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Im Kanton Solothurn wird 2027 günstigeren Strom erwartet.

21. Juli
4 Min. Lesezeit

Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 in der Schweiz erneut sinken. Dies zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) bei 75 Versorgungsunternehmen. In der Region Aargau-Solothurn dürfte man vor allem im Kanton Solothurn gespannt sein auf den Umfang der Stromtarif-Senkungen. Diese werden am 31. August 2026 von der Elcom bekannt gegeben. Der Kanton Solothurn hat im laufenden Jahr Schlagzeilen mit den zweitteuersten Stromtarifen der Schweiz gemacht. Kestenholz (SO) ist sogar die teuerste Stromgemeinde der Schweiz. Das schadet dem Standort und Image extrem.


KI generiertes Bild zur Illustration. Gemini.
KI generiertes Bild zur Illustration. Gemini.

Gründe für die sich abzeichnenden günstigeren Stromrechnungen im Jahr 2027 sind wie im letzten Jahr die sinkenden Preise auf dem Strommarkt. Trotz des Preisanstiegs seit Beginn des Irankriegs blieb der Einfluss auf die Tarife vorerst aus. Die langfristigen Beschaffungsstrategien wirken auch in einem angespannten geopolitischen Umfeld stabilisierend, schreibt der VSE. An der jährlich durchgeführten VSE Strompreisumfrage nahmen von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen 75 teil.


Die Tarife der 35 EVU, die bereits konkrete Angaben machen konnten, sinken im Median um rund 6% für H4- und 3% für H2-Haushaltskunden. H4 und H2 bezeichnen die Grösse des Haushalts. Auch die Tarife für C3- und C4-Kunden (Industrie- und Gewerbe) sinken um 7% bzw. 4%.


Der Median für H4-Haushaltskunden liegt gemäss Umfrage für 2027 noch bei 26.6 Rp./kWh im Vergleich zum Vorjahr 2026, wo der Wert für diese EVU bei 28.6 Rp./kWh lag. Das ist eine weitere deutliche Abwärtsbewegung seit der Energiekrise, welche durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde: im Jahr 2024 befand sich der Wert noch bei 33.0 Rp./kWh.


Von den 40 teilnehmenden EVU, die den Tarif noch nicht konkret beziffern, aber qualitativ beantworten konnten, meldet die Mehrheit ebenfalls sinkende oder gleichbleibende Stromtarife für das Jahr 2027.


Energiekosten sinken


Die Energietarife sinken je nach Kundengruppe im Durchschnitt um 6 bis 15% und tragen damit massgeblich zu den tieferen Stromtarifen bei. Hauptgrund für die tieferen Kosten sind rückläufige Preise auf den Stromgrosshandels­märkten. Zwar führte der Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 zu einem Anstieg der Strompreise auf dem Terminmarkt. Dies schlägt sich aber vorerst kaum in den aktuellen Tarifen nieder. Grund dafür sind die langfristigen Beschaffungsstrategien der EVU, welche in dieser Situation stabilisierend wirken.


Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes setzen die EVU noch stärker auf eine längerfristige Beschaffung: 75% beschaffen die Energie am Markt mehrheitlich langfristig, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus, während 25% kürzere Beschaffungsfristen wählen oder eine kurz-, mittel- und langfristige Beschaffung kombinieren. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben hat die vorwiegend kurzfristige Beschaffung als Strategie an Bedeutung verloren.


Auch die Netzkosten bleiben stabil


Die Netztarife für 2027 bleiben im Vergleich zu 2026 im Mittel stabil. Zwar ist der Tarif für das Verteilnetz einerseits leicht gestiegen, während der Tarif für das Übertragungsnetz gesunken ist. Dank wirksamer Massnahmen in den Bereichen Engpassmanagement und Systemdienstleistungen gehen die entsprechenden Kosten bei Swissgrid zurück. Davon profitieren sowohl Haushalte als auch Unternehmen. Die Entwicklung der Tarife auf Ebene Verteilnetz hängen stark vom entsprechenden Netzgebiet ab (Investitionen in Verteilnetze wie Netzausbau und Netzverstärkungen).


Die Festlegung der Stromtarife für die Grundversorgung erfolgt nach klaren gesetzlichen Vorgaben. Die definitiven Stromtarife für das Jahr 2027 müssen die rund 580 Grundversorger bis spätestens Ende August ihren Kundinnen und Kunden und der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) melden. Diese veröffentlicht sämtliche Tarife Anfang September.


Wie setzt sich der Strompreis zusammen?


Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Stromversorgung abdecken – von der eigentlichen Energie über die Netznutzung bis hin zu Messdienstleistungen und öffentlichen Abgaben.


Preise 2027 im Kanton Solothurn


Für den kantonalen Durchschnitt und viele Gemeinden im Kanton Solothurn ist die Marke von 26,6 Rappen pro kWh im Jahr 2027 durchaus realistisch oder wird gemäss VSE sogar unterschritten. Allerdings zeigt die enorme Preisspanne im Kanton, dass es gewaltige Unterschiede gibt.


  • Wo 26,6 Rappen (oder weniger) realistisch sind:

    Einige Solothurner Gemeinden lagen bereits 2026 unter oder nahe bei der 26,6-Rappen-Marke (z. B. Egerkingen mit ca. 23,5 Rp./kWh oder Neuendorf mit ca. 25,3 Rp./kWh). Mit den für 2027 prognostizierten Preisabschlägen werden diese Orte das VSE-Medianziel problemlos halten oder unterbieten. Die Kombination aus attraktiven Steuern und günstigen Strompreisen ist nicht nur ein echter Standortvorteil für diese Gemeinden, sondern zeigt auch, dass dort kostengünstig, effizient und kundenorientiert gearbeitet wird.

    Versorger wie die Regio Energie Solothurn haben bereits 2026 deutliche Preissenkungen durchgesetzt und ihre Tarife modernisiert. Wenn diese Versorger die gesunkenen Marktpreise weitergeben, rückt ein Wert um 25 bis 27 Rappen für Haushalte in der Region Solothurn-Stadt in greifbare Nähe.

  • Wo 26,6 Rappen 2027 Utopie bleiben

    Für Gemeinden im obersten Preissegment ist dieser Wert für 2027 schlicht unerreichbar:

    Bei einem Niveau von über 41 bis 43 Rappen/kWh im Jahr 2026 beispielsweise in Kestenholz (SO) müsste der Tarif um fast 40% einbrechen, um auf 26,6 Rappen zu kommen. Aufgrund langfristiger Altverträge und fehlender Reserven ist selbst bei einer Erholung der Märkte realistisch gesehen nicht mit einem Sturz auf den Schweizer Median zu rechnen.

    Auch Gemeinden mit Tarifen von über 34 Rappen/kWh (wie etwa Fulenbach) werden trotz sinkender Tendenzen voraussichtlich über der 30-Rappen-Marke verharren.


Das ist extrem viel und killt alle sonstigen Bemühungen, die man unternommen hat, um eine attraktive Wohngemeinde zu werden. Ob man 34 Rappen/kWh oder 25 Rappen/kWh für den Strom bezahlt, macht in einem 4-Personen-Haushalt rasch gegen 1000 Franken im Jahr aus.


Die Erwartungen der Stromkundinnen und Stromkunden im Kanton Solothurn sind also zurecht hoch.

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