Urzeit-Giganten im Jura: Solothurner Wisente erobern die Wälder zurück
Rund tausend Jahre nach ihrem Verschwinden streifen wieder echte Wisente durch den Solothurner Jura. Was auf der Hochebene Sollmatt bei Welschenrohr als Pilotprojekt begann, entwickelt sich zu einer handfesten Erfolgsgeschichte: Die Herde wächst, das Testgelände wurde massiv erweitert, und Wanderer können den mächtigen Wildrindern mitten im Wald direkt begegnen.
Redaktion soaktuell.ch

Ein Freilandversuch mit Vorbildcharakter
Europas schwerstes Landsäugetier soll zurück in den Schweizer Naturraum – so die Vision des Projekts «Wisent Thal», das Ende 2022 mit den ersten Tieren oberhalb von Welschenrohr startete. Das auf zehn Jahre angelegte Experiment untersucht praxisnah, wie sich die Wildrinder in einer modernen Kulturlandschaft verhalten und wie das Miteinander mit Landwirtschaft, Forst und Bevölkerung funktioniert.
Die Zwischenbilanz fällt rundum positiv aus: Die Tiere haben sich hervorragend eingelebt, und durch gesunden Nachwuchs wächst die Gruppe stetig an. Um den Tieren genügend Bewegungsfreiheit und Nahrung zu bieten, wurde das Areal von ursprünglich 50 auf rund 100 Hektaren verdoppelt.
Natürliche Landschaftsgärtner im Einsatz
Die bis zu einer Tonne schweren Tiere verändern ihren Lebensraum spürbar – und zwar im besten ökologischen Sinn. Indem sie Sträucher verbeissen, Bäume schälen und durch ihr Gewicht den Boden aufwühlen, reissen sie dichte Waldstücke auf. Es entstehen sonnige Lichtungen und Totholzstrukturen, die seltenen Pflanzen, Vögeln und Insekten dringend benötigten Raum zurückgeben.
Wandern mitten im Wisent-Revier
Das Gehege ist kein geschlossener Zoo, sondern ein forst- und landwirtschaftlich genutzter Raum mit frei zugänglichen Wanderwegen. Damit der Ausflug sicher bleibt, sind Besucherinnen und Besucher auf Achtsamkeit angewiesen:
Distanz einhalten: Zu den Tieren stets einen Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern wahren.
Leinenpflicht: Hunde sind im gesamten Gebiet strikt an der kurzen Leine zu führen.
Wege nicht verlassen: Auf den markierten Pfaden bleiben und Tiere weder füttern noch bedrängen.
Rücksicht bei Kälbern: Mutterkühe mit Jungtieren niemals kreuzen oder zwischen Kuh und Kalb geraten.
Verläuft das Zusammenleben weiterhin ohne nennenswerte Zwischenfälle, steht in absehbarer Zeit der nächste historische Schritt an: Die sukzessive Öffnung der Zäune. Der Kanton Solothurn könnte damit zur Wiege der ersten frei lebenden Wisent-Population der Schweiz werden.
Mehr Informationen auf https://wisent-thal.ch/
Foto eines Wisent-Bullen: Sharp Photography / wikipedia license













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