top of page
  • Bluesky
  • Pinterest
soaktuell-logo-quer.png

PLAY Radio soaktuell.ch

NEU! Radio soaktuell.ch
Hören Sie das Begleitradio von soaktuell.ch für Aargau, Solothurn und die Schweiz. Mit Happy-Music, aktuellen Hit-Mixes und Oldies der 80er und 90er. Die Region im Ohr, die News im Auge. Zum Starten oben auf den Player klicken.

14-06-37-183_512.gif
Elite 8-Sponsoren:

Migros macht nicht alles falsch

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Schlagzeilen über Filialschliessungen, Spartenverkäufe, gescheiterte Tiefpreisstrategien und Sparprogramme prägten in den letzten Monaten das Bild des orangen Riesen. Doch wer die Migros derzeit auf eine Krise reduziert, verkennt die Realität. Trotz des harten Gegenwinds aus dem Ausland und hausgemachter Baustellen beweist das Schweizer Traditionsunternehmen tagtäglich Qualitäten, die im europäischen Detailhandel ihresgleichen suchen – gerade auch bei uns im Mittelland.



Man könnte meinen, die Migros stehe am Abgrund, liest man die Wirtschaftsseiten der grossen Blätter. Der Verkauf von Melectronics und SportX, der Rückzug bei Hotelplan und schmerzhafte Reorganisationen sorgten für Unruhe. Hinzu kommt der wachsende Druck durch deutsche Discounter, französische Sportgiganten und Onlineplattformen sowie des Einkaufstourismus. Doch die Diagnose des schleichenden Niedergangs greift deutlich zu kurz: Was derzeit passiert, ist kein Zerfall, sondern eine überfällige Rückbesinnung auf den eigentlichen Markenkern. Und genau dort ist die Migros nach wie vor ungeschlagen.


Kultstatus statt austauschbare Massenware


Während internationale Ketten weitgehend dieselben globalen Markenprodukte von Nestlé, Unilever oder Coca-Cola ins Regal stellen, geht die Migros seit jeher einen radikal anderen Weg: Sie produziert einen grossen Teil ihres Sortiments selbst. Von der Schokolade (Frey) über Teigwaren bis hin zu Milchprodukten betreibt die Migros eine der leistungsfähigsten Lebensmittelindustrien des Landes.


Das Ergebnis sind Eigenmarken, die generationenübergreifenden Kultstatus geniessen. Der legendäre Kult-Ice-Tea, das Handy-Abwaschmittel, die Blévita-Cracker oder die M-Budget-Linie sind längst Teil der Schweizer Popkultur. M-Budget bewies schon vor fast 30 Jahren, dass günstige Grundnahrungsmittel nicht billig oder minderwertig wirken müssen. Hier kauft der Student genauso selbstverständlich ein wie die Familie oder die Rentnerin.


Nahversorgung, wo andere längst abwinken


Gerade im Kanton Solothurn, im Aargau und den angrenzenden Regionen der Genossenschaft Migros Aare zeigt sich die Stärke des Filialnetzes. Während sich reine Rendite-Konzerne oft auf margenstarke Grossagglomerationen und Autobahnzubringer konzentrieren, sichert die Migros zusammen mit ihren Partnerläden die Nahversorgung bis in ländliche Gemeinden und Quartiere.

Hinzu kommt das Pionierprogramm «Aus der Region. Für die Region.». Was heute fast jeder Supermarkt als Marketingtrend für sich reklamiert, wurde bei der Migros vor einem Vierteljahrhundert institutionalisiert. Tausende lokale Landwirte und gewerbliche Produzenten haben durch die Migros verlässliche Absatzkanäle direkt vor der Haustür. Wer im Solothurner Gäu oder im Wasseramt eine Migros betritt, kauft Eier, Gemüse und Milch, die tatsächlich aus den umliegenden Dörfern stammen.


Das Genossenschaftsprinzip: Sinn statt reiner Shareholder-Value


In Zeiten, in denen Konzerne oft ausschliesslich für kurzfristige Quartalsrenditen und anonyme Aktionäre optimiert werden, wirkt das Modell von Gottlieb Duttweiler fast wie ein Fels in der Brandung. Die Migros gehört keinen Hedgefonds, sondern ihren über 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschaftern.


Sichtbar wird dieser Unterschied beim Migros-Kulturprozent: Über 140 Millionen Franken fliessen Jahr für Jahr verbindlich in Kulturprojekte, soziale Initiativen und die Klubschulen – unabhängig davon, ob das Geschäftsjahr einfach oder herausfordernd war. Welcher andere Detailhändler betreibt die grösste Erwachsenenbildungsinstitution des Landes oder unterstützt unzählige lokale Vereine und Quartierfeste?


Auch der bewusste Verzicht auf Alkohol und Tabak in den klassischen Supermärkten – erst vor kurzem von der Basisbasisdemokratisch mit überwältigender Mehrheit bestätigt – unterstreicht ein Wertefundament, das man im modernen Turbo-Kapitalismus mit der Lupe suchen muss.


Gesunder Realismus statt Nostalgie


Niemand bestreitet, dass sich die Migros in den fetten Jahren verzettelt hat. Der Versuch, vom Velo über den Fernseher bis zur Pauschalreise alles selbst anzubieten, passte nicht mehr in eine digitalisierte, hochspezialisierte Welt. Dass das Management nun den Mut aufbringt, unrentable Nebenschauplätze abzustossen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern betriebswirtschaftliche Vernunft.


Wenn der orange Riese die frei werdenden Ressourcen nun wieder voll in Frische, Regionalität, faire Preise und moderne Supermärkte investiert, profitiert am Ende vor allem die Kundschaft. 


Die Migros ist nicht perfekt – aber sie ist zutiefst schweizerisch, verlässlich und aus unserem Alltag schlicht nicht wegzudenken. Ihr grösstes Problem war und ist die Überheblichkeit, das Herabsehen auf andere bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung.


Jahrelang hat die Migros beispielsweise die Präsenz von Lidl und Aldi in der Schweiz schlicht verschwiegen und deren Erfolge mit Bedeutungslosigkeit quittiert. Die Migros muss heute ernsthaft Sorge tragen zu ihrer Kundschaft. Denn es gibt mittlerweile zu viele Alternativen im Land und ennet den Grenzen. Man darf gespannt sein, ob die Migros bloss ihre regionalen Genossenschaften fusioniert, oder sich echt verändert, hin zum Volk, sympathisch, wertschätzend und überraschend. So wie sie das früher mal war.



Illustration KI-generiert Gemini

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page