Zenit überschritten: Warum die Ära von Social Media endet – und die Region davon profitiert
- Redaktion soaktuell.ch

- 12. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Wer erinnert sich an die Anfänge von Social Media? Als man Urlaubsfotos für Freunde hochgeladen, persönliche Gedanken geteilt und echte Gespräche geführt hat? Diese Ära ist vorbei. Das klassische «Social» Media, wie wir es aus den 2010er-Jahren kennen, hat seinen Höhepunkt überschritten. Zwar wachsen absolute Nutzerzahlen global weiter (wegen bevölkerungsstarken Schwellenländern) doch der Schein trügt. Das Verhalten in der Schweiz hat sich fundamental verändert. Wir erleben den Beginn einer Post-Social-Media-Ära. Und damit wächst die Unabhängigkeit von den USA.

Der Kollaps des «Sozialen» und die digitale Müdigkeit
Der Hauptgrund für diesen Wandel liegt im Niedergang des Worts «sozial». Plattformen wie Instagram, TikTok oder X sind längst keine Netzwerke mehr, sondern reine, algorithmisch gesteuerte Unterhaltungsmedien. Wer den Feed öffnet, sieht kaum noch, was die Nachbarin oder der Schulfreund macht, sondern wird mit viralem Content, perfekt inszenierten Influencern und einer Flut von Werbung überhäuft.
Diese permanente Reizüberflutung führt zu einer kollektiven Erschöpfung – der «Social Media Fatigue». Toxische Debatten, Fake News und der Druck, ständig sichtbar sein zu müssen, lassen immer mehr Menschen verstummen. Viele wechseln in den Zustand des «Lurking»: Sie konsumieren zwar passiv, teilen aber selbst nichts Persönliches mehr. Die grosse, öffentliche digitale Bühne hat ihren Reiz verloren.
Wenn alle nur noch konsumieren, aber niemand mehr teilt, ist das Ende von Social Media besiegelt.
Der Rückzug ins Private: Messenger und Nischen
Wohin bewegen sich die Menschen? Die digitale Interaktion verlagert sich weg vom virtuellen Marktplatz hinein ins geschlossene Wohnzimmer. Das Zauberwort heisst «Dark Social». Der Austausch findet heute vor allem in privaten WhatsApp-Gruppen, auf Signal oder Threema statt. Gleichzeitig organisieren sich Communitys auf Plattformen wie Discord oder Reddit. Hier sucht man keine oberflächlichen «Likes» von Fremden mehr, sondern den echten Austausch über spezifische Interessen.
Gegenbewegung: Die Renaissance von Audio, Slow Media und Regionalität
Genau an diesem Wendepunkt bricht die Stunde von neuen, bewussteren Medienformaten an. Als direkte Gegenreaktion auf die visuelle Überforderung durch Kurzvideos und die endlose Aufmerksamkeitsspirale etabliert sich ein starker Gegentrend: «Slow Media» und die Rückkehr zur Nähe.
Besonders das Medium Audio erlebt einen beispiellosen Boom. Hochwertige Podcasts, die komplexe Themen ohne Hektik beleuchten, gehören längst zum Alltag. Aber auch das regionale Digitalradio gewinnt massiv an Bedeutung. In einer hyper-globalisierten Welt, in der grosse Tech-Konzerne den Bezug zur Realität vor Ort verloren haben, suchen die Menschen wieder nach Orientierung und Verlässlichkeit in ihrem unmittelbaren Umfeld.
Hier schlägt die Stunde der Regionalmedien und lokalen Online-Portale wie soaktuell.ch. Sie bieten genau das, was Algorithmen aus dem Silicon Valley nicht liefern können: Relevanz für das eigene Leben vor der Haustür. Ob Gemeindeversammlungen, lokale Kultur oder regionale Wirtschaftsmeldungen aus dem Kanton Solothurn oder dem Aargau – die Sehnsucht nach verlässlichen Nachrichten aus der Heimat wächst proportional zur Skepsis gegenüber anonymen Social-Media-Feeds. Dumm ist nur, wenn regionale Medien ausgerechnet jetzt meinen, sie müssten zu Grosszeitungen fusionieren oder die Inhalte hinter einer Paywall verstecken, als ob sie etwas zu verbergen hätten. Denn zum neuen Trend gehört neben dem Hang zum Regionalen auch, dass die Bereitschaft zu bezahlen oder sich irgendwo zu registrieren abnimmt.
Qualität schlägt Algorithmus
Der Abschied vom klassischen Social Media ist keine Abkehr vom Internet, sondern eine Evolution hin zu mehr Qualität und Nähe. Die Zukunft gehört nicht den lauten, globalen Netzwerken aus den USA, sondern der intimen Nische aus der Region. Für Portale, die nah am Menschen sind, ist das eine grosse Chance.













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