Warum das SVP-Ticket für Friedli und Rickli reserviert ist – wenn sie denn wollen
Die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin beschäftigt Bundesbern. Dabei kristallisiert sich ein Szenario immer deutlicher heraus: Die SVP hat die historische Chance, mit einem reinen Frauen-Ticket in die Bundesratswahlen zu steigen. Wenn die St. Galler Ständerätin Esther Friedli und die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli (beide 49 Jahre alt) kandidieren wollen, dürfte ihnen der Platz auf dem Ticket sicher sein. Ein Blick auf die Stärken und die kleinen Hürden der beiden Top-Favoritinnen.

Die Schweizer Volkspartei steht vor einer weichenstellenden Bundesratswahl. Nach dem angekündigten Rücktritt von Guy Parmelin sucht die wählerstärkste Partei der Schweiz eine Nachfolge für die Landesregierung. Und so laut der Ruf nach einer Vertretung der Westschweiz auch sein mag – in Bundesbern ist man sich weitgehend einig: Wenn Esther Friedli und Natalie Rickli ihren Hut in den Ring werfen, führt für die SVP-Fraktion kaum ein Weg an diesem weiblichen Power-Duo vorbei. Beide bringen alles mit, was es für das höchste Exekutivamt des Landes braucht, auch wenn ihre Profile sehr unterschiedlich sind.
Doch was spricht für die beiden Politikerinnen, und wo liegen die verbleibenden Stolpersteine?
Esther Friedli: Die sympathische Brückenbauerin aus dem Toggenburg
Die St. Galler Ständerätin Esther Friedli hat in den letzten Jahren einen beispiellosen politischen Aufstieg hingelegt. Als Mitbetreiberin des «Haus der Freiheit» im Toggenburg ist sie tief in der Partei verankert, geniesst aber auch weit über die Parteigrenzen hinaus grosse Sympathien.
Was für sie spricht:
Hohe Beliebtheit und Wahlstärke: Friedli holte 2023 historisch den Ständeratssitz für die St. Galler SVP. Sie wirkt stets authentisch, volksnah und konziliant. Mit ihrer gewinnenden Art ist sie in der Bundesversammlung extrem mehrheitsfähig – eine der wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Bundesratswahl.
Perfekte Vernetzung: Als Ständerätin ist sie im politischen Bern bestens vernetzt und kennt die aktuellen Dossiers und Dynamiken des Parlaments aus dem Effeff.
Basis-Liebling: Durch ihre Nähe zur Parteibasis und ihre Partnerschaft mit SVP-Urgestein Toni Brunner verkörpert sie die Werte der Partei glaubwürdig, ohne dogmatisch aufzutreten.
Was gegen sie sprechen könnte:
Die Kantons-Frage: Mit Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) sitzt bereits eine St. Gallerin im Bundesrat. Zwei Bundesrätinnen aus demselben Kanton sind zwar verfassungsrechtlich erlaubt, stossen aber bei Regionalpuristen im Parlament oft auf Vorbehalte.
Fehlende Exekutiverfahrung: Im Gegensatz zu anderen Kandidaturen hat Esther Friedli noch nie in einer Kantons- oder Stadtregierung Exekutivverantwortung getragen.
Natalie Rickli: Die erfahrene Macherin aus dem Kanton Zürich
Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Politikerinnen der Schweiz. Sie hat bewiesen, dass sie ein riesiges Departement im bevölkerungsreichsten Kanton erfolgreich und ruhig führen kann.
Was für sie spricht:
Der Leistungsausweis: Rickli bringt die perfekte Mischung mit. Sie sass zwölf Jahre im Nationalrat und führt seit 2019 souverän die Zürcher Gesundheitsdirektion. Diese doppelte Erfahrung in Legislative und Exekutive macht sie zu einer Idealbesetzung.
Der Zürcher Anspruch: Der Wirtschaftsmotor Zürich ist seit dem Rücktritt von Ueli Maurer nicht mehr im Bundesrat vertreten. Eine Kandidatur von Rickli hätte die geballte Unterstützung des wichtigsten Kantons im Rücken.
Dossiersicherheit: Sie scheut auch schwierige Themen nicht und hat gerade im komplexen Gesundheitsdossier gezeigt, dass sie pragmatisch, parteiübergreifend und lösungsorientiert arbeiten kann.
Was gegen sie sprechen könnte:
Kantonale Pflichten: Die SVP Kanton Zürich hat Rickli bereits als Zugpferd für die Regierungsratswahlen 2027 nominiert. Ein vorzeitiger Abgang nach Bern würde ihre Kantonalpartei vor grosse strategische Herausforderungen stellen.
Vergangene Corona-Kritik: Als Gesundheitsdirektorin musste sie in der Pandemie harte Massnahmen mittragen. Dies wird ihr am ganz rechten Rand der eigenen Partei vereinzelt noch immer etwas verübelt, auch wenn diese Stimmen leiser geworden sind. Doch eigentlich spricht es ja für Natalie Rickli als mögliche Bundesrätin, dass sie im Extremfall auch gegen den Druck der eigenen Partei standhalten kann.
Das Hindernis für beide: Die Romandie
Wenn es einen Faktor gibt, der diesem Deutschschweizer Traum-Ticket im Wege stehen könnte, dann ist es die Herkunft von Guy Parmelin. Er hinterlässt einen Waadtländer Sitz. Gemäss Bundesverfassung müssen die Landesgegenden angemessen vertreten sein. Tritt die SVP mit zwei Deutschschweizerinnen an, droht Unmut aus der Romandie. Doch so wirklich gegen eine reine Frauenkandidatur können auch die Westschweizer nicht wirklich ankämpfen, denn das würde die Reihen hinter den beiden Frauen schliessen. Ihre einzige Chance wäre, eine mindestens so gute, wenn nicht bessere, Kandidatur zu liefern.
Doch die historische Chance für die SVP, endlich eine über alle Lager hinweg respektierte und von der Partei gestützte Frau in den Bundesrat zu schicken, ist dieses mal riesig. Es liegt nun in erster Linie an Esther Friedli und Natalie Rickli selbst: Wollen sie das Amt übernehmen? Wenn ja, haben sie wahrscheinlich das Ticket. Und die Schweizerinnen und Schweizer könnten sich auf eine äusserst spannende und hochkarätige Bundesratswahl freuen.
Beide Fotos von wikipedia.org














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