WM 2026: Polit-Zirkus, spanischer Triumph und das grosse Schweizer Schulterzucken
- Redaktion soaktuell.ch

- 21. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Mehr Spiele, mehr Teams, mehr Show: Die gigantische Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika ist Geschichte. Was bleibt aus Schweizer Sicht von diesem veränderten Mammut-Spektakel hängen? Ein peinlicher Schweizer FIFA-Präsident auf Schmusekurs mit dem US-Präsidenten, feiernde Spanier mit doppelter Brisanz, ein gewohnt einsatzfreudiger Breel Embolo – und eine Schweizer Heimat, in der trotz solider Nati-Leistungen die gewohnte WM-Euphorie seltsam ausblieb. Eine Bilanz zwischen sportlicher Verdienstlichkeit und politischem Theater.

Der FIFA-Präsident auf Schmusekurs: Gianni Infantino und die Machtpolitik
Wer die Bilder dieser Weltmeisterschaft analysiert, kommt an einer Personalie nicht vorbei: Gianni Infantino. Der Walliser an der Spitze des Weltfussballverbands nutzte die riesige Bühne in den USA, Kanada und Mexiko nicht nur für den Sport, sondern vor allem für die grosse politische Selbstdarstellung. Unvergessen bleibt, wie offen und unverstellt der Schweizer FIFA-Boss Donald Trump den Hof machte - vor und während der WM.
In einer Mischung aus diplomatischer Unterwürfigkeit und inszenierter Vertrautheit schmeichelte Infantino dem US-Präsidenten bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Für kritische Geister in der Schweiz war dieser Anblick schwer verdaulich, zeigte er doch einmal mehr, wie sehr sich die Führung des Weltfussballs mit den Mächtigen dieser Welt gemein macht – ganz egal, wie umstritten deren geopolitische Ausrichtung sein mag.
Die süsse Ironie der Pokalübergabe: Trump und die "schlimmsten" Europäer
Ausgerechnet die Siegerehrung lieferte die wohl grösste politische Ironie des gesamten Turniers. Aus den Händen von Donald Trump nahm am Ende die spanische Nationalmannschaft den begehrten Goldpokal entgegen.
Man musste schmunzeln: Trump, der im Vorfeld kein gutes Haar an Spanien gelassen und das Land aufgrund der Haltung von Premierminister Pedro Sánchez als „schlimmsten NATO-Partner“ gescholten hatte, weil Sánchez nicht nach der Pfeife Washingtons tanzen wollte, musste nun strammstehen. Genau diesem Land schüttelte er auf dem Podest die Hände und überreichte die Trophäe. Ein diplomatisches Verwirrspiel der Sonderklasse und ein Bild für die Geschichtsbücher: Der US-Präsident übergibt den wichtigsten Sportpreis der Welt an die Delegation einer Nation, die er kurz zuvor noch öffentlich attackiert hatte. Ganz Europa lacht sich kaputt.
Das Sportliche: Kollektiv schlägt Stars, die üblichen Verdächtigen bleiben
Sportlich hinterlässt das Turnier eine klare Erkenntnis: Das beste Team hat gewonnen – nicht die Mannschaft mit den glänzendsten Einzelspielern. Spanien überzeugte über das gesamte Turnier hinweg mit taktischer Disziplin, spielerischer Reife und vor allem als geschlossene Einheit. Im Finale wirkten die sonst so hochgejubelten Argentinier erstaunlich blass und schwach. Die Zeiten, in denen ein oder zwei Weltstars ein ganzes Turnier im Alleingang entscheiden können, scheinen endgültig vorbei zu sein.
Zugleich entlarvte die WM die Versprechen der FIFA bezüglich der grossen Veränderung durch die Aufstockung. Trotz über 100 Spielen und einem gigantischen Teilnehmerfeld aus allen Ecken der Erde landeten am Ende doch wieder die altbekannten Schwergewichte im Halbfinale und Finale: England, Frankreich, Argentinien und eben der verdiente Champion Spanien. Der Modus mag aufgebläht worden sein, doch die globale Fussball-Hierarchie liess sich dadurch nicht erschüttern. Der Pokal landete in Europa.
Die Schweizer Nati und das grosse Rätsel der fehlenden Begeisterung
Und wie erging es der Schweiz? Die Schweizer Nationalmannschaft verkaufte sich teuer und zeigte streckenweise hervorragenden Fussball. Sportlich gab es wenig vorzuwerfen – die Nati war gut unterwegs und kam so weit, wie sie halt kommen konnte. Eine tolle Leistung für ein so kleines Land.
Umso erstaunlicher war das Bild in der Heimat. Wer durch Solothurn, Olten, Aarau oder Baden sowie die Städte und Dörfer dazwischen fuhr, suchte die einst gewohnte WM-Stimmung vergeblich. Kaum Flaggen an den Häusern, fast keine Schweizer Fähnchen an den Autodächern oder Rückspiegeln, verhaltene Public Viewings. Die sprichwörtliche WM-Euphorie wollte im Land einfach nicht aufkommen.
Woran lag das? War es die Zeitverschiebung mit späten Anpfiffzeiten unter der Woche? War es die Übersättigung durch den Dauer-Fussball im Kalender? Oder führte der kommerzielle Zirkus rund um die FIFA und die Austragungsorte dazu, dass den Menschen die Lust am Mitfiebern vergangen ist? Es bleibt das Gefühl einer Entfremdung zwischen dem durchorganisierten Milliarden-Spektakel und der Basis.
Fazit: Ein Turnier der Widersprüche
Diese Weltmeisterschaft hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Auf dem Rasen siegte mit Spanien der sympathische und verdiente Mannschaftssport. Auf der Tribüne und in den Ehrenlogen dominierte das politische Kalkül und das Schmeicheln eines Schweizer Sportfunktionärs. Und zu Hause in der Schweiz blieb trotz starker Nati-Auftritte ein seltsames Schulterzucken zurück. Die WM ist grösser geworden, glänzender und lauter – aber keineswegs näher am Herzen der Fans. Man wird Trump's Fussball-WM 2026 schon in zwei Wochen vergessen haben.











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