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Luftverteidigung in der Sackgasse: Rückt ein europäisch-koreanisches Duo ins Zentrum?

Einmal mehr sind die Freunde Amerikas auf die Nase gefallen. Die Schweizer Luftverteidigung steht vor einem strategischen Scherbenhaufen. Nachdem die Auslieferung des 2021 beschlossenen US-Systems Patriot in weite Ferne gerückt und mittlerweile unbezahlbar ist und auch Deutschland bei der Rüstungskooperation wenig Flexibilität zeigt, muss das Bundesamt für Rüstung (armasuisse) umdenken. Nun rückt das französisch-italienische Luftabwehrsystem Eurosam in den Fokus – allenfalls in einer schlagkräftigen Kombination mit südkoreanischer Technologie. Eine sackstarke Kombination. Und mindestens die Südkoreaner könnten rasch liefern.



Es war ein Paukenschlag, als der Bundesrat vor fünf Jahren den Typenentscheid zugunsten des amerikanischen Patriot-Systems fällte. Doch im Spätsommer 2026 weicht die einstige Euphorie purer Ernüchterung. Angesichts der globalen Sicherheitslage und wachsender Spannungen priorisieren die USA andere Verbündete. Für die Schweiz bedeutet dies: Die Liefertermine verschieben sich massiv bis tief in die 2030er-Jahre hinein.


In Bern wächst das Gefühl, von den US-Partnern rüstungspolitisch an der Nase herumgeführt zu werden. Erschwerend kommt hinzu, dass auch der europäische «Sky Shield» unter deutscher Führung nicht die erhoffte, unkomplizierte Rückendeckung bietet. Rüstungsindustrielle Eigeninteressen und mangelnde Kooperationsbereitschaft machen den deutschen Weg für die Schweiz aktuell zu einer allzu unsicheren Option.


In dieser vertrackten Lage rückt nun eine rein europäische Lösung ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Das System SAMP/T NG des französisch-italienischen Konsortiums Eurosam. Für die Schweizer Armee drängt sich dieses System geradezu auf. Es ist dem Patriot-System in seinem operativen Aufgabenprofil verblüffend ähnlich und wehrt Kampfflugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen in einer Höhe von bis zu 30 Kilometern ab. Der entscheidende strategische Vorteil von Eurosam liegt jedoch in der Souveränität: Das System ist frei von US-amerikanischen Rüstungskontrollen (sogenannt ITAR-frei). Eine Beschaffung würde die Schweiz aus der massiven Abhängigkeit Washingtons lösen und gleichzeitig die westeuropäische Interoperabilität stärken. Modernste Radargenerationen mit echter 360-Grad-Abdeckung machen das System technologisch absolut konkurrenzfähig.


Da aber auch die europäische Industrie unter vollen Auftragsbüchern ächzt, was zu längeren Wartezeiten führen kann, kommt nun eine weitere Nation ins Spiel: Südkorea. Die asiatische Rüstungsindustrie hat in den letzten Jahren weltweit bewiesen, dass sie über enorme Produktionskapazitäten verfügt und extrem kurze Lieferfristen garantieren kann. Das südkoreanische System L-SAM ist dabei kein direkter Konkurrent zu Eurosam, sondern eine logische und hochwirksame Ergänzung. Während das französisch-italienische Eurosam die mittlere und untere Atmosphärenschicht abdeckt, ist das L-SAM auf die Raketenabwehr in grossen Höhen (40 bis 60 Kilometer) spezialisiert.


Eine Kombination aus europäischem Grundschutz und südkoreanischer Hochtechnologie würde dem Patriot-System in nichts nachstehen, im Gegenteil, es würde einen mehrschichtigen, extrem dichten Schutzschirm über der Schweiz aufspannen. Eigentlich erstaunlich, dass man nicht schon früher drauf gekommen ist.


Wichtig ist, dass zuerst mal die Beschaffung der Patriots gestoppt wird. Der Einsatz in der Ukraine zeigt, dass weder auf das System, noch auf die Lieferung der Munition, im Ernstfall Verlass ist.


Für armasuisse und die Sicherheitspolitik bedeutet dies einen Paradigmenwechsel. Um künftige Klumpenrisiken zu vermeiden, drängt sich die Diversifikation im Programm zur bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv GR 2) regelrecht auf. Ein französisch-italienisches Rückgrat, flankiert durch die rasche Lieferfähigkeit Südkoreas, könnte der ersehnte Befreiungsschlag aus dem aktuellen Rüstungsdilemma sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Bund den Mut hat, diesen strategischen Kurswechsel offiziell zu vollziehen.


Ein Kommentar der Redaktion soaktuell.ch

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