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Leben mit Strafzöllen: Warum die Schweiz vor Trumps Zolldrohungen keine Angst mehr hat

vor 2 Minuten
3 Min. Lesezeit

Donald Trump droht der Welt mit protektionistischen Mauern, und jedes Mal geht ein Raunen durch die Exportnation Schweiz. Doch die Furcht vor US-Strafzöllen beruht auf einem grundlegenden Missverständnis über die Funktionsweise des Welthandels. Am Ende trifft der Zollhammer nicht die Schweizer Industrie, sondern er schlägt als Bumerang im US-Alltag ein: Die Zeche bezahlen die Amerikanerinnen und Amerikaner selbst – im Portemonnaie oder im Spitalbett. Das haben mittlerweile fast alle gecheckt, wie der Ausgang der Midterms-Wahlen gezeigt hat. Die US-Wählerinnen und -Wähler, die Demokraten, ja sogar viele Republikaner.


KI-generiertes Bild von Gemini zur Illustration.
KI-generiertes Bild von Gemini zur Illustration.

Kaum ein politisches Drohmittel wird im Weissen Haus so zelebriert wie der Importzoll. In Trumps Rhetorik klingt es stets so, als würden fremde Staaten Milliarden an die US-Kasse überweisen. Die nüchterne ökonomische Realität sieht völlig anders aus: Ein Strafzoll ist keine Busse für das Exportland, sondern eine Einfuhrsteuer, die US-Unternehmen beim Grenzübertritt an den eigenen Staat entrichten müssen.


Für die Schweizer Wirtschaft bedeutet das: Nicht die Firmen im Solothurner Mittelland, in Basel oder im Rheintal zahlen die Abgabe, sondern die amerikanischen Grosshändler und Importeure. Und genau hier beginnt der Mechanismus, der Trumps Drohkulisse entzaubert.


Schweizer Trümpfe: Spezialitäten statt Massenware


Wäre die Schweiz ein Exporteur austauschbarer Billigwaren, hätte sie Grund zur Sorge. Wer einfache T-Shirts oder Plastikspielzeug liefert, verliert im Zollkrieg schnell gegen günstigere Märkte. Doch die Schweizer Exportstruktur ist gänzlich anders aufgebaut: Sie basiert auf hochpräziser Medizintechnik, spezialisiertem Maschinenbau und vor allem auf Pharmazeutika.


Die USA sind mittlerweile der wichtigste Einzelmarkt für Schweizer Waren, getrieben von globalen Schwergewichten wie Roche, Novartis oder Lonza. Mehr als die Hälfte der Schweizer Ausfuhren entfällt auf die chemisch-pharmazeutische Industrie.


Wenn Washington nun Zölle auf diese Produkte ankündigt oder verhängt, stellt sich eine einfache Frage: Was ist die amerikanische Alternative? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Es gibt schlicht keine oder offensichtlich schlechtere.


Die Rechnung landet direkt beim US-Konsumenten


Weil es an kurzfristigen Alternativen fehlt, bleibt US-Importeuren nur eine Wahl: Sie müssen die Produkte trotzdem einführen. Die Margen der Grosshändler sind nicht dick genug, um Abgaben von 10, 15 oder 25 Prozent einfach wegzustecken. Die Folge ist die direkte Weitergabe der Kosten entlang der Kette bis an den Endverbraucher.


Die amerikanische Bevölkerung erlebt Schutzzölle nicht als wirtschaftliche Stärke, sondern als Inflation:


  1. Preiserhöhungen im Alltag: Ob Präzisionswerkzeuge für Fabriken oder Konsumgüter – der Aufschlag wird voll auf den Ladenpreis aufgeschlagen. Leidtragende sind Unternehmen und Kunden in den USA.

  2. Der Preisschirmeffekt heimischer Hersteller: US-Hersteller nutzen die künstliche Verteuerung ausländischer Konkurrenz häufig aus, um ihre eigenen Preise ebenfalls anzuheben, anstatt sie billig anzubieten. Leidtragende sind nochmals die Unternehmen und Kunden in den USA.


Das tragische Dilemma bei Medikamenten


Besonders verheerend wirkt dieser Mechanismus im Gesundheitssektor. Bei Krebsmedikamenten, Biologika oder seltenen Wirkstoffen können Patienten und Spitäler ihren Konsum nicht einfach einschränken. Die Nachfrage ist unelastisch – wer die Behandlung braucht, muss sie bezahlen.


Strafzölle auf Pharmaexporte führen in den USA daher unweigerlich zu einem doppelten Schaden:


  1. Verteuerung der Grundversorgung: Krankenkassenprämien und Selbstbehalte steigen, was das ohnehin teure US-Gesundheitssystem zusätzlich belastet.

  2. Gefahr von Versorgungsengpässen: Scheuen Importeure das Risiko oder geraten Lieferketten ins Stocken, fehlen lebensrettende Medikamente («Drug Shortages»).


Dass eine US-Regierung solche Kapazitäten rasch ins eigene Land holen könnte, ist eine Illusion. Der Aufbau einer sterilen, nach den strengen Regeln der Food and Drug Administration (FDA) zertifizierten Wirkstoffproduktion dauert viele Jahre und verschlingt Milliarden. Bis eine solche Fabrik steht, wären längst mehrere Präsidentschaftswahlen vergangen. Zudem fehlt in den USA oft das Know-How.


Gelassenheit als beste Strategie


Für die Schweiz heisst das nicht, dass Zölle ein Vergnügen sind – Handelshemmnisse schaffen stets Reibungsverluste und bürokratischen Aufwand. Doch die fundamentale Verhandlungsmacht liegt bei jenen, die unersetzliche Güter herstellen.


Trumps Zölle sind in erster Linie ein innenpolitisches Eigentor für die Vereinigten Staaten. Ein riesiger Fehler. Solange die Schweizer Industrie auf Innovation, herausragende Qualität und unverzichtbare Spezialitäten setzt, kann sie den handelspolitischen Turbulenzen aus Washington mit nüchterner Gelassenheit begegnen. Wer der Schweiz schaden will, zwingt am Ende nur die eigenen Bürger dazu, die Zeche zu bezahlen.

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