Tesla muss Autos faktisch verschenken, damit sie noch gekauft werden
- Redaktion soaktuell.ch
- vor 21 Stunden
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Die Zulassungszahlen von Tesla in der Schweiz steigen im Jahr 2026 wieder an. Ein Grund zum Jubeln für Elon Musk? Wohl kaum. Hinter der glänzenden Fassade der Verkaufsstatistiken verbirgt sich ein beispielloser Preisverfall. Wer sich als Tech-Milliardär politisch mit Donald Trump verbrüdert und die Weltbühne als persönlichen Spielplatz für einen Handelskrieg mit der enttäuschten Schweiz nutzt, bekommt hierzulande die Quittung. Es ist die Schweizer Rache an Musk und Trump. Die Schweizer Rache an den USA. Die Schweizer kaufen Tesla, aber zu Preisen, bei denen Tesla fast drauflegen muss. Sie diktieren den Preis.

Lange Zeit war Tesla das unangefochtene Statussymbol der urbanen, umweltbewussten Elite. In kaum einem Land der Welt wurden so viele Tesla zu so hohen Preisen verkauft, wie in der Schweiz. Doch die Marke hat gewaltige Kratzer abbekommen. CEO Elon Musk hat sich in den letzten Jahren stark radikalisiert, hofiert Donald Trump und fiel immer wieder durch erratische Auftritte auf. In der Schweiz kommt dieses Gebaren extrem schlecht an. Denn Trump führt einen beispiellosen Handelskrieg gegen unser kleines Land und bedankt sich für die jahrelange USA-Treue mit Strafzöllen.
Die Konsumenten haben ein sehr feines Gespür dafür, wen sie mit ihrem Portemonnaie finanzieren. Für Musks politische Eskapaden zahlt man in der Schweiz definitiv keinen Premium-Aufschlag mehr. Die hiesigen Käufer haben den Spiess komplett umgedreht und dem Konzern ein klares Ultimatum gestellt: Entweder runter mit dem Preis, oder die US-Autos bleiben stehen. Knallhart.
Und Tesla hat nachgegeben – gezwungenermassen. Um den drohenden Kollaps der Absatzzahlen abzuwenden, hat der texanische Konzern die Preise radikal in den Keller gedrückt. Man muss es in dieser Deutlichkeit sagen: Tesla verschenkt seine Autos faktisch.
Ein fabrikneues Model 3 wird in der Schweiz mittlerweile ab rund 38'000 Franken verramscht, das Model Y gibt es für knapp 42'000 Franken. Das ist weit unter dem Preis, den europäische Konkurrenten für oftmals deutlich schlechter ausgestattete Elektro-Modelle aufrufen. Tesla flutet den Schweizer Markt mit billigen Angeboten, nur um die Produktionsbänder in den Werken am Laufen zu halten.
Für die Bilanzen von Tesla ist das eine absolute Katastrophe. Zwar stiegen die Zulassungen im ersten Halbjahr 2026 in der Schweiz um 14 Prozent auf über 3'200 Fahrzeuge an. Doch der Schein trügt gewaltig: Der weltweite Reingewinn des Konzerns befindet sich im freien Fall. Die einst legendär hohen Gewinnmargen, um die die etablierte Autoindustrie Tesla stets glühend beneidete, sind restlos pulverisiert. Rekordumsätze und Rekordauslieferungen auf der einen Seite, aber ein drastischer Einbruch von 57% beim operativen Gewinn auf der anderen Seite. Während man früher pro Auto ein kleines Vermögen verdiente, subventioniert man heute den Absatz. Jeder Verkauf treibt den Marktanteil zwar leicht an, doch der Profit zerrinnt dem Konzern komplett zwischen den Fingern. Lange wird das nicht so weiter gehen.
Für das Schweizer News-Portal soaktuell.ch und die technikaffine Leserschaft in der Region Aargau-Solothurn zeigt sich damit ein glasklares Bild: Der Glanz des einstigen Pioniers ist definitiv ab. Selbstverschuldet. Elon Musk mag zwar in der US-Politik den starken Mann markieren, doch auf dem Schweizer Automarkt wurde er von der harten Realität eingeholt. Die Kunden diktieren ihm nun die Bedingungen. Und geht Tesla nicht auf die Preisvorstellungen der Schweizer Kundschaft ein, kaufen sie eben einen Volvo, VW, BMW oder BYD.
Der Schweizer Markt ist klein, aber lukrativ. Es mit der Schweiz zu versauen, ist eine schlechte Idee. Tesla hat den Schweizer Markt aktuell nur noch über eine brutale Rabattschlacht im Griff – vollumfänglich auf Kosten der eigenen Substanz. Der einstige Hype ist einer nüchternen, fast schon gnadenlosen Kalkulation der Käufer gewichen. Sie müssen mit einem Tesla schliesslich mit einem amerikanischen Auto in der Öffentlichkeit herumfahren. Betonung auf müssen. Und gäbe es morgen in der Schweiz keine Tesla mehr, würden sie die wenigsten vermissen.
Einmal mehr beweisen die Schweizerinnen und Schweizer mit grösster Cleverness und Kreativität, wie man höchst wirkungsvolle Vergeltungsmassnahmen für die Strafzölle der Trump-Administration umsetzen kann - auch als kleines Land.









