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Ironie der Geschichte: Wie Putin und Trump das Ende von Öl und Gas besiegeln

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Wladimir Putin dreht den Gashahn zu, Donald Trump predigt "Drill, baby, drill" und glorifiziert den V8-Motor. Doch die beiden selbsternannten starken Männer der fossilen Weltordnung erreichen exakt das Gegenteil: Durch Erpressung, Kriege und Protektionismus zwingen sie Europa und Asien in die energetische Unabhängigkeit. Wärmepumpen und Elektroautos boomen wie nie zuvor – auch in der Schweiz, wie aktuelle Verkaufszahlen zeigen. Ein geopolitischer Schuss, der für die Öl- und Gas-Nationen mittel- bis langfristig gewaltig nach hinten losgeht.



Als Wladimir Putin 2022 seinen brutalen Angriffskrieg startete und Gas als geopolitische Waffe einsetzte, glaubte er, den Westen in der Hand zu haben. Ein weiterer historischer Irrtum, der ihn teuer zu stehen kommt. Der "Putin-Effekt" löste in Europa eine beispiellose Flucht aus der Gas-Abhängigkeit aus. Das Heizen mit fossilen Brennstoffen wurde nicht nur zur Kostenfalle, sondern zum nationalen Sicherheitsrisiko.


Die Folge ist ein historischer Boom bei den Wärmepumpen. In den Kernmärkten Europas sind mittlerweile über 29 Millionen Wärmepumpen in Betrieb. Sie ersetzen jährlich rund 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas – das entspricht dem Volumen von über 200 gigantischen LNG-Tankschiffen. Putins einst so lukrativer europäischer Markt ist kollabiert: Der Anteil von russischem Gas an den EU-Importen stürzte von ehemals 45 Prozent auf kümmerliche 13 Prozent ab. Wer heute eine Wärmepumpe installiert, entzieht Moskaus Kriegsmaschinerie direkt das Geld. Putin hat seine beste Kundschaft für immer vergrault. Und jeden Tag, den der Krieg länger dauert, machen sich mehr Schweizerinnen und Schweizer mit Wärmepumpen unabhängig von Putin's Erdgas.


Auf der anderen Seite des Atlantiks agiert Donald Trump nicht minder kurzsichtig. Mit seiner fixen Idee, die US-Wirtschaft durch noch mehr Ölbohrungen und rücksichtslose Strafzölle zu schützen, treibt er den Rest der Welt im Eiltempo in die Elektrifizierung. Chinas Antwort auf die US-Handelsrestriktionen war eine massive Flucht nach vorn: Um sich von amerikanisch kontrollierten Öl-Seewegen unabhängig zu machen, investierte Peking gigantische Summen in Batterietechnologien und dominiert heute rund 75 Prozent der weltweiten Produktion.


Während Trump die benzinfressenden US-Cars der Vergangenheit glorifiziert und erneuerbare Energien verteufelt, fährt die Welt längst elektrisch. Im Jahr 2025 wurden global über 20 Millionen E-Autos verkauft – jedes vierte weltweit verkaufte Auto hat mittlerweile einen Stecker. Diese elektrische Flotte verdrängt bereits heute rund 1,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Und mit seinem Krieg gegen den Iran, der zu hohen Heizöl-, Benzin- und Dieselpreisen führt, schaltet Trump definitiv den Turbo für die Umstellung auf E-Autos und Wärmepumpen. In der Schweiz kaufen die Leute mittlerweile sogar chinesische E-Rasenmäher, anstatt Benziner, nur um den Launen von Trump, Putin & Co. zu entkommen.


Dass dieser globale Umbruch keine ferne Theorie ist, sondern im hiesigen Massenmarkt angekommen ist, zeigt sich direkt vor unserer Haustür. Wenn die Schmerzgrenze an der Zapfsäule erreicht ist, stimmt der Konsument mit dem Portemonnaie ab. Das Schweizer Online-Warenhaus Galaxus meldet passend dazu am 22. September 2026 spektakuläre Zahlen: Der Verkauf von Elektroauto-Ladestationen hat sich in der Schweiz in den ersten acht Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr praktisch verdoppelt (plus 97 Prozent). So etwas gab es noch nie.


Die Zeiten, in denen Wallboxen ein Nischenprodukt für Technik-Enthusiasten waren, sind definitiv vorbei. Die Markenvielfalt wächst, die Preise sinken, und der Schweizer Konsument greift ganz pragmatisch zum 11-Kilowatt-Standardgerät aus China, um sein Auto bequem und günstig über Nacht zu laden. Hohe Spritpreise, ausgelöst durch geopolitische Krisen, zwingen nun auch jene zum Umstieg, die ein E-Auto vor kurzem noch kategorisch ausgeschlossen hatten.


Die Ironie der Geschichte könnte nicht grösser sein: Wladimir Putin und Donald Trump, die beiden prominentesten Verfechter der fossilen Ära, erweisen sich als die effektivsten – wenn auch unfreiwilligen – Promotoren der Energiewende. Sie sind mittlerweile effizienter für "grüne Ziele" unterwegs, als alle Grünen Parteien Europas zusammen.


Indem sie Öl und Gas als Druckmittel missbrauchen und sich in protektionistischen Träumen verlieren, haben sie den wirtschaftlichen Skaleneffekt für grüne Technologien erst so richtig gezündet. Wer sich einmal von der Zapfsäule und dem Ölkessel verabschiedet hat, kehrt nicht mehr zurück. Die autokratischen und populistischen Fossil-Verfechter sägen hochgradig erfolgreich an dem Ast, auf dem sie sitzen.


Foto: Symbolbild von Stephan Schwebe / unsplash.com

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