Aarau: 24-Jähriger beim Überschreiten der Gleise von Güterzug erfasst und getötet
Ein junger Mann überquerte am Freitagabend beim Bahnhof Aarau die Gleise. Dabei erfasste ihn ein herannahender Zug, wobei er ums Leben kam.
Kapo AG / Bernhard Graser

Der Vorfall ereignete sich am Freitag, 23. Oktober 2026, um 19.45 Uhr beim Bahnhof Aarau. Ein 24-Jähriger und sein Bruder betraten die breite Gleisanlage östlich des Bahnhofs. Als sie bereits mehrere Gleise überschritten hatten, wurde der 24-Jährige von einem mit hoher Geschwindigkeit herannahenden Güterzug erfasst. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen. Sein jüngerer Bruder kam mit dem Schrecken davon.
Alles deutet derzeit auf einen tragischen Unfall hin. So hatten die beiden nach ersten Erkenntnissen verbotenerweise die Gleisanlagen betreten, um eine Abkürzung zu nehmen. Hinweise auf ein Verbrechen liegen indes nicht vor. Die Kantonspolizei Aargau hat ihre Ermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eröffnet.
Dass junge Menschen trotz bekannter Lebensgefahr Gleise überschreiten, kommt immer wieder vor, liegt aber selten an bewusster Todesverachtung. Meist treibt sie ein Zusammenspiel aus Unreife, banaler Bequemlichkeit und gravierenden Fehleinschätzungen der physikalischen Realität - wobei mit 24 Jahren Unreife kaum mehr ein Thema sein sollte.
Deshalb ist das Betreten oder Überqueren von Bahngleisen absolut tödlich:
Optische Täuschung: Züge bewegen sich frontal auf den Betrachter zu. Das menschliche Auge kann die Geschwindigkeit eines Objekts, das sich geradlinig auf einen zubewegt, extrem schlecht einschätzen – der Zug wirkt bis kurz vor dem Eintreffen deutlich langsamer und weiter entfernt, als er ist.
Lautlosigkeit moderner Züge: Auf modernen, lückenlos verschweißten Gleisen rollen Züge erstaunlich leise heran. Fahrgeräusche werden durch Fahrtwind oft nach hinten abgelenkt, sodass man einen herannahenden Zug häufig erst wahrnimmt, wenn es bereits zu spät ist.
Unterschätzter Bremsweg: Ein Zug mit 120 km/h benötigt bis zu einem Kilometer, um zum Stillstand zu kommen, und kann – anders als ein Auto – nicht ausweichen.
Bequemlichkeit und kurzfristige Priorisierung: Der häufigste Auslöser ist banal: Der Wunsch, zwei Minuten Umweg durch die Unterführung zu sparen, um den Bus noch zu erwischen, zu Freunden zu gelangen oder schlicht Faulheit. Im jugendlichen Gehirn überwiegt der sofortige Nutzen („Ich spare 120 Sekunden“) die hypothetische Katastrophe („Ein Unfall passiert extrem selten“).
Akustische und visuelle Isolation: Noise-Cancelling-Kopfhörer und der Blick aufs Smartphone schirmen Umweltgeräusche und optische Reize vollständig ab. Warnsignale wie Warnhupen oder das Vibrieren der Schienen dringen gar nicht erst ins Bewusstsein vor.
Gruppendynamik und Imponiergehabe: In Begleitung von Gleichaltrigen steigt die Risikobereitschaft sprunghaft an. Niemand möchte als übervorsichtig oder ängstlich gelten. Wenn einer vorangeht, folgen die anderen oft ohne eigenes Nachdenken.
Die Illusion persönlicher Unverwundbarkeit: Viele Jugendliche leben mit dem unbewussten Glauben: „Unfälle passieren den anderen, aber nicht mir – ich bin schnell und fit genug, um rechtzeitig wegzuspringen.“ Dass der Luftsog eines vorbeifahrenden Zuges einen Menschen erfassen und unter die Räder reissen kann, ist den meisten schlicht nicht bewusst.
Social Media und Bildmotive: Gleisanlagen gelten in Jugendkulturen immer noch als romantische oder urbane Kulisse für Profilbilder, TikTok-Videos und Fotoshootings. Der Fokus liegt dabei auf der Inszenierung, wodurch die unmittelbare Umgebung ausgeblendet wird.
Präventionskampagnen von Bahnunternehmen setzen deshalb zunehmend darauf, nicht nur vor den Gefahren zu warnen, sondern die physikalischen Fakten zu demonstrieren – etwa wie lautlos ein Zug herannaht und wie unmöglich ein Ausweichen in letzter Sekunde tatsächlich ist.
Symbolbild von Koste Puerto / unsplash.com













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