Strafzölle bezahlen erstaunlich oft die amerikanischen Kundinnen und Kunden
- Redaktion soaktuell.ch

- vor 1 Tag
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Ein Jahr nach dem dramatischen Zollschock aus den USA zieht die Schweizer Exportwirtschaft eine ernüchternde Bilanz. Die Hoffnung, die Zölle einfach auf die amerikanische Kundschaft abzuwälzen, erwies sich als gefährliche Illusion. Und doch gelang es rund der Hälfte der betroffenen Schweizer Unternehmen, die US-Strafzölle ganz oder teilweise auf amerikanische Kunden zu überwälzen. Dennoch leiden vor allem KMU unter schrumpfenden Margen, Auftragsverlusten und erzwungenen Stellenstreichungen – während Grosskonzerne ihre Produktion verlagern. Dieses Problem hat aber nicht nur mit den Strafzöllen zu tun, sondern sehr viel mit der aktuellen Wirtschaftslage und den Kostenentwicklungen in der Schweiz.

Als die US-Administration Zusatzzölle auf Schweizer Produkte verhängte, sass der Schock tief. Die wirtschaftliche Realität im ersten Jahr zeigt ein schonungsloses Bild: Strafzölle treffen keineswegs nur die Gegenseite, sondern entwickeln sich zu einer schleichenden Belastung für die heimische Präzisions- und Zulieferindustrie.
Die Margen-Illusion: Die Zeche zahlen die Firmen selbst
Die Annahme, Ausfuhrzölle würden am Ende vom amerikanischen Endverbraucher bezahlt, zerschlug sich rasch. Umfragen von Wirtschaftsverbänden wie Swissmem oder Raiffeisen zeigen ein klares Bild: Nur gerade 20 bis 25 Prozent der Schweizer Exporteure gelang es, die Zollaufschläge weiterzugeben. Dies glückte fast ausschließlich Herstellern mit starkem Alleinstellungsmerkmal – etwa im Luxussegment (Richemont, Rolex) oder in Spezialnischen der Medtech-Branche (Straumann).
Wer nicht über ein Monopol verfügt, blieb auf den Kosten sitzen. Rund ein Drittel der Firmen konnte die Preise nur minimal anheben; über ein Viertel musste die Mehrkosten zu 100 Prozent über die eigene Marge auffangen. Da Schweizer Waren gegenüber der europäischen Konkurrenz oft höher verzollt wurden, verloren viele hiesige Anbieter Aufträge an Mitbewerber aus der EU oder Asien.
KMU als Opfer – Konzerne weichen aus
Besonders kritisch ist die Ungleichheit der Folgen: Während globale Großkonzerne den Zolldruck durch Produktion vor Ort ("Inshoring") abfederten, wurden KMU hart getroffen.
Giganten wie Nestlé produzieren ohnehin über 90 Prozent ihrer US-Waren im Land. Auch Industriekonzerne wie ABB, Autoneum, Georg Fischer oder Holcim wichen den Grenzzöllen aus, indem sie Kapazitäten in ihren US-Werken hochfuhren. Für den Schweizer Mittelstand war dieser Weg aus Geldmangel verschlossen.
Ein dramatisches Beispiel lieferte der Maschinenbauer K. R. Pfiffner AG aus Utzenstorf (BE): Unter der Last des US-Zolldrucks und der Autoschwäche musste das Traditionsunternehmen Ende 2025 die Produktion in der Schweiz einstellen und rund 80 Stellen streichen. Das zeigt: Zölle vernichten direkt Schweizer Industrie-Arbeitsplätze. Obwohl die Autobranche auch ohne Zölle schon auf der Intensivstation liegt.
Hektische Suche nach Ausweichmärkten
Um das wegbrechende USA-Geschäft zu kompensieren, versuchten laut Swissmem rund 80 Prozent der Tech-Unternehmen, neue Märkte zu erschliessen. Man orientierte sich verstärkt in Richtung Asien und Lateinamerika, wo neue Freihandelsabkommen mit Staaten wie Indien, Malaysia oder dem Mercosur Chancen bieten, sowie zurück in den EU-Raum.
Doch die Ernüchterung folgte schnell: Der Aufbau neuer Vertriebskanäle im B2B-Bereich dauert Jahre. Der Ausfall des US-Marktes liess sich im ersten Jahr nicht ausgleichen. Aber vielerorts deuten neue Kundenbeziehungen und Lieferverträge darauf hin, dass die Verlagerung weg vom unsicheren und teuren amerikanischen Markt hin zu neuen Märkten voll im Gang ist.
Fazit: Zölle bringen nur Verlierer
Das erste Jahr zeigt unmissverständlich: Zölle schwächen den Standort Schweiz, treiben KMU an Leistungsgrenzen und beschleunigen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Auf der anderen Seite belasten die Zölle definitiv auch die Kundinnen und Kunden in den USA. Erstaunlich viele haben die Strafzölle ganz oder teilweise über die angehobenen Produktpreise bezahlt und damit die Auswirkungen der Zölle auf die Schweiz abgefedert.











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