top of page
soaktuell-logo-quer.png

NEU! Radio soaktuell.ch
Hören Sie das Begleitradio von soaktuell.ch für Aargau, Solothurn und die Schweiz. Mit Happy-Music, aktuellen Hit-Mixes und Oldies der 80er und 90er. Die Region im Ohr, die News im Auge. Zum Starten oben auf den Player klicken.

14-06-37-183_512.gif
Elite 8-Sponsoren:

Als die Gugler das solothurnische Gäu in Schutt und Asche legten

vor 9 Minuten
2 Min. Lesezeit

Es ist eines der düstersten Kapitel der solothurnischen Kantonsgeschichte, dessen Spuren teilweise bis heute sichtbar sind: der verheerende Einfall der Gugler im Winter 1375. Was als brutaler Feldzug eines französischen Adligen begann, endete für das solothurnische Gäu und die Aareregion in einer Katastrophe monumentalen Ausmasses. Ganze Ortschaften verschwanden für immer von der Landkarte, und die Zivilbevölkerung wurde Opfer beispielloser Gräueltaten.



22'000 Söldner im Liebes- und Erbwahn


Der Auslöser des sogenannten Guglerkriegs lag in den mütterlichen Erbansprüchen von Enguerrand VII. de Coucy. Der französische Graf forderte von den Habsburgern die Herausgabe des vorderösterreichischen Aargaus. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, heuerte er ein gigantisches Heer aus rund 22'000 arbeitslosen französischen und englischen Söldnern an. Da die Krieger markante, kapuzenartige Helme trugen – im Volksmund «Gugeln» genannt –, taufte die verängstigte Schweizer Bevölkerung die Invasoren kurzerhand «Gugler».


Im eisigen Dezember 1375 walzte diese Streitmacht über die Jurapässe. Eine Hauptroute führte die plündernden Horden über den Oberen Hauenstein direkt in das solothurnische Thal und weiter in das offene Gäu. Gegen diese schiere Übermacht hatte die lokale Bevölkerung kaum eine Chance. Das kleine Städtchen Falkenstein versuchte zwar verzweifelt, Widerstand zu leisten und schloss die Torgatter, wurde von der feindlichen Vorhut jedoch regelrecht überrannt.


Der Untergang von Altreu und Fridau


Da der Feldzug mitten im Winter stattfand und kaum reguläre Vorräte vorhanden waren, schwärmten die Gugler in kleineren, marodierenden Trupps aus. Ihr Ziel war es, das habsburgische Land strategisch und wirtschaftlich komplett auszubluten. Dabei trafen sie auf weitgehend unverteidigte, kleine Stützpunkte entlang der Aare.


Besonders grausam traf es die beiden solothurnischen Kleinstädtchen Altreu und Fridau (im heutigen Fulenbach). Die Gugler brannten die Siedlungen nicht einfach nur nieder, sie gingen mit äusserster Brutalität gegen die Einwohner vor. Historische Berichte dokumentieren, dass Menschen, die nicht rechtzeitig in die dichten Wälder oder hinter die sicheren Mauern der Stadt Solothurn fliehen konnten, gnadenlos niedergemacht wurden. Um die Verstecke von Gold, Korn und Vieh zu erpressen, griffen die Söldner zu Folter und Mord.


Ein besonders dunkles Kapitel war die systematische sexuelle Gewalt: Frauen und Mädchen wurden in Altreu und Fridau massenhaft Opfer von Vergewaltigungen. Im spätmittelalterlichen Kriegswesen wurde dies von den marodierenden Söldnerhaufen gezielt als psychologische Waffe eingesetzt, um den moralischen Widerstand der Gemeinden endgültig zu brechen. Am Ende blieb von den Städten nichts übrig. Während Altreu Jahrhunderte später als kleines Dorf wiederauferstand, entstand um das ehemalige Städtchen Fridau das heutige Dorf Fulenbach. Auch andere Dörfer wie Waldkirch, Bienken, Wedelswil oder Gutzwil verschwanden damals dauerhaft von der Bildfläche.


Die Rache der Eidgenossen


Die Brutalität der Gugler schürte in der Region einen beispiellosen Hass. Die Gräueltaten an den Frauen und der Zivilbevölkerung führten dazu, dass die herbeigeeilten Truppen aus Bern, Luzern und dem Seeland im Gegenangriff keinerlei Gnade walten liessen. In legendären Nachtgefechten – darunter in der Weihnachtsnacht bei Buttisholz und kurz darauf bei Fraubrunnen – wurden die Gugler überrascht. Die Schweizer machten aus Rache für die Massaker im Gäu keine Gefangenen; über 2'000 Söldner wurden im Nahkampf erschlagen.


Den Rest besorgte der eisige Schweizer Winter und der Hunger: Da die Gugler kaum Nahrung fanden, erfroren und verhungerten Tausende auf dem ungeordneten Rückzug über den Jura im Januar 1376. Was blieb, war ein traumatisiertes, aber befreites Solothurner Mittelland.



Illustration von Diebold Schilling der Ältere / wikimedia.org

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page