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Droht die UBS mit Wegzug? Warum das für die Schweiz gar nicht so schlecht wäre.

vor 13 Stunden
3 Min. Lesezeit

Die Gerüchteküche brodelt: Um strengeren Kapitalvorschriften in der Schweiz zu entgehen, prüft die UBS angeblich einen Wegzug ins Ausland. Ein Schreckensszenario für unseren Finanzplatz? Im Gegenteil. Für die Schweizer Volkswirtschaft und Politik wäre es ein Befreiungsschlag.



Die Nachbeben der Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS im Jahr 2023 sind noch immer spürbar. Bern zieht die Zügel an: Bundesrat und Parlament fordern strengere «Too-big-to-fail»-Regeln. Das ruft die UBS-Führung auf den Plan. Laut Medienberichten prüft die Bank Szenarien für einen Wegzug aus der Schweiz, etwa durch eine Fusion mit einer US-Grossbank wie Morgan Stanley.


Der Grund: Die neuen Regeln könnten die UBS zwingen, ihr Kapital für ausländische Töchter um rund 16 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Das schmeckt der Konzernspitze nicht. Sie "deupelet" wie kleine Kinder. Doch statt in Panik zu verfallen, sollte die Schweiz die Koffer der UBS mental bereits packen. Ein Wegzug wäre nämlich gar keine schlechte Nachricht – aus fünf zentralen Gründen.


1. Die tickende Zeitbombe wird entschärft


Die Bilanzsumme der neuen «Monster-UBS» liegt bei unvorstellbaren 1,6 Billionen US-Dollar. Das ist etwa doppelt so viel wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz. 2008 musste der Staat die UBS retten, 2023 die CS. Es wird auch ein drittes mal passieren, da darf man sich keine Illusionen machen. Sollte die jetzige Mega-Bank aber in Schieflage geraten, wäre unser Land schlicht zu klein, um sie aufzufangen. Eine UBS-Krise würde die Staatsfinanzen und unsere Wirtschaft in den Abgrund reissen. Zieht die Konzernmutter jedoch in die USA, geht auch die Haftung dorthin über. Amerikanische Behörden – und nicht Schweizer Steuerzahlende – müssten im Notfall den Kopf hinhalten.


2. Die Erpressbarkeit der Politik endet


Ein Unternehmen von dieser gigantischen Grösse verzerrt die Demokratie. Jedes Mal, wenn das Parlament strengere Regeln für mehr Sicherheit fordert, wird subtil oder offen mit Abwanderung gedroht. Solange die UBS systemrelevant ist, diktiert sie indirekt ihre eigenen Regeln mit. Zieht der globale Hauptsitz ab, gewinnt die Schweiz ihre politische Unabhängigkeit zurück.


3. Keine Panikmache bei den Arbeitsplätzen


Das stärkste Druckmittel ist meist die Angst um Jobs. Ja, bei einem Wegzug würden hochdotierte Management- und Investmentbanking-Stellen in Zürich wegfallen. Doch das massenhafte Schliessen von Filialen in den Kantonen droht nicht. Das lukrative Schweizer Geschäft bleibt hier – ob als UBS-Tochtergesellschaft oder übernommen durch Konkurrenten. Zudem: Ein Kollaps der heutigen Monster-UBS würde die gesamte Schweizer Wirtschaft in eine tiefe Krise stürzen und branchenübergreifend Hunderttausende Arbeitsplätze gefährden. Dagegen ist der Abbau einiger Konzernstäbe ein absolut vertretbarer Preis für die Sicherheit des ganzen Landes.


4. Eine Chance für KMU und regionale Banken


Wirtschaftsverbände warnen, dass KMU schwerer an Kredite kämen. Auch das ist unbegründet. Regionale Institute wie Kantonalbanken oder Raiffeisen stehen bereit. Ein Rückzug der UBS aus bestimmten Bereichen würde den Wettbewerb endlich wieder beleben. Auch ausländische Kunden, die explizit eine Schweizer Bank suchen, würden ihre Gelder schlicht zu anderen, stabileren Schweizer Instituten transferieren.


5. Die Steuermär hält der Prüfung nicht stand


Oft wird argumentiert, dem Staat entgingen massive Steuereinnahmen. Durch die CS-Übernahme kann die UBS jedoch enorme Verluste geltend machen, was ihre Steuerlast hierzulande auf Jahre hinaus drückt. Viel schwerer wiegt unsere unfreiwillige Leistung: Weil die Welt weiss, dass die Schweiz die UBS im Notfall retten muss, leiht sich die Bank am Markt viel günstiger Geld. Wir subventionieren dieses riskante Geschäftsmodell mit unserem guten Ruf.


Fazit: Reisende soll man nicht aufhalten


Die UBS ist keine Werbekundin der Internet-Zeitung soaktuell.ch, weshalb wir hier, anders als andere Medien, ungehemmt Klartext schreiben können. Ein Wegzug des Hauptsitzes am Paradeplatz würde dem Ego des Finanzplatzes kurzfristig zwar einen Dämpfer verpassen. Volkswirtschaftlich wäre es aber die eleganteste Lösung. Und politisch wäre es ein starkes Signal. Die Schweiz lässt sich auch von einer UBS nicht erpressen. Die Schweiz behält ihr stabiles, kundennahes Bankengeschäft für Bürger. Das unberechenbare, globale Kasinogeschäft hingegen verlagert sich dorthin, wo man stark genug ist, um die enormen Risiken auch zu tragen - oder wo man bereit ist, eine Grossbank in Schieflage fallen zu lassen, wie eine heisse Kartoffel. Doch die Prognosen für die UBS bei einem Wegzug wären schlecht. Wenn die UBS keine Schweizer Bank mehr ist, verliert sie schlagartig ihr Alleinstellungsmerkmal und ihre Wurzeln. Beim ersten "Sturm" im internationalen Bankenmarkt würde sie fallen.

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