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Sommer-Boom in der Heimat: Warum Schweizer Familien die Berge vorziehen

Die Bergbahnen jubeln über zweistellige Zuwachsraten, während klassische Sommerziele im Süden an Reiz verlieren. Doch es ist nicht nur die Flucht vor der drückenden Hitze im Mittelland, die das Reiseverhalten nachhaltig verändert. Der wahre Grund für den Schweizer Sommer-Boom liegt im Portemonnaie: Sommerferien am Meer sind für viele Familien schlicht unbezahlbar geworden. Und die USA sind als Reiseziel sowieso gestrichen.


Symbolbild von Holly Mandarich / unsplash.com
Symbolbild von Holly Mandarich / unsplash.com

Wer in diesen Tagen in der Region Aargau-Solothurn aus dem Fenster blickt, spürt sie deutlich: Die hochsommerlichen Temperaturen haben das Flachland fest im Griff. Die logische Konsequenz ist eine regelrechte «Hitzeflucht» in die Höhe. Doch hinter den vollen Bergstationen und gut besuchten Ausflugszielen der Schweiz steckt mehr als nur der Wunsch nach Abkühlung. Ein tiefgreifender Wandel im Reiseverhalten der Schweizerinnen und Schweizer zeichnet sich ab – getrieben von wirtschaftlichen Realitäten.


Der Preisschock: Wenn Mallorca zum Luxus wird


Lange Zeit galt der Sommerurlaub am Mittelmeer als obligatorischer Fixpunkt im Familienkalender. Doch diese Zeiten sind für viele vorbei. Südeuropa ist in der Hochsaison nicht in erster Linie zu heiss geworden – es ist schlicht zu teuer. Familien, die an die Schulferien im Juli und August gebunden sind, sehen sich mit regelrechten Mondpreisen konfrontiert. Reiseveranstalter, Airlines und Hoteliers rufen in der Hochsaison Maximaltarife ab.


Dazu kommt eine massive Teuerung vor Ort: Die Kugel Eis, Getränke, die Strandliege oder das Abendessen in der Taverne haben spürbar aufgeschlagen. Für 10 bis 14 Tage auf Mallorca zahlt eine vierköpfige Familie in einem soliden 4-Sterne-Hotel inklusive Flug rasch zwischen 6’000 und 8’000 Franken. Für ein durchschnittliches Haushaltsbudget ist das nicht mehr verhältnismässig. Die logische Konsequenz: Der teure Strandurlaub wird aus dem Sommer gestrichen. Aber nicht aus dem Gedächtnis.


«Der Herbst ist der neue Sommer»


Das bedeutet jedoch nicht, dass Schweizer Familien komplett aufs Meer verzichten. Der Trend verschiebt sich lediglich: «Der Herbst ist der neue Sommer» lautet das aktuelle Motto der Reisebranche. Anstatt das Urlaubsbudget für komplett überteuerte Angebote im Hochsommer zu leeren, wird in den Frühlings- oder Herbstferien ans Meer verreist.


In der Nebensaison im September oder Oktober erhalten Familien für deutlich weniger Geld oft eine bessere Leistung. Ein angenehmer Nebeneffekt: Während sich Südeuropa im Juli und August oft unter Hitzewellen von 40 Grad und mehr ächzt, bietet der Mittelmeerraum im Herbst perfekte, milde Bedingungen, um dem nahenden Nebel im Schweizer Mittelland noch einmal zu entfliehen.


Bergbahnen als grosse Profiteure


Das gesparte Geld bleibt im Sommer immer öfter in der Schweiz – und davon profitiert der hiesige Tourismus enorm. Die Schweizer verbringen ihre Sommerferien oder verlängerten Wochenenden zunehmend im eigenen Land. Das Budget, das man bei den Flügen gespart hat, reicht locker für mehrere tolle Tagesausflüge an die Schweizer Seen oder in die Berge.


Besonders flachlandnahe Voralpen-Destinationen, die etwa aus dem Aargau oder dem Kanton Solothurn in einer bis anderthalb Stunden erreichbar sind, verzeichnen bei Hitzewellen einen extremen Ansturm. Tagesgäste entscheiden sich spontan für die Fahrt in die Kühle. Aber auch hochalpine Regionen profitieren. Die Zahlen sprechen für sich: Die Engstligenalp im Berner Oberland meldet 30 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. In Arosa Lenzerheide stiegen die Ersteintritte um satte 25,6 Prozent, am Flumserberg um 15 Prozent und in der Aletsch Arena im Wallis um 5 Prozent.


Dieser Binnen-Boom ist für viele Tourismusregionen ein Segen. Der teilweise noch immer spürbare Rückgang von asiatischen Reisegruppen (Krieg im Iran, Schliessung wichtiger Flughäfen und Flugrouten) wird durch die Schweizer Gäste und europäische Touristen vielerorts mehr als nur kompensiert. Zudem zahlen sich die massiven Investitionen der Bergbahnen in Sommerangebote wie Erlebniswege, Bikeparks und Sommerrodelbahnen jetzt voll aus.


Das Nachsehen hat das Flachland


Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Je extremer der Drang in die Höhe, desto leerer bleiben klassische Ausflugsziele in tiefen Lagen. Museen, Kulturstätten, aber auch Thermalbäder im Flachland – etwa im Aargau – verzeichnen an heissen Sommertagen ein deutlich gedämpftes Besucherinteresse. Die Menschen suchen schattige Wälder, Bergseen und die erfrischende Luft auf über 1'500 Metern über Meer.


Zurück zur Natur vor der Haustür


Der «Sommer daheim» feiert ein gewaltiges Comeback. Die Kombination aus untragbaren Preisen im Süden und der exzellenten Qualität der heimischen Naherholungsgebiete hat das Reiseverhalten der Schweizer Familien nachhaltig verändert.

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