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Fernunterricht stellte Lehrpersonen, Eltern und Schüler vor Herausforderungen

Der flächendeckende Fernunterricht im Frühjahr 2020 stellte Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrpersonen und Schulleitungen der Volksschulen vor Herausforderungen. Eine Studie im Bildungsraum Nordwestschweiz unter Leitung von Markus Neuenschwander & Ariana Garrote analysierte diese besondere Situation. Die Ergebnisse liefern Erkenntnisse zu Gelingensbedingungen des Fernunterrichts. Diese zeigen, dass zum einen strukturierte Tagesabläufe mit Präsenz- und Selbstlernzeiten sowie Pausen eine zentrale Rolle für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler spielen. Zum andern sind klare, übersichtliche und detaillierte Lernaufträge mit Anleitungen grundlegend, damit die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten, planen und lernen können.


PH FHNW (im Auftrag der vier Kantone des Bildungsraums Nordwestschweiz)

Image by Markus Trier from Pixabay


Als Teil der Pandemiebekämpfung verfügte der Bundesrat die Umstellung auf Fernunterricht von Mitte März bis Anfang Mai 2020. Vorerfahrungen oder Konzepte zum Fernunterricht fehlten weitgehend. Eine gemeinsame Studie der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn liefert nun Erkenntnisse, auf deren Grundlage Gelingensbedingungen abgeleitet werden können. Datengrundlage bildet die im Juni und Juli 2020 durch die PH FHNW durchgeführte Online-Befragung bei Schulleitungen, Lehrpersonen, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern der 4. bis 8. Klasse (Primarstufe und Sekundarstufe I) in den vier Kantonen. Die Studie bildet somit eine Momentaufnahme der Zeit kurz nach der Phase des Fernunterrichts ab.


Ziel war es einerseits, die Organisation des Fernunterrichts durch Schulleitungen und Lehrpersonen zu untersuchen und andererseits Erkenntnisse aus der Begleitung des Unterrichts durch die Eltern zuhause sowie dem Lernen und Erlebten der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Die Studie ermöglicht auch Rückschlüsse für den Präsenzunterricht.


Mehrbelastung und guter Lernerfolg

Die Auswertungen zeigen, dass der Fernunterricht von den Lehrpersonen einerseits digital andererseits auch analog durchgeführt wurde. Klar ersichtlich wurden Unterschiede bei den Kompetenzen und Vorerfahrungen der Lehrpersonen im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht. Weiter mussten Rollenerwartungen zwischen Lehrpersonen und Eltern als Lernbegleitung geklärt werden. Das Unterrichten auf Distanz und das betreute Lernen der Schülerinnen und Schüler zuhause führten bei Lehrpersonen und Eltern jedoch häufig zu einer Mehrbelastung. Diese trug jedoch Früchte: Die Einschätzung des Lernzuwachses der Schülerinnen und Schüler fiel mehrheitlich positiv aus. Alle Akteure nahmen positive Auswirkungen des Fernunterrichts auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler (z.B. neu erworbene Medienkompetenzen) und auf den Unterricht wahr (z.B. Digitalisierungsschub).


Auch die familiäre Situation zuhause hatte einen grossen Einfluss auf das schulische Lernen während des Fernunterrichts. Ein geregelter Tagesablauf sowie Motivation und Unterstützung durch die Eltern wirkten sich positiv auf das Lernen der Kinder und Jugendlichen aus.


Viel Lob für Lehrpersonen und Schulleitungen

Die Eltern bringen der Arbeit der Lehrpersonen und der Schulleitungen insgesamt viel Lob entgegen. Schulleitungen nahmen sogar eine Verbesserung in der Beziehung zwischen den Lehrpersonen und den Eltern wahr. Die Durchführung des Fernunterrichts beruhte auf einer hohen Bereitschaft der Lehrpersonen, neue Ansätze in ihren Unterricht zu integrieren und ihre Arbeit flexibel und unter hohem Zeitdruck umzustellen.


Der Fernunterricht konnte in Anbetracht der kurzfristigen Organisation und beschränkten Dauer im Grossen und Ganzen erfolgreich umgesetzt werden. Dennoch hat der Präsenzunterricht höchste Priorität: Besonders jüngere, leistungsschwächere und fremdsprachige Schülerinnen und Schüler brauchen zwingend persönliche und individuelle Unterstützung, die im Fernunterricht weniger effektiv angeboten werden kann. Zentral für die meisten Schülerinnen und Schüler sind jedoch auch die sozialen Kontakte zu Mitschülerinnen und -schülern sowie den Lehrpersonen.


Anmerkung

Auf die standardisierte Online-Befragung, welche die PH FHNW im Auftrag der vier Kantone des Bildungsraums Nordwestschweiz durchführte, antworteten 52 Schulleitungen, 108 Klassenlehrpersonen, 851 Elternteile und 1321 Schülerinnen und Schüler der 4. bis 8. Klasse (Primarstufe und Sekundarstufe I) und je 27 Lehrpersonen und Elternteile gaben vertiefte Einblicke in ihre Bewältigung des Fernunterrichts im Rahmen eines Telefoninterviews.

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