und Schuhe wurden markant billiger. Derweil droht ein Heizkostenschock für Herbst. Heizöl ist rund 31 Prozent teurer als vor einem Jahr. «Für eine nachhaltige Beruhigung der Rohölmärkte bräuchte es eine dauerhafte Entspannung der Lage im Iran sowie mehr Wasser im Rhein – danach sieht es derzeit nicht aus», sagt Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert.
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Der Comparis-Konsumentenpreisindex in Zusammenarbeit mit dem KOF-Institut der ETH Zürich misst die gefühlte Inflation der Konsumentinnen und Konsumenten. Dazu wird ausschliesslich die Preisentwicklung von regelmässig konsumierten Gütern wie zum Beispiel Lebensmitteln, Medikamenten oder Kleidung betrachtet. Die Teurungsrate wird damit um Mieten oder andere dauerhafte Güter bereinigt.
Laut dem Comparis-Konsumentenpreisindex sind im Juli 2026 die Preise für Alltagsgüter in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,4 Prozent gestiegen. Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamtes für Statistik (BFS) stieg ebenfalls um 0,4 Prozent.
Gegenüber Juni 2026 sind die Preise im Schweizer Comparis-Warenkorb gesunken, nämlich um 0,1 Prozent (LIK: minus 0,1 Prozent). Im Monat zuvor waren die Kosten für Alltagsgüter um 0,1 Prozent gestiegen (LIK: unverändert).
Heizkosten deutlich teurer als im Vormonat
Im vergangenen Monat haben sich verschiedene Produkte verteuert. Im Hinblick auf die kommenden Herbst- und Wintermonate besonders interessant:
Energie zum Heizen (Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme) verzeichnete ein Plus von 3,7 Prozent. «Die erneute Verschärfung der Lage in Nahost hat beim Heizölpreis zu starken Schwankungen geführt. Zwar ist Heizöl in den letzten 3 Monaten 7,4 Prozent günstiger geworden, kostet aber noch immer rund 31 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für eine nachhaltige Beruhigung der Rohölmärkte bräuchte es eine dauerhafte Entspannung der Lage – danach sieht es derzeit nicht aus», sagt Comparis-Finanzexperte Renkert. Angesichts höherer Energiekosten empfiehlt er einen bewussten Umgang mit Heizenergie. Bereits die Massnahme Räume im Winter nicht über 22 Grad zu heizen, könne helfen, den Verbrauch und die Kosten zu senken.
Mit am stärksten sind im Juli ferienbedingt die Preise für Parahotellerie gestiegen, nämlich um 19,7 Prozent (Juni: plus 3,9 Prozent). Dazu zählen Ferienwohnungen, Kollektivunterkünfte und Campingplätze. «In der Sommer-Hochsaison trifft eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Ferienunterkünften auf ein begrenztes Angebot. Besonders in beliebten Feriendestinationen treibt das die Preise deutlich nach oben. Nach der Hochsaison dürfte sich die Lage wieder entspannen», sagt Renkert.
Konsumierende müssen auch mehr Geld für sonstige Dienstleistungen für den Individualverkehr, zu denen auch Mietwagen zählen, bezahlen – die Preise sind im Juli insgesamt um 8,9 Prozent gestiegen. (Juni: plus 4,6 Prozent). Allein die Preise für Automiete und Carsharing sind im letzten Monat um 26,7 Prozent und in den letzten 3 Monaten um 62,2 Prozent gestiegen. Hingegen haben sich die Preise gegenüber Juli 2025 um 12,9 Prozent verbilligt.
Weiter gehören Likör und Apéro-Getränke (plus 5,2 Prozent) sowie Bild- und Tonträger (plus 4,0 Prozent) zu den am stärksten verteuerten Gütern.
Stärkste Preisrückgänge gegenüber dem Vormonat in der Bekleidungsbranche
Im Juli sind einige Produkte günstiger geworden. So bezahlten Konsumierende etwa für Damenbekleidung 11,0 Prozent weniger als noch im Juni. Auch Herrenbekleidung wurde günstiger, nämlich um 7,4 Prozent.
Weiter sanken die Preise für Kinderschuhe (minus 6,5 Prozent), Damenschuhe (minus 6,4 Prozent) sowie Herrenschuhe (minus 5,9 Prozent).
«Zum Ende der Sommersaison müssen die Lager für die neue Kollektion Platz machen. Das führt zusammen mit dem hohen Wettbewerbsdruck zu deutlichen Rabatten. Für Konsumentinnen und Konsumenten ergeben sich dadurch attraktive Kaufgelegenheiten», sagt Renkert.
Langzeitvergleich: Zeitungen und Zeitschriften haben sich am stärksten verteuert
Gemäss Comparis-Berechnungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren Zeitungen und Zeitschriften verteuert. Die Preise sind seit Juli 2006 durchschnittlich um 74,2 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der LIK stieg in dieser Zeit um 10,2 Prozent.
«Die starken Preissteigerungen bei Zeitungen und Zeitschriften lassen sich nicht allein mit der allgemeinen Teuerung erklären. Dahinter stehen vor allem strukturelle Veränderungen in der Branche: Sinkende Werbeeinnahmen und Printauflagen sowie höhere Kosten für Papier, Druck, Energie und Zustellung treiben die Preise nach oben», erklärt Renkert.
Auf Rang 2 und 3 der Comparis-Langzeit-Teuerungs-Top 5 liegen Elektrizität und Energie zum Heizen (Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme) mit plus 63,0 Prozent bzw. plus 56,1 Prozent. Auch Tabakwaren (plus 55,8 Prozent) und finanzielle Dienstleistungen (plus 46,7 Prozent) wurden für Konsumentinnen und Konsumenten deutlich teurer.
Was in den letzten 20 Jahre günstiger wurde
Obwohl es den Anschein hat, dass das Leben aktuell teurer wird, täuscht der Eindruck teilweise. Verschiedene Dinge des alltäglichen Gebrauchs wurden zwischen Juli 2006 und Juli 2026 gemäss Comparis-Berechnungen deutlich billiger. Allen voran sind es Medikamente und Heilmittel mit einer durchschnittlichen Verbilligung von 41,7 Prozent.
Auch kleine Haushaltsgeräte wurden 39,9 Prozent günstiger. Elektrische Geräte für die Körperpflege sowie Bild- und Tonträger sind für Konsumentinnen und Konsumenten heute 29,9 Prozent bzw. 29,0 Prozent billiger als noch vor 20 Jahren.
Höchste Teuerung bei Paaren ab 65 Jahren ohne Kinder
Nach Haushaltstypen unterschieden, erlebten Paare ab 65 Jahren ohne Kinder in den letzten 12 Monaten die höchste Teuerung. Sie fühlen aktuell eine Teuerungsrate von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings wurde für sie das Leben im Juli – verglichen mit dem Vormonat – günstiger (minus 0,2 Prozent).
Rein rechnerisch spüren Paare mit Kindern die Teuerung prozentual am wenigsten. Mit einem Indexstand von 109,8 hat die gefühlte Teuerung bei ihnen in den letzten 12 Monaten plus 0,3 Prozent betragen.
Höchste Einkommensklasse spürt die Teuerung am wenigsten
Bei den Einkommensklassen zeigt sich: Am stärksten von der Teuerung betroffen war die tiefste Einkommensklasse. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für sie um 0,5 Prozent gestiegen. Im Juli lag die Teuerung bei minus 0,1 Prozent.
Am schwächsten von der Teuerung betroffen war die höchste Einkommensklasse. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für sie um 0,3 Prozent gestiegen. Im vergangenen Monat wurde der Konsum für die höchste Einkommensklasse um 0,1 Prozent günstiger.
Nur geringe Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachregionen
Unterteilt nach Sprachregionen ergibt sich folgendes Bild: Die Deutschschweiz und die rätoromanische Schweiz verzeichneten mit plus 0,4 Prozent die höchste Teuerung im Vergleich zum Vorjahr. Im Juli sank das Preisniveau gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent.
Einen weniger starken Anstieg der Teuerung gegenüber dem Vorjahr hatte die italienische Schweiz mit plus 0,3 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat wurde dort das Leben im Juli um 0,1 Prozent teurer.
Tipps für Konsumentinnen und Konsumenten
Heizölpreise vergleichen – und zwar jedes Mal:
Die Preise für Heizöl können sich je nach Anbieter deutlich unterscheiden. Deshalb lohnt es sich, vor jeder Bestellung mehrere Angebote einzuholen und dabei auch Lieferkosten, Mindestmengen und mögliche Zuschläge zu berücksichtigen.
Sammelbestellungen prüfen:
Wer gemeinsam mit Nachbarinnen und Nachbarn Heizöl bestellt, kann grössere Mengen bündeln. Je nach Anbieter lassen sich dadurch günstigere Konditionen verhandeln. Gerade bei Einfamilienhäusern kann eine Einkaufsgemeinschaft interessant sein.
Heizölkauf frühzeitig planen:
Wer erst bestellt, wenn der Tank fast leer ist, gerät unnötig unter Zeitdruck. Besser ist es, die Preisentwicklung frühzeitig zu beobachten und mehrere Angebote einzuholen. So bleibt mehr Spielraum beim Zeitpunkt der Bestellung.
Nicht auf den perfekten Tiefstpreis warten:
Heizölpreise können stark schwanken und hängen von verschiedenen Faktoren ab wie z.B. dem Rohölpreis, dem Wechselkurs, dem Transport und weiteren Kosten. Den günstigsten Kaufzeitpunkt zuverlässig vorherzusagen, ist deshalb kaum möglich.
Heizung bewusst einsetzen und optimieren:
Ein bewusster Umgang mit Heizenergie hilft, Verbrauch und Kosten zu reduzieren. Bereits eine etwas tiefere Raumtemperatur kann den Energieverbrauch merklich senken. Angesichts höherer Heizkosten lohnt es sich, die Heizungseinstellungen regelmässig und rechtzeitig vor der Heizperiode zu überprüfen.
Anmerkung der Redaktion: Etwa 10 bis 15 Franken des derzeit hohen Heizölpreises geht gemäss Branche auf das Konto der Rheinschiffahrt, die wegen Niedrigwasser faktisch eingestellt ist. Da dies kein Dauerzustand sein dürfte, kann man bei Heizölbestellungen auch auf die Bestellung von kleineren Mengen tendieren. So ist man mal "save" bis Mitte Winter und kann dann im Januar nachbestellen, wenn der Faktor "Rhein" hoffentlich kein Thema mehr ist. Ob die USA den teuren Krieg gegen den Iran solange weiterführen wollen, ist ohnehin fraglich. Auch die Zukunft der Strasse von Hormus ist offen. Szenario 1: Gut möglich, dass die Gesamtsituation in einem halben Jahr den Marktpreis von Öl nicht mehr so stark beeinträchtigt, wie heute. Szenario 2: Es ist aber immer auch möglich, dass neue Faktoren dazu kommen, die ihn verteuern. Die Wahrscheinlichkeit liegt jedoch eher bei Szenario 1.
Foto: Symbolbild von Pawel Czerwinski / unsplash.com












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