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Haushalt in Kestenholz bezahlt 2027 für gleiche Strommenge 870 Franken mehr als Schweizer Durchschnitt

vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Die Schweizer Strompreise sinken für das Tarifjahr 2027 im Mittel leicht um rund vier Prozent (soaktuell.ch hat berichtet). Ein typischer Haushalt spart rund 53 Franken pro Jahr. Hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich jedoch eine gewaltige Spreizung: Ausgerechnet Gemeinden im Mittelland finden sich an der Spitze der nationalen Strompreishölle wieder. Kestenholz führt das Ranking als teuerste Gemeinde der Schweiz an. Aber auch Murgenthal ist dramatisch teuer.



Die von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) veröffentlichten Tarife zeigen: Im Schweizer Median bezahlen Haushalte mit einem Standardverbrauch von 4'500 kWh (Profil H4) künftig 26.5 Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh), was einer Jahresrechnung von rund 1'194 Franken entspricht. Sinkende Beschaffungskosten am Grosshandelsmarkt entlasten viele Verbraucher. Doch die Unterschiede zwischen den Regionen bleiben enorm.


Die zehn teuersten Strom-Gemeinden der Schweiz 2027


Weit über 2000 Gemeinden sind auf der Strompreiskarte der ElCom einsehbar. Die Top-10 der teuersten Gemeinden wird einmal mehr angeführt von Kestenholz im Kanton Solothurn, dicht gefolgt von Niederhelfenschwil im Kanton St. Gallen. Mit Murgenthal und Kaisten sind zudem zwei Aargauer Gemeinden unter den teuersten zehn vertreten:


1. Kestenholz (SO): 45.88 Rp./kWh (ca. 2'065 CHF/Jahr)

2. Niederhelfenschwil (SG): 45.80 Rp./kWh (ca. 2'061 CHF/Jahr)

3. Grub (SG): 41.46 Rp./kWh (ca. 1'866 CHF/Jahr)

4. Bischofszell (TG): 41.37 Rp./kWh (ca. 1'862 CHF/Jahr)

5. Buchen-Teuffenthal (BE): 41.09 Rp./kWh (ca. 1'849 CHF/Jahr)

6. Murgenthal (AG): 39.65 Rp./kWh (ca. 1'784 CHF/Jahr)

7. Vorderthal (SZ): 39.10 Rp./kWh (ca. 1'760 CHF/Jahr)

8. Büren (BE): 38.77 Rp./kWh (ca. 1'745 CHF/Jahr)

9. Braunau (TG): 38.71 Rp./kWh (ca. 1'742 CHF/Jahr)

10. Kaisten (AG): 37.89 Rp./kWh (ca. 1'705 CHF/Jahr)


Ein Haushalt in Kestenholz bezahlt 2027 für dieselbe Strommenge über 870 Franken mehr als der Schweizer Durchschnitt. Das ist unhaltbar.


Die fünf teuersten Kantone im Vergleich


Auch im Kantonsranking sind Nordwestschweizer Kantone miserabel unterwegs. Paradox ist, dass die Menschen im Kanton Solothurn das Risiko eines Kernkraftwerks tragen und dafür noch höchste Strompreise bezahlen müssen. Hier ist wirklich Handlungsbedarf für die Politik.


Hier die fünf teuersten Strom-Kantone:


1. Basel-Stadt (BS): ca. 33.30 Rp./kWh

2. Neuenburg (NE): ca. 32.20 Rp./kWh

3. Jura (JU): ca. 31.90 Rp./kWh

4. Bern (BE): ca. 31.50 Rp./kWh

5. Solothurn (SO): ca. 31.15 Rp./kWh


Teuerste Gemeinden der Schweiz beim Messtarif für Haushalte mit PV-Anlage


Neu in Mode gekommen ist die Abzockerei von Haushalten mit PV-Anlagen bei den Pauschalen für die Strommessung (Messtarife). Solothurner Elektras gehören auch hier zu den unrühmlichen Spitzenreitern. Die folgende Rangliste zeigt die sechs Gemeinden mit den höchsten Zähler- und Messkosten der Schweiz für Solarstrom-Produzenten (Zweirichtungsmessung):


  1. Fulenbach (Elektra Fulenbach), SO, 180.00 CHF

  2. Aeschi, Etziken, Horriwil, Hüniken (EAW), SO, 180.00 CHF

  3. Herrliberg (EV Herrliberg), ZH, 168.00 CHF

  4. Feusisberg / Schindellegi (EW Schindellegi), SZ, 151.20 CHF

  5. Maisprach (Elektra Maisprach), BL, 144.00 CHF

  6. Kestenholz (Energie Kestenholz), SO, 132.00 CHF


Zum Vergleich: Der Schweizer Median für die Messkosten liegt bei 78.48 CHF pro Jahr. Haushalte mit Photovoltaik in Fulenbach oder im Äusseren Wasseramt bezahlen somit jedes Jahr 101.52 CHF mehr als der Schweizer Mittelwert allein für den Zähler. Das ist eindeutig ein Akt gegen Besitzer von Photovoltaik-Anlagen.


Die ElCom ist alarmiert


Die Aufsichtsbehörde ElCom stuft wiederkehrende Mess- und Abrechnungspauschalen im Bereich von 90 bis 120 CHF pro Jahr als noch marktüblich und unauffällig ein. Tarife, die wie in Fulenbach oder im Äusseren Wasseramt bei 180 CHF pro Jahr liegen, stellen das regulatorische Maximum dar. Verteilnetzbetreiber mit solchen Maximaltarifen müssen im Rahmen des ElCom-Monitorings nach Art. 17a StromVG detailliert nachweisen, dass dieser Betrag ausschliesslich tatsächlich anfallende, ungedeckte Messkosten abbildet und keine Quersubventionierung darstellt.


ElCom Geschäftsführer Urs Meister sagte am 8. September 2026 gegenüber Radio SRF, seine Behörde werde Messtarife von 180 Franken im Jahr im Detail überprüfen. Hier könne etwas nicht stimmen.


Das Gesetz beinhaltet ein striktes Kostenüberschreitungsverbot. Das heisst: Ein lokaler Stromversorger darf mit dem Messwesen in seinem Monopolgebiet keinen Rappen Gewinn machen; er darf lediglich seine tatsächlichen und belegbaren Aufwände decken. Messkosten von 180 Franken für einen normalen Smart Meter eines Privatgebäudes müssen also belegt werden.


Symbolbild von Vitaly Gariev / unsplash.com

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