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Strompreise 2023: Wo bleiben Fulenbach und Kestenholz?

Der Strompreis wird gemäss Berechnungen der Elektrizitätskommission (Elcom) im nächsten Jahr um durchschnittlich 27 Prozent ansteigen. Wie man auf der interaktiven Gemeindekarte der Elcom sehen kann, haben per 12.09.22 alle Gemeinden im Kanton Solothurn den Stromkunden die neuen Tarife des Jahres 2023 bekannt gegeben - nur Fulenbach und Kestenholz nicht. Im Aargau fehlen noch Bettwil und Rottenschwil. Begründungen für die Verzögerungen findet man weder auf den Websites der zuständigen Gemeinden, noch der Stromversorger. Die Kunden werden stinksauer.

Interaktive Karte der Elcom. Grau markiert die Gemeinden in den Kantonen Solothurn und Aargau, die noch keine Strompreise für 2023 kommuniziert haben. (Ausschnitt Karte Elcom)


"Verdammt nochmal, wo bleibt mein Strompreis!", ruft ein Fulenbacher am Rande der Dorfchilbi aus, der jeden Tag auf der Homepage der Gemeinde und der Elektra nachschaut. "Die bringen nicht einmal das auf die Reihe", wettert ein Pendler von Bettwil an der Haltestelle. Kein Wunder: Seit Wochen warten die Einwohnerinnen und Einwohner dieser Gemeinden auf die Bekanntgabe der Stromtarife für 2023 oder mindestens einer offiziellen Kommunikation, warum sich die Berechnung derart hinzieht. Besucht man die Website der örtlichen Stromversorger, heisst es seit bald zwei Monaten: "Wir sind mit Hochdruck an der Berechnung der Tarife. Diese werden in Kürze veröffentlicht. Vielen Dank für das Verständnis."


Klar, Transparenz fällt schwer

Dem Konsumentenschutz zufolge gibt es in der Schweiz Orte, wo ein Haushalt mit 4500 Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr mit einer Steigerung der Stromkosten von 780 auf 2230 Franken rechnen muss. Das ist beinahe eine Verdreifachung des Strompreises innerhalb eines Jahres. Grund sind laut der Elcom vor allem die grossen Unterschiede bei der Energiebeschaffung und dem Anteil der Eigenproduktion.


Im kommenden Jahr schlagen vor allem die höheren Energietarife (+64 Prozent) pro Kilowattstunde zu Buche. Aber auch die Abgaben und Leistungen an die Gemeinwesen steigen (+11 Prozent) und die Netzkosten werden höher (+7 Prozent). Dagegen bleibt der Netzzuschlag stabil.


Ein Grund für die gestiegenen Strompreise liegt in den rekordhohen Tarifen am Grosshandelsmarkt, an dem Strom beschafft wird. Diese sind laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) bereits Ende des letzten Jahres stark gestiegen aufgrund von höheren Brennstoff- und CO₂-Preisen sowie Kraftwerksausfällen insbesondere in Frankreich. Der Ukraine-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise mit weniger Gas- und Kohleimporten aus Russland und die Trockenheit verschärften die Preissituation an den Märkten zusätzlich.


Die rund 630 lokalen Stromversorger der Schweiz hatten bis Ende August der Elcom die Tariferhöhungen für das Jahr 2023 melden müssen. Die Aufsicht prüfte danach die Kostenrechnungen. Sie kann ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen untersagen oder bei zu hohen Preisen Absenkungen verfügen. Rund zwei Prozent der Netzbetreiber haben gemäss Elcom ihre Daten nicht fristgerecht eingereicht.

Fulenbach, Kestenholz, Bettwil und Rottenschwil haben es auch bis Mitte September 2022 noch nicht geschafft, ihren Einwohnerinnen und Einwohnern reinen Wein einzuschenken. Es wird nicht einmal eine Erklärung für die Verspätung publiziert. Während sich alle auf eine drohende Strom-Mangellage vorbereiten, herrscht in diesen Gemeinden offensichtlich eine Transparenz-Mangellage.

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