Flusskraftwerke im Sommer: Private retten das Stromnetz – und Versorger sahnen ab
Wenn Schweizer Flusskraftwerke im Hochsommer wegen Hitze bis zu 30 Prozent weniger Strom liefern, springt verlässlich eine Kraft ein: die Photovoltaik auf Schweizer Dächern. Tausende Eigenheimbesitzer haben erhebliche Summen investiert, um ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Doch statt Fairness erleben viele eine kalte Dusche bei der Abrechnung: Während Energieversorger (EVU) für den Strombezug saftige Tarife verlangen, speisen sie private Produzenten mit Brosamen ab. Ein Zustand, der nach einer gesetzlichen Margenbremse verlangt.

Zwischen 6 Rappen Einkauf und 19 Rappen Verkauf
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Viele Haushalte zahlen heute allein für die reine Energie rund 15-19 Rappen pro Kilowattstunde – Netzkosten und Abgaben noch gar nicht eingerechnet. Wer aber am sonnigen Mittag seinen Überschuss ins Netz einspeist, erhält vom lokalen Monopolisten oft nur noch 6 Rappen. Das gesetzliche Minimum.
Dass der Strom physikalisch Sekunden später im Nachbarhaus die Waschmaschine antreibt, spielt tariflich keine Rolle. Die Versorger verweisen gerne auf tiefe Spotmarktpreise an den europäischen Strombörsen. Doch dieses Argument ist scheinheilig: Beim Einkauf pochen die EVU auf den knallharten Markt, beim Verkauf an gebundene Endkunden stützen sie sich jedoch bequem auf das Vollkostenprinzip ab und wälzen teure Altverträge voll auf die Kunden ab.
Privates Risiko, staatlich geschützte Marge
Für PV-Besitzer bedeutet diese Praxis einen massiven Vertrauensbruch. Wer 25'000 oder 35'000 Franken investiert, tut dies im Vertrauen auf einen fairen Return on Investment. Geht ein Wechselrichter kaputt oder hagelt es, haftet der Eigentümer allein. Das EVU hingegen investiert keinen Rappen in die privaten Dächer, sichert sich aber die Marge bei der Weiterverteilung im Quartier.
Damit wird die Amortisation künstlich auf Jahrzehnte hinausgezögert. Anstatt Investitionen zu fördern, bremst das aktuelle System den Ausbau. Der Bürger wird zum unfreiwilligen Subventionsgeber für die Bilanzen der Versorger degradiert. Hier ist ein staatlich legalisierter Betrug an den PV-Anlagenbesitzern, aber auch an den anderen Strombezügern, im Gang.
Die Lösung: Eine gesetzliche Zehn-Prozent-Marge
Damit der Markt endlich spielt, braucht es griffige Regeln: Energieversorger sollten gesetzlich dazu gezwungen werden, auf lokal erzeugten PV-Strom maximal 10 Prozent Marge zu erheben, wenn sie diesen Strom den Nachbarn weiterverkaufen, die keine PV-Anlage haben. Die Vergütung muss an den Energie-Verkaufspreis des Versorgers gekoppelt sein.
Verlangt das EVU für die Energie 19 Rappen, stünden dem Produzenten nach Abzug von 10 Prozent Marge faire 17,1 Rappen zu. Verkauft das EVU den Strom für 15 Rappen, stünde dem Besitzer der PV-Anlage nach Abzug der Marge noch 13,5 Rappen für eingespiesenen Strom zu. Dies würde die EVU zwingen, als transparente Logistikdienstleister zu agieren.
Wer investiert, muss ernten dürfen. Nur wenn sich Solardächer für Hausbesitzer wirtschaftlich lohnen, gelingt die Energiewende. Eine Deckelung der EVU-Marge auf Solarstrom ist kein Protektionismus, sondern die Wiederherstellung wirtschaftlicher Vernunft.
Wenn die Politik nicht reagiert und den "Betrug" beim Weiterverkauf von eingespiesenem Solarstrom nicht mit einer Marge deckelt, kommt der grosse Moment für die PV-Anlagenbesitzer mit der Annahme des Stromabkommens, eines der neuen Abkommen der Bilateralen Verträge III mit der EU. Dies verlangt eine Marktöffnung und ermöglicht es PV-Anlagenbesitzern, zum attraktivsten Anbieter zu wechseln.
Das Problem, dass Energieversorger den privaten Sommerüberschuss für 6 Rappen absaugen und für 19 Rappen weiterverkaufen, ist jedoch ein hausgemachtes Schweizer Regulierungsversagen. Es lässt sich nicht nach Brüssel delegieren, sondern muss im Bundeshaus gelöst werden: entweder über eine gesetzliche Margenbremse im StromVG, verbindliche Mindesttarife oder die radikale Freigabe des lokalen Stromhandels von Haus zu Haus.
Foto: Symbolbild von Jack Blueberry / unsplash.com













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