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Shopping: Über 12 Milliarden fliessen ins Ausland – davon über 1,2 Milliarden aus Aargau-Solothurn

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Ob im grenznahen Supermarkt oder bequem per Mausklick vom Sofa aus: Herr und Frau Schweizer geben jährlich über 12 Milliarden Franken im Ausland aus. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Konsumzahlen. Statt die Konsumenten als «Landesverräter» an den Pranger zu stellen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten – und auf die legitimen Gründe für den Einkauf jenseits der Grenze. Auch im Aargau und im Kanton Solothurn ist der Einkaufstourismus eine wirtschaftliche Realität.



Die Diskussion um den Einkaufstourismus verläuft oft emotional. Wenn Herr und Frau Schweizer am Wochenende über die Grenze fahren, um den Kofferraum zu füllen, ist der Aufschrei bei heimischen Detailhändlern meist gross. Doch ein genauer Blick auf die aktuellen Marktzahlen zeigt: Der Einkauf im Ausland oder in ausländischen Onlineshops ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine feste und logische Grösse in den Schweizer Haushaltsbudgets.


Über 11,5 Prozent des Konsums fliessen ins Ausland


Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Rechnet man den klassischen, stationären Einkaufstourismus (rund 9,3 Milliarden Franken) und die Online-Direktimporte aus dem Ausland (ca. 2,8 Milliarden Franken) zusammen, summiert sich der Auslandskonsum auf über 12 Milliarden Franken pro Jahr. Bezogen auf den gesamten Schweizer Detailhandelsmarkt bedeutet dies, dass über 11,5 Prozent der Konsumausgaben an ausländische Händler fliessen.


Besonders bei Gütern des täglichen Bedarfs ist die Preisdifferenz für viele Familien schlicht zu attraktiv, um sie zu ignorieren. Allein im Segment der Nahrungs- und Genussmittel fliessen jährlich über 4,1 Milliarden Franken ins benachbarte Ausland ab. Wer hier von «mangelnder Solidarität» spricht, verkennt die Lebensrealität vieler Menschen: Angesichts steigender Krankenkassenprämien, hoher Mieten, explodierender Sprit- und Strompreise und allgemeiner Teuerung im Inland ist der wöchentliche Grosseinkauf in Deutschland oder Frankreich für viele schlicht eine smarte Notwendigkeit zur Entlastung der Haushaltskasse.

Familien werden zum Einkauf im Ausland gezwungen, um in der Schweiz die Krankenkassen, Steuern und Energie noch bezahlen zu können.

Über eine Milliarde Franken aus dem Aargau und Solothurn


Dieser Trend ist auch vor unserer Haustür deutlich spürbar. Aggregiert fliessen aus den Kantonen Aargau und Solothurn jährlich zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Franken ins Ausland ab. Das entspricht rund einem Zehntel des gesamten Schweizer Auslandskonsums.


Im Kanton Aargau mit seiner langen Aussengrenze entlang des Hochrheins ist der Effekt naturgemäss besonders gross. Hier fliessen jährlich geschätzte 800 Millionen bis 1 Milliarde Franken ab. Während der kantonale Schnitt bei etwa 9 bis 11 Prozent liegt, verzeichnen die direkten Grenzbezirke wie das Fricktal oder das Zurzibiet eine Kaufkraftabschöpfung von 15 bis über 20 Prozent. Die Fahrt über den Rhein gehört hier zur wöchentlichen Routine.


Im Kanton Solothurn beläuft sich der Kaufkraftabfluss gegen 400 Millionen Franken. Hier zeigt sich eine zweigeteilte Struktur: Das Schwarzbubenland verhält sich durch seine geografische Lage wie ein echter Grenzkanton mit einer Abschöpfung von ebenfalls 15 bis 20 Prozent in Richtung Deutschland und Frankreich. Aber auch im Solothurner Mittelland, dem Gäu und der Region Olten ist der Einkaufstourismus verankert. Dank der optimalen Verkehrsanbindung an die Autobahnen liegt die deutsche Grenze nur rund 30 bis 45 Fahrminuten entfernt – ideal gelegen für den durchschnittlichen Schweizer Einkaufstouristen.


Auf nationaler Ebene pendelt sich der physische Einkaufstourismus im Jahr 2026 voraussichtlich knapp unter der 10-Prozent-Marke ein. Zollsenkungen, höhere Spritpreise und ein teurerer Euro-Kurs dämpfen den Grenzverkehr zwar leicht, der boomende Online-Handel fängt dies jedoch mühelos auf, denn die Einsparungen durch die 40-60 Prozent tieferen Preise sind massiv.


Freie Marktwirtschaft gilt auch für Konsumenten


Es wird Zeit, den Einkaufstouristen das schlechte Gewissen zu nehmen. Die Schweizer Wirtschaft profitiert enorm von offenen Grenzen, dem Export und dem globalen Handel. Es ist daher nur legitim, dass auch die Konsumentinnen und Konsumenten die Vorteile eines freien Marktes für sich nutzen dürfen. Anstatt mit dem Mahnfinger auf clevere Einkäufer zu zeigen, wäre der heimische Detailhandel gut beraten, mit günstigeren Preisen zu punkten.

Die Konsumenten sind mündig – und sie stimmen jeden Tag aufs Neue mit ihrem Portemonnaie ab.

Foto: Symbolbild von Vitaly Gariev / unsplash.com

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