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Solothurner hatten keinen Bock auf Österreich

vor 21 Stunden
3 Min. Lesezeit

Während der benachbarte Aargau als eigentliche Wiege der Habsburger gilt und bis 1415 fest in deren Hand war, verlief die Geschichte im Kanton Solothurn grundlegend anders. Die Ambassadorenstadt und ihre Landschaft wurden nie von den Österreichern unterworfen. Stattdessen entwickelte sich Solothurn durch geschickte Bündnisse, zähen Abwehrwillen und gezielte Zukäufe zum unüberwindbaren Riegel gegen die Grossmacht Österreich.



Wer im Kanton Aargau unterwegs ist, stösst auf Schritt und Tritt auf das Erbe der Habsburger Dynastie – von der namensgebenden Stammburg "Habsburg" über Schloss Lenzburg bis nach Baden, Aarburg oder Zofingen. Doch nur wenige Kilometer westlich bot sich im Spätmittelalter ein völlig anderes Bild: Der Raum Solothurn war für die Vögte und Herzöge von Österreich ein denkbar ungemütliches Pflaster.


1318: Hochwasser stoppt Herzog Leopold I.


Der Grundstein für Solothurns Eigenständigkeit wurde bereits 1218 gelegt, als die Stadt nach dem Aussterben der Zähringer reichsfrei wurde – sie unterstand also direkt dem Kaiser und keinem regionalen Adelsgeschlecht. Um diese Unabhängigkeit gegen den spürbaren Expansionsdrang der benachbarten Habsburger abzusichern, schloss Solothurn schon 1295 ein enges Defensivbündnis mit Bern.


Die Bewährungsprobe liess nicht lange auf sich warten: Im Spätsommer 1318 zog Herzog Leopold I. von Habsburg mit einem gewaltigen Heer vor die Stadtmauern. Zehn Wochen lang wurde Solothurn belagert. Der Durchbruch gelang den Angreifern jedoch nicht. Als ein massives Aare-Hochwasser die habsburgische Behelfsbrücke mitriss, ertranken zahlreiche feindliche Soldaten. Der Überlieferung nach retteten Solothurner Bürger ihre Feinde mit Booten aus den tosenden Fluten. Leopold, beeindruckt von der Standhaftigkeit und Grossmut der Verteidiger, brach die Belagerung ab und schenkte der Stadt der Sage nach sogar ein Banner.


Die Mordnacht von 1382: Hans Roth vereitelt den Handstreich


Auch in den folgenden Jahrzehnten liessen die habsburgischen Interessen Solothurn nicht in Ruhe. Im November 1382 plante Graf Rudolf II. von Neu-Kyburg – ein enger Parteigänger Österreichs – die Einnahme der Stadt durch einen nächtlichen Überfall.


Der Plan scheiterte spektakulär: Der Dünnerner Bauer Hans Roth belauschte die Verschwörer im Schloss Aarburg, rannte mitten in der Nacht nach Solothurn und warnte die Bürger rechtzeitig. Der Anschlag – als «Solothurner Mordnacht» in die Geschichtsbücher eingegangen – wurde abgewehrt. Gemeinsam mit Bern ging Solothurn im anschliessenden Burgdorferkrieg in die Offensive und drängte den habsburgtreuen Adel weiter zurück.


Habsburgische Brückenköpfe in Olten und im Gäu


Ganz frei von österreichischem Einfluss blieb das heutige Kantonsgebiet dennoch nicht. Da der Adel im 14. Jahrhundert chronisch verschuldet war, sicherten sich die Habsburger durch geschickte Pfandvergaben strategisch wichtige Knotenpunkte:


  • Olten unter österreichischer Herrschaft: Die Dreitannenstadt gehörte ursprünglich den Grafen von Frohburg und danach dem Bischof von Basel. 1384 verpfändete dieser Olten an Herzog Leopold III. von Habsburg. Bis 1407 bzw. 1426 blieb Olten eine habsburgische Pfandschaft, ehe Basel und Solothurn das Pfand einlösten. 1532 erwarb Solothurn schliesslich die vollen Herrschaftsrechte. Auch alle Dörfer bis weit ins Gäu, die von den Frohburgern verwaltet wurden, gehörten demnach zwischen 1384 und 1426 kurz den Habsburgern, also Trimbach, Hauenstein-Ifenthal, Wisen (zur Sicherung des Passes) Lostorf, Stüsslingen, Winznau, Starrkirch-Wil, Dulliken, Wangen bei Olten, Hägendorf, Rickenbach, Kappel, Egerkingen, Härkingen, Gunzgen, Neuendorf, Kestenholz, Oberbuchsiten, Niederbuchsiten, Oensingen (bis 1415), Fulenbach – hier gründeten die Frohburger im 13. Jahrhundert die befestigte Stadt Fridau (mit eigener Aarebrücke), Wolfwil und Boningen.

  • Das Niederamt und die Herrschaft Gösgen: Dörfer von Niedergösgen über Erlinsbach bis Stüsslingen wurden zeitweise im Habsburger Urbar geführt. 1458 kaufte Solothurn das Amt Gösgen auf.

  • Gäu und Pässe: Auf Burgen wie Neu-Bechburg bei Oensingen oder Neu-Falkenstein bei Balsthal sassen Adelsherren, die immer wieder mit den Habsburgern paktierten und Handelswege blockierten. Solothurn und Bern machten mit diesen Raubrittern kurzen Prozess: 1415, zeitgleich mit der grossen Aargauer Eroberung der Eidgenossen, wurde Neu-Bechburg belagert und erobert.


Showdown im Schwarzbubenland: Der Schlusspunkt 1499


Das letzte grosse Kräftemessen mit den Habsburgern fand schliesslich im Norden des Kantons statt. Im Schwabenkrieg von 1499 wollte der habsburgische König Maximilian I. die Eidgenossenschaft endgültig in die Schranken weisen.


Am 22. Juli 1499 prallten vor den Toren der solothurnischen Burg Dorneck die Truppen aufeinander: In der Schlacht bei Dornach errangen die Eidgenossen einen entscheidenden Sieg über das kaiserlich-habsburgische Heer. Der darauffolgende Frieden von Basel besiegelte die faktische Loslösung der Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich. Die letzte Schlacht mit den Österreichern fand also auf solothurnischem Gebiet statt und endete mit einem Sieg für die Schweizer.


Ein Kanton, geformt aus Widerstand


Der heutige Kanton Solothurn verdankt seine geografische Gestalt zu einem grossen Teil der konsequenten Gegenstrategie zu Habsburg: Was die Österreicher als Pfand hielten, kaufte der Solothurner Rat nach und nach auf; wo Habsburg militärisch drohte, schlug man im Bündnis mit Bern zurück.


Während der Nachbarkanton Aargau 1415 gewaltsam aus habsburgischer Herrschaft befreit werden musste, hatte sich Solothurn seine Freiheit über Jahrhunderte selbst erstritten – ein Selbstbewusstsein, das 1481 schliesslich im regulären Beitritt zur Eidgenossenschaft als souveräner Stand mündete.



Foto: Schloss Schönbrunn in Wien. Jahrhunderte lang das Machtzentrum der Habsburger. Ihr Reich reichte im Westen bis nach Aarburg, also bis an die Grenze des Kantons Solothurn. Bildrechte: soaktuell.ch

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