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Waschbär-Alarm in den Kantonen Aargau und Solothurn

vor 6 Stunden
2 Min. Lesezeit

Mit seiner schwarzen Gesichtsmaske und dem buschigen Ringelschwanz wirkt er drollig, doch der Schein trügt: Der nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) breitet sich im Schweizer Mittelland rasant aus. Was lange als Randnotiz an der Grenze zu Deutschland galt, betrifft die Region Aargau-Solothurn heute ganz direkt. Während der Kanton Aargau mittlerweile zu den Schweizer Schwerpunkten der Ausbreitung zählt, registriert der Nachbarkanton Solothurn die ersten Vorstösse ins Mittelland.



Explosion der Abschusszahlen im Kanton Aargau


Die neuesten Zahlen der kantonalen Fachstelle Jagd und Fischerei zeigen eine steile Kurve: Allein im vergangenen Jahr wurden im Kanton Aargau 60 Waschbären erlegt oder als Fallwild verunfallt geborgen. Zum Vergleich: Bis 2019 gab es im Aargau nur ganz vereinzelte Nachweise (erste Registrierungen 1999 und 2001), und in der gesamten Schweiz wurden 2020 gerade einmal zwei Exemplare geschossen.


Wie die Aargauer Regierung kürzlich in einer parlamentarischen Antwort klarstellte, lässt sich das Populationswachstum kaum mehr aufhalten. Das behördliche Ziel lautet daher längst Schadensbegrenzung und Verlangsamung. Um den Raubdruck auf seltene Tierarten einzudämmen, setzt der Kanton auf speziell entwickelte Holzkastenfallen mit Abfangkorb. Diese werden von einem regionalen Schreiner für rund 800 Franken pro Stück hergestellt und dürfen ausschliesslich von lizenzierten Jägern aufgestellt werden.


Im Kanton Solothurn: Erste Nachweise im Mittelland


Wesentlich ruhiger präsentiert sich die Situation noch im Kanton Solothurn, wenngleich die Tendenz auch hier nach oben zeigt. Erste Tiere wanderten vor allem über das Baselbiet in das grenznahe Schwarzbubenland ein. Das Solothurner Mittelland hingegen galt über viele Jahre als waschbärenfrei.


Dieser Schutzwall beginnt nun zu bröckeln: Im Jagdrevier 45 (Engelberg–Dulliken) wurde im Oktober 2024 bei Walterswil der allererste Waschbär des Reviers erlegt. Noch beziffert das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei (AWJF) die kantonsweiten Nachweise im tiefen einstelligen Bereich. Die Behörden stufen das Raubtier jedoch als unerwünschten Gast und potenziellen Krankheitsüberträger ein. Gemäss Artikel 7a des Eidgenössischen Jagdgesetzes gilt der Waschbär als gebietsfremdes Neozoon und darf ganzjährig ohne Schonzeit bejagt werden.


Bedrohung für Amphibien und Singvögel


Der Grund für die rigorose Bejagung liegt in der enormen ökologischen Anpassungsfähigkeit des Kleinbären. Als geschickter Kletterer und Allesfresser plündert er Vogelnester in Baumhöhlen und frisst Gelege von Bodenbrütern. Besonders verheerend wirkt er auf Amphibien wie Frösche, Erdkröten und Molche, deren Laichgewässer er systematisch abräumt. In Siedlungen dringt er zudem in Dachböden oder Gartenlauben ein und richtet erhebliche Sachschäden an Isolationen an.


Wie gefährlich Waschbären für freilaufende Hunde oder Freigänger-Katzen sind, können Sie >> hier nachlesen.


Empfehlungen für die Bevölkerung


Die Behörden beider Kantone rufen die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf:


  1. Kein Futter oder Speisereste im Freien stehen lassen.

  2. Futternäpfe von Katzen und Hunden nach dem Füttern wegräumen, respektive Hunde und Katzen im Haus oder in Zwingern füttern.

  3. Kompostkübel und Kehrichtcontainer stets gut verschliessen.

  4. Katzenklappen nachts verriegeln oder chipgesteuert sichern.

  5. Verdachtsfälle wenn möglich mit Foto oder Video (von Überwachungskameras) der Wildhut melden.


Erfahrungsgemäss stellen sich rund 80 Prozent aller Bürgermeldungen als einheimische Dachse oder Marder heraus – doch der echte Maskenträger ist definitiv in der Region angekommen.



Foto: Symbolbild von fr0ggy5 / unsplash.com

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