Handel mit Kanada und Mexiko: Wie die Schweiz ihr Potenzial besser nutzen kann
Die USA und die EU dominieren meist die Schlagzeilen des Schweizer Aussenhandels. Doch ein Blick auf Kanada und Mexiko zeigt: Hier schlummern für die heimische Exportwirtschaft – und damit auch für Industrieunternehmen in den Kantonen Solothurn und Aargau – gewaltige, teils noch ungenutzte Potenziale. Wie gross ist das Handelsvolumen tatsächlich und wo lässt sich der Warenaustausch noch optimieren?

Der Warenhandel mit beiden Ländern ist heute schon substanziell und von hoher strategischer Bedeutung. Mit Kanada erzielt die Schweiz ein jährliches Handelsvolumen von sechs bis acht Milliarden Franken. Im Austausch mit Mexiko beläuft sich das Volumen auf rund 4,7 Milliarden Franken. Damit positioniert sich Mexiko direkt hinter Brasilien als zweitwichtigster Handelspartner der Schweiz in ganz Lateinamerika.
Die Exportpalette wird in beiden Märkten von den klassischen Schweizer Zugpferden dominiert: Pharmazeutika, Chemie, Maschinen, Präzisionsinstrumente und Uhren. In die Schweiz fliessen umgekehrt vor allem Edelmetalle – Kanada und Mexiko sind global wichtige Goldlieferanten –, sowie landwirtschaftliche Güter und Fahrzeuge.
Veraltete Verträge bremsen den Markt
Trotz dieser soliden Zahlen sehen Wirtschaftsexperten erheblichen Ausbaubedarf. Der wichtigste Hebel zur Optimierung liegt in der Modernisierung der EFTA-Freihandelsabkommen. Das Abkommen mit Mexiko trat bereits 2001 in Kraft, jenes mit Kanada im Jahr 2009. Beide Verträge spiegeln die heutige digitalisierte und stark vernetzte Wirtschaft nicht mehr ausreichend wider.
Besonders das Kanada-Abkommen konzentriert sich noch zu sehr auf den klassischen Industriewarenhandel. Es fehlen zeitgemässe Regelungen für den immens wichtigen Dienstleistungssektor und ein verbesserter Zugang zu den öffentlichen Beschaffungsmärkten in den kanadischen Provinzen. Hier hat die Europäische Union mit ihrem umfassenden CETA-Abkommen die Schweiz längst überholt. Ein politisches «Upgrading» der Schweizer Verträge ist daher zwingend nötig, um aktuelle Wettbewerbsnachteile zu beseitigen und den Schutz des geistigen Eigentums – etwa bei Pharmapatenten – weiter zu stärken.
«Nearshoring» und Cleantech als Wirtschaftstreiber
Neben der Politik sorgt auch die globale Marktdynamik für neue Absatzchancen. In Mexiko lautet das aktuelle Stichwort der Wirtschaft «Nearshoring». Um globale Lieferketten robuster zu machen und den gewaltigen US-Markt zollfrei bedienen zu können, verlagern internationale Konzerne ihre Produktion zunehmend nach Mexiko. Für den Bau und den Betrieb dieser neuen Hightech-Anlagen wird modernste Technologie benötigt. Das ist eine Steilvorlage für den Schweizer Maschinenbau, für Zulieferer und Automationsspezialisten – Branchen, die in der Region Aargau-Solothurn traditionell stark verankert sind.
Kanada wiederum investiert als rohstoffreiches Land massiv in erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologien und die Netzinfrastruktur, was Schweizer Cleantech-Firmen lukrative Aufträge eröffnet. Zudem wächst in beiden nordamerikanischen Ländern durch die demografische Entwicklung der Bedarf an erstklassiger Medizintechnik kontinuierlich an. Und Kanada ist daran, sich in allen Bereichen unabhängiger von den USA zu machen.
Der Handel mit Kanada und Mexiko funktioniert zuverlässig, schöpft aber sein Potenzial längst noch nicht aus. Gelingt es dem Bund, die bestehenden Freihandelsabkommen rasch und umfassend zu modernisieren, öffnen sich für die Schweizer Wirtschaft neue Türen.
Gerade für innovationsgetriebene KMU aus unserer Region bieten sich so hervorragende Gelegenheiten, auch abseits der europäischen Hauptexportmärkte nachhaltig zu wachsen.














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