USA verliert Milliarden wegen ausbleibenden Touristen
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 1 Stunde
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Seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2025 herrscht Eiszeit – nicht nur diplomatischer Natur, sondern auch an den Grenzübergängen. Besonders dramatisch zeigt sich dies beim direkten nördlichen Nachbarn Kanada: Millionen Menschen meiden den Weg über die südliche Grenze. Während «America First»-Parolen und neue Strafzölle die Wirtschaft belasten, entfaltet sich ein verblüffender Bumerang-Effekt. Die globale Abkehr vom US-Tourismus entwickelt sich zum unfreiwilligen Rettungsanker für die betroffenen Handelspartner – auch für die Schweiz.
Historischer Bruch an der längsten Grenze der Welt
Die neusten Zahlen der kanadischen Statistikbehörde lesen sich wie ein wirtschaftliches Alarmsignal für Washington. Kanada und die USA teilen sich nicht nur die längste gemeinsame Landgrenze der Welt, sondern pflegten jahrzehntelang eine der engsten Tourismus-Partnerschaften überhaupt. Die Vereinigten Staaten waren für Kanadier seit Generationen das unangefochtene Reiseziel Nummer eins für spontane Wochenendtrips, Shoppingtouren und Sommerferien.
Doch mit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus verzeichnet der direkte Nachbarstaat einen beispiellosen Einbruch: Im Jahr 2025 reisten 7,1 Millionen Kanadier weniger über die US-Grenze als noch im Vorjahr – ein gewaltiges Minus von 23,5 Prozent. Die Reiseausgaben der Kanadier in den USA sackten um 3,3 Milliarden auf 18,8 Milliarden Dollar ab. Die kanadischen Behörden benennen den Grund unmissverständlich: Mit dem Machtwechsel in Washington und der radikalen Polarisierung änderten sich die Reisepläne der Nachbarn abrupt. Statt in die USA zu fahren, blieben Kanadier im eigenen Land oder wählten Übersee-Ziele.
Der Funke springt auf die Schweiz über
Der Unmut über die schroffe US-Politik macht jedoch keineswegs an den Grenzen Nordamerikas halt. In der Schweiz zeigt sich eine verblüffend ähnliche Dynamik. Direkt nach der Amtsübernahme registrierte die US-Reisebehörde (NTTO) im März 2025 einen drastischen Einbruch der Schweizer Einreisen um 26,4 Prozent.
Dass das Jahr 2025 in der Schweizer Statistik letztlich mit einem Minus von etwa 10 Prozent (von 380'000 auf 340'000 Reisende) endete, lag vor allem an Vorbuchungen: Viele Schweizer hatten ihre teuren Übersee-Reisen bereits vor den US-Wahlen im November 2024, respektive vor dem Zoll-Hammer gegen die Schweiz gebucht. Das zeigt sich nun im Reisejahr 2026. Der Trend verstärkt sich massiv: Aktuelle Branchenumfragen zeigen, dass nur noch rund 3 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer eine Nordamerika-Reise planen – im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 7 Prozent. Die Nachfrage hat sich schlicht halbiert. Internationale Branchenbeobachtungen verdeutlichen diesen globalen Trend: Analyse zum Rückgang des US-Tourismus auf YouTube (s. oben).
Heimattourismus als Puffer gegen den Zollschock
Die weitreichenden Zölle und die Abschreckungspolitik Trumps erzeugen jedoch eine ökonomische Eigendynamik, die Washington so wohl kaum kalkuliert hatte. Der massenhafte Verzicht auf USA-Reisen führt dazu, dass gigantische Reisebudgets im Heimatland verbleiben. Die Milliarden, die Kanadier früher in New York, Miami oder Kalifornien ausgaben, fliessen nun in die heimische Gastronomie, Hotellerie und Kultur. Es ist vergleichbar mit dem Einkaufstourismus der Schweizer in Deutschland. Würde dieser plötzlich nicht mehr stattfinden, entgingen Deutschland alleine dadurch 9 Milliarden Umsatz pro Jahr. Kurz: Die Strafzölle mögen den USA zwar Einnahmen bringen, die aber an anderen Orten gleich wieder kompensiert werden. Es ist ja nicht nur der Tourismus, in die USA, der einbricht. Auch der öffentlich nicht ausgesprochene wirtschaftliche Boykott von US-Produkten wirkt.
Dieser ungeahnte Boom im Binnentourismus kompensiert einen spürbaren Teil der finanziellen Schäden, welche die aggressiven US-Strafzölle der kanadischen und Schweizer Exportwirtschaft zufügen. Auch Schweizer Urlauber buchen vermehrt Alternativen wie Kanada, Skandinavien, die übrige EU oder Asien – und spülen ihr Geld in befreundete Märkte.
Fazit: Politischer Isolationismus schadet der eigenen Wirtschaft
Ob direkte Grenznachbarn in Kanada oder weit entfernte Urlauber aus der Schweiz: Trumps Abschreckungspolitik und Vergrämung alter Freunde trifft den US-Tourismussektor mit voller Wucht. Wer Mauern baut – ob real oder rhetorisch –, zieht am Ende den Kürzeren. Was das Weisse Haus an Einnahmen durch Zölle erpressen will, verliert die eigene US-Privatwirtschaft durch das Ausbleiben kaufkräftiger Gäste und den unausgesprochenen Boykott von US-Produkten und Dienstleistungen. Der «Trump-Slump» beweist eindrücklich: Politischer Isolationismus hat am Ende immer einen hohen wirtschaftlichen Preis.
Diese anti-amerikanische Haltung wird sich in den kommenden zwei Jahren noch verstärken. Denn sie ist träge. Es braucht Zeit, bis sie sich richtig bemerkbar macht. Denn man steht ja nicht jeden Tag vor der Frage: "Wo verbringe ich meine Ferien?" oder "Was kaufe ich für ein Auto?" oder "Was kaufe ich für einen Laptop?". Aber wenn der Moment da ist, entscheiden sich ganz offensichtlich immer mehr gegen US-Produkte. Und das ist nun auch in Zahlen messbar.









