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Welthandel Rekordhoch: Wenn die USA mit Strafzöllen spielen, arbeiten die anderen enger zusammen

vor 8 Stunden
3 Min. Lesezeit

Trotz geopolitischer Spannungen und neuen Zöllen wächst der Welthandel rasant, massgeblich angetrieben durch den KI-Boom. Doch während die Weltwirtschaft enger zusammenrückt, zeigen die USA deutliche Tendenzen zur Selbstisolierung. Was diese globale Verschiebung für die exportorientierte Schweiz und unsere Region bedeutet.



Wer dachte, die Globalisierung sei auf dem Rückzug, wird durch aktuelle Daten eines Besseren belehrt. Der weltweite Warenhandel wuchs im ersten Halbjahr 2026 so schnell wie in kaum einem anderen Halbjahr der letzten 15 Jahre – ausgenommen die volatile Covid-19-Zeit. Dies das Ergebnis des DHL Globalization Tracker (Ausgabe Oktober 2026): Eine gemeinsame Studie von DHL und der Stern School of Business der New York University, basierend auf über 30 Millionen Datenpunkten zu globalen Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen.


Haupttreiber dieses Wachstums ist der unstillbare globale Hunger nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere Halbleiter und Netzwerktechnik. Laut Analysen von WTO und OECD trug der Handel mit solchen Gütern im ersten Quartal 2026 zu 76 Prozent des Wachstums im Warenhandel bei.


Trump manövriert die USA in die Isolation


Während Regionen wie Ostasien und der Pazifikraum wirtschaftlich florieren (Handelswachstum von 24 Prozent in den ersten fünf Monaten 2026), schlagen die USA einen deutlich protektionistischeren Weg ein. Die US-Zölle haben den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. Gleichzeitig forciert Washington die wirtschaftliche Entkopplung von China: Machte der direkte Handel zwischen den beiden Grossmächten 2015 noch 3,5 Prozent des Welthandels aus, sank dieser Anteil bis Mitte 2026 auf lediglich 1,6 Prozent, sagt die DHL Studie.


Doch die von den USA erhoffte Blockbildung der Weltwirtschaft in rivalisierende Lager bleibt aus. Stattdessen zeigen die Daten klare Anzeichen einer handelspolitischen Selbstisolierung der Vereinigten Staaten:


  1. Ehemalige gute Verbündete wie die Schweiz ziehen nicht mit: Die engen Partner der USA haben ihre Wirtschaftsbeziehungen zu China weitgehend aufrechterhalten und schliessen sich dem harten amerikanischen Kurs nicht an.

  2. Die Welt lässt die USA immer mehr im Regen stehen und weicht aus: Da auf die USA in den vergangenen Jahren nur rund 13 Prozent der weltweiten Importe entfielen, reagiert der Rest der Welt pragmatisch. Statt auf umfassende Vergeltungsmassnahmen zu setzen, suchen viele Staaten durch neue Abkommen den Zugang zu alternativen Märkten.

  3. Illusion der Unabhängigkeit: Die Entkopplung ist in der Realität komplexer als auf dem Papier. Güter, die die USA aus Drittländern importieren, enthalten weiterhin massgeblich chinesische Komponenten. Berücksichtigt man diese indirekten Importe, ist die Abhängigkeit der USA von China faktisch nur leicht gesunken. Dies zeigt die DHL-Studie auf.


Chancen und Bedeutung für die Schweiz


Für eine stark exportabhängige Nation wie die Schweiz – und speziell für die vielen innovativen KMU und Industrieunternehmen in unserer Region Aargau-Solothurn – sind diese globalen Verschiebungen hochrelevant. Die Schweizer Wirtschaft lebt vom offenen Zugang zu den Weltmärkten. Dass sich der Welthandel trotz der amerikanischen Abschottungstendenzen und Krisen wie dem Iran-Krieg so robust zeigt, ist ein starkes Signal. Und es deckt sich mit der seit zwei Jahren laufenden faktischen Loslösung der Schweizer Wirtschaft vom US-Markt. Man nimmt an Marktanteilen in den USA was unter den gegenwärtigen Voraussetzungen sinnvoll machbar ist, engagiert sich aber eher in neuen Märkten überall auf der Welt.


Da die USA sich zunehmend isolieren, entstehen andernorts neue Opportunitäten. Neben Asien verzeichnet auch Europa mit 12 Prozent ein kräftiges Handelswachstum. Die Schweiz kann als neutraler und verlässlicher Handelspartner von diesen sich neu formierenden, alternativen Lieferketten profitieren. Der Bericht von DHL mahnt jedoch auch heimische Führungskräfte: Wer sich aus internationalen Märkten komplett zurückzieht, nur weil ein Player derzeit verrückt spielt, während die Konkurrenz global vernetzt bleibt, riskiert seine Wettbewerbsposition. Es gilt, die Resilienz der Lieferketten zu stärken, ohne die globale Reichweite aufzugeben.



Foto: Symbolbild von Bernd Dittrich / unsplash.com

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