Guy Parmelin: Einer der besten Bundesräte der letzten Jahre verlässt die grosse Bühne
Am 31. Dezember 2026 endet eine Ära: Bundesrat Guy Parmelin tritt im Alter von 66 Jahren zurück. Der Waadtländer Winzer, der bei seiner Wahl Ende 2015 von vielen noch belächelt wurde, hat sich in seinen elf Amtsjahren zu einem der verlässlichsten und wirksamsten Magistraten der jüngeren Schweizer Geschichte entwickelt.
Würdigung von Redaktion soaktuell.ch

Als Guy Parmelin in den Bundesrat gewählt wurde, waren die Erwartungen in Teilen der Medien und der Politik gedämpft. Einmal mehr haben sich die anderen Parteien getäuscht, als sie den vermeintlich "schwächsten" Kandidaten der SVP gewählt haben. Denn diese haben sich im Amt fast ausnahmslos zu grosser Beliebtheit beim Volk entwickelt, die als "Legenden" auch nach Jahren noch in Erinnerung bleiben. Ein Beispiel: Bundesrat Adolf Ogi (SVP). Auch er wurde von den politischen Gegnern zu Beginn völlig unterschätzt und belächelt, ist im Gegensatz zu vielen anderen aber heute noch bei allen in Erinnerung, die seine Amtszeit erlebt haben. Weil er eben "einer aus dem Volk" war, volksnah, ungeschminkt und echt. In diese Kategorie gehört sicher auch der solothurnische Bundesrat Willi Ritschard von der SP.
Alle drei genannten Bundesräte brachten übrigens Bildungsabschlüsse aus dem dualen System mit, Parmelin machte die Matur und absolvierte danach eine Lehre als Landwirt, Ogi machte ein Handelsdiplom an einer kaufmännischen Berufsschule und Willi Ritschard absolvierte eine Berufslehre als Heizungsmonteur.
Auch Guy Parmelin wurde zu Beginn als Leichtgewicht oder Übergangslösung abgetan. Doch der bodenständige Romand bewies jedoch rasch das Gegenteil. Er verkörperte die klassischen Tugenden unseres politischen Systems wie kaum ein anderer: uneitle Verlässlichkeit, parteiübergreifende Kollegialität und eine krisenfeste Sachpolitik, die stets ohne laute mediale Selbstdarstellung auskam. Er liess sich unter Druck nicht beirren. Nicht einmal unter Druck seiner eigenen Partei, als die SVP dem während Corona zuständigen Bundesrat Berset in den Rücken fiel. Parmelin war damals Bundespräsident und stellte sich schützend vor seinen Kollegen von der SP und gegen seine eigene Partei, die sich mal wieder im Ton vergriffen hatte. So geht "Bundesrat".
Ein Krisenmanager mit Augenmass
Besonders in Erinnerung bleiben wird uns Parmelins enormes Mass an Nervenstärke während der Corona-Pandemie. Als Wirtschaftsminister trieb er unbürokratische Hilfen, wie die Ausweitung der Kurzarbeitsentschädigung und die Covid-Härtefallhilfen, massgeblich voran. Damit sicherte er unzählige Arbeitsplätze, rettete Unternehmen und hielt die Schweizer Wirtschaft auf einem starken Fundament, als die Unsicherheit am grössten war.
Erfolgreich an der Urne und auf dem internationalen Parkett
Parmelin zählte zu den abstimmungsstärksten Bundesräten seiner Zeit. Ob bei wegweisenden Freihandelsabkommen oder den hochemotionalen Abstimmungen zum Covid-Gesetz: Mit seiner ruhigen und sachlichen Art erreichte er die Stimmbevölkerung weit über seine eigene Partei hinaus. Auch aussenpolitisch zeigte er Format. In seinem Präsidialjahr 2021 empfing er souverän Joe Biden und Wladimir Putin in Genf. Gleichzeitig eröffnete er der Schweizer Exportwirtschaft durch neue Freihandelsabkommen, etwa mit Indien, dringend benötigte globale Märkte.
Brückenbauer der Nation
Als französischsprachiger SVP-Bundesrat manövrierte Parmelin geschickt im Spannungsfeld zwischen der Westschweizer Mentalität und der Zürcher Parteilinie. Bei den Sozialpartnern, von den Gewerkschaften bis zum Arbeitgeberverband, genoss er hohes Vertrauen. Der Grund dafür war simpel: Guy Parmelin hörte zu, hielt seine Versprechen und verzichtete auf parteipolitische Spielchen. In einer Zeit der zunehmenden Polarisierung blieb er der Konkordanz und dem Kollegialitätsprinzip eisern treu. Indiskretionen an die Presse oder Querschüsse gegen Regierungskollegen waren ihm völlig fremd.
Guy Parmelin hat uns eindrücklich bewiesen, dass man in der Politik nicht der lauteste Rhetoriker sein muss, um erfolgreich zu gestalten. Er hinterlässt Ende 2026 ein hervorragend aufgestelltes Departement und das Vermächtnis einer unaufgeregten, hochgradig verlässlichen Staatskunst.
Wir von soaktuell.ch wünschen ihm für den wohlverdienten Ruhestand ab dem kommenden Jahr alles Gute, viel Zeit für seine Reben und beste Gesundheit. Merci, Monsieur le Conseiller fédéral!
Foto: Von Schweizerische Bundeskanzlei (zVg. auf wikimedia)














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