Wie gefährlich sind Waschbären in Aargau und Solothurn wirklich?
- Redaktion soaktuell.ch

- 24. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Sie sehen niedlich aus mit ihrer schwarzen Gesichtsmaske und dem ringelförmigen Schwanz. Doch die Ausbreitung der Waschbären in den Kantonen Aargau und Solothurn nimmt spürbar zu. Während die Säugetiere ursprünglich aus Nordamerika stammen, besiedeln sie mittlerweile auch hiesige Wälder und Wohnquartiere. Was bedeutet das für Haus- und Gartenbesitzer? Wie gross werden die Tiere, und stellt die invasive Art eine echte Bedrohung für Hunde und Katzen dar?

Vom Schwarzbubenland bis ins Aargauer Mittelland
Noch vor wenigen Jahren galten Waschbären in der Nordschweiz als seltene Ausnahmeerscheinung. Das hat sich gründlich geändert. Über die Region Basel und aus Deutschland wandern immer mehr Tiere ein. Im Kanton Aargau werden längst nicht mehr nur Einzeltiere gesichtet, sondern vermehrt ganze Familienverbände. Auch im Kanton Solothurn steigt der Druck: Vor allem das Schwarzbubenland (Bezirke Dorneck und Thierstein) verzeichnet regelmässige Sichtungen, und auch im Solothurner Mittelland tauchen die anpassungsfähigen Räuber immer öfter in der Nähe von Siedlungen auf.
Ein Kraftpaket im Katzenformat
Optisch wirken Waschbären oft wie knuffige Stofftiere, doch die Realität sieht anders aus. Ein ausgewachsener Waschbär ist ein durchtrainiertes Raubtier:
Körperlänge: ca. 40 bis 70 cm (zzgl. 20 bis 25 cm Schwanz)
Schulterhöhe: ca. 23 bis 30 cm
Gewicht: In der Regel 4 bis 9 kg.
Beachtlich ist vor allem die Zunahme im Jahresverlauf. Bringen die Tiere im Frühjahr ein normales Gewicht auf die Waage, können sie sich bis zum Spätherbst in Siedlungsnähe eine ordentliche Fettreserve anfressen. Gut genährte Stadt-Waschbären bringen dann nicht selten über 10 bis 12 kg auf die Waage – und verfügen über erstaunliche Kräfte.
Gefahr für Freigänger: Kampf um Futter und Revier
In Wohnquartieren suchen Waschbären bevorzugt nach Nahrung – und treffen dabei unweigerlich auf einheimische Haustiere. Obwohl Waschbären grundsätzlich scheue Fluchttiere sind, weichen sie im Konfliktfall keineswegs immer zurück.
Gefahr für Katzen
Steht Katzenfutter im Garten oder auf der Terrasse, ist Streit vorprogrammiert. Werden Katzen in die Enge getrieben oder versuchen sie, ihr Revier zu verteidigen, ziehen sie meist den Kürzeren. Ein ausgewachsener Waschbär ist der Katze an Gewicht, Muskelkraft sowie mit seinen scharfen Krallen und dem Gebiss deutlich überlegen. Schwere Kampf- und Bisswunden sind die Folge.
Gefahr für Hunde
Neugierige Hunde oder Jagdrassen versuchen oft, den fremden Eindringling zu stellen. Wird ein Waschbär jedoch in die Enge getrieben – oder verteidigt ein Muttertier seine Jungen –, schlägt er extrem aggressiv zurück. Zielgerichtete Bisse und Krallenattacken auf Schnauze und Augen können bei Hunden erhebliche Verletzungen verursachen.
Die unterschätzte Gefahr: Parasiten und Viren
Neben direkten Kämpfen geht die grösste Gefahr von Krankheiten aus, die Waschbären übertragen können:
Waschbärenspulwurm (Baylisascaris procyonis): Dieser Darmparasit scheidet Eier über den Kot aus. Infizieren sich Hunde, Katzen oder Menschen, kann dies zu schweren Organ- und Nervenschäden führen.
Staupe-Virus: Waschbären sind häufig Träger des Erregers. Für ungeimpfte Hunde verläuft eine Ansteckung oft tödlich.
Leptospirose: Die Bakterien werden über den Urin ausgeschieden und können bei Hunden schweres Nieren- und Leberversagen auslösen.
Jagdrecht: Keine Schonzeit für das Neozoon
Da der Waschbär in der Schweiz als gebietsfremde, invasive Art (Neozoon) eingestuft ist, sind die rechtlichen Vorgaben strikt. Sowohl im Kanton Solothurn als auch im Kanton Aargau gilt für Waschbären eine ganzjährige Jagdzeit. Sie dürfen und sollen zur Schonung der heimischen Fauna und zur Vermeidung von Gebäudeschäden ganzjährig bejagt werden. Da die schlau vorgehenden, nachtaktiven Tiere mit der Büchse schwer zu erwischen sind, setzen Jagdaufseher vermehrt auf Lebend-Kastenfallen.
So schützen Sie Ihr Zuhause und Ihre Tiere
Das Füttern von Waschbären ist streng verboten! Wer die Tiere anfüttert, sorgt dafür, dass sie ihre Scheu verlieren und gezielt Häuser aufsuchen.
Kein Futter im Freien: Füttern Sie Katzen oder Hunde niemals draussen. Der Futterduft lockt Waschbären kilometerweit an.
Abfall sichern: Kehrichtsäcke erst am Tag der Abfuhr bereitstellen. Biotonnen und Kompostbehälter stets fest verschliessen.
Zugänge dichtmachen: Dachböden und Schuppen sichern. Waschbären sind Kletterkünstler und richten enorme Schäden an Dachisolierungen an.
Impfschutz prüfen: Stellen Sie sicher, dass Hunde lückenlos gegen Staupe und Leptospirose geimpft sind.
Sobald die ersten Waschbär-Sichtungen in Ihrer Region vorgekommen sind, empfiehlt es sich, Katzen und Hunde nachts drinnen zu behalten. Nicht zuletzt auch wegen den Jägern (Verwechslungsgefahr: Nachts kann ein Langhaar-Kater schnell mal mit einem Waschbären verwechselt werden).
Verdächtige Schäden oder Sichtungen können den örtlichen Jagdaufsehern oder den kantonalen Ämtern für Wald, Jagd und Fischerei gemeldet werden.












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