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Hohe Schweizer Preise und tiefer Euro treiben Einkaufstouristen wieder über die Grenzen

Mieten, Ferien, Flüge, öV-Tickets, Lebensmittel, Kleider, Schuhe - alles ist in der Schweiz innert weniger Monate massiv teurer geworden. Damit haben die Schweizer Händler die während Corona zurückgewonnenen Einkaufstouristen vergrämt. Denn in Deutschland sinken die Preise seit Monaten. Die gleichen Schuhe kosten beispielsweise in Deutschland nur halb so viel wie in der Schweiz. Zudem ist der Euro-Kurs unter der Parität. Das bedeutet, Schweizerinnen und Schweizer bekommen in Deutschland wieder viel mehr für jeden ausgegebenen Franken, also noch vor einigen Monaten. Der Einkaufstourismus schnellt in die Höhe.


"Wir können bestätigen, dass die Zahlen der Ausfuhrbestätigungen derzeit wieder zunehmen", sagt Yvonne Bigalke vom Hauptzollamt Lörrach in der Zeitung "Die Oberbadische". Das hat auch der Gewerbeverein Pro Lörrach festgestellt. "Mit unseren Frequenzmessgeräten auf der Achse Basler Straße – Tumringer Straße können wir einen positiven Trend feststellen", erklärt Marion Ziegler-Jung, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Lörrach, auf Nachfrage. Eine Tendenz nach oben sei definitiv da.

Foto soaktuell.ch


Das bestätigt auch ein Augenschein vor Ort im Einkaufszentrum "Rheincenter" in Weil am Rhein. Dass es am Samstagmorgen zu Schlangen hinter den Kassen kommt, ist zu erwarten. Deshalb machten wir einen Besuch am Freitagmorgen. Und siehe da, während dem ganzen Vormittag bildeten sich lange Schlangen vor den zahlreichen Kassen, die vor wenigen Wochen nicht mehr da waren. Gesprochen wird in den Reihen vor allem Schweizerdeutsch. Ein paar Sommerschuhe, die wir bei Dosenbach in der Schweiz für CHF 29.90 kauften, fanden wir im "Rheincenter" für EUR 15.90. Das Beispiel ist für uns ärgerlich - aber spricht Bände für die allgemeine Entwicklung.


Die Händlerinnen und Händler in der Schweiz haben mit den Preisen schlicht überbissen. Unter dem Deckmantel der "Inflation" wurden nicht nur Preise erhöht, sondern teilweise gleichzeitig auch die Inhaltsmenge der Verpackungen verkleinert. Viele preisbewusste Kundinnen und Kunden macht das stinksauer. Denn auch die Schweizer Händler profitieren im Einkauf vom tiefen Euro-Kurs.


Reaktion: Die Schweizer Kundschaft geht wieder über die Grenze einkaufen. Dort sind bestimmte Produkte zwar auch teurer geworden - aber die Preise sinken seit ein paar Monaten und Preissenkungen werden - anders als in der Schweiz - sofort vollständig an die Kunden weiter gegeben. Damit sinkt die Inflationsrate in Deutschland rasch. Der Moment ist falsch für Gewinnoptimierungen.

Die Schweizer Händler machen einen grossen Fehler. Sie sind gut beraten, sofort die Notbremse zu ziehen und die Preise ihrer Produkte auf breiter Front wieder zu senken. Passiert das nicht oder nur zögerlich, fliessen bis im Herbst wieder Milliarden Franken über die Landesgrenzen. Denn mit Einkaufstourismus und dank dem günstigen Euro können Herr und Frau Schweizer einen Teil der Verluste, die im Inland durch die Inflation entstehen, kompensieren. Das treibt sie in Scharen über die Grenzen. Und sie wieder zurück zu gewinnen - wird schwierig.


Die Zollfreigrenze bei der Mehrwertsteuer spielt dabei übrigens keine entscheidende Rolle. Bleibt sie bei 300 Franken pro Person, ist das sicher gut. Wird sie vom Parlament gesenkt - "de haut". Die gewaltigen Preisunterschiede und Wechselkursvorteile gewichten höher.

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