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Corona verschärft Einkommensungleichheit in der Schweiz

Mit dem Bank Cler Swiss Income Monitor schafft die Bank Cler mehr Trans­parenz bei der Entwicklung und Verteilung von Löhnen und Einkommen in der Schweiz. Sind die Einkommen von 2007 bis 2017 gestiegen? Wie sehen die regionalen Unterschiede aus? Wie viele Vermögensmillionäre gibt es in der Schweiz? Wir haben die Antworten und wagen zudem einen Blick auf die Konsequenzen der Corona-Pandemie. Für 2020/2021 ist bereits klar: Die Krise wird sich negativ auf die Einkommensverteilung auswirken.

Bank Cler


Zusammen mit dem Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics hat die Bank Cler die Einkommensverteilung der Schweiz und der Kantone für die Jahre 2007 bis 2017 analysiert. Die Informationen von 2017 sind die aktuellsten Daten, die von der Eidgenössischen Steuerverwaltung derzeit zur Verfügung stehen. Grundlage der Analyse bildet das Reineinkommen des gesamten Haushalts, d.h. bei Doppelverdienern ist das Haushaltseinkommen somit das gemeinsam verdiente Geld.

Mats Bachmann, Leiter CEO Office der Bank Cler, sieht die Ergebnisse nicht nur positiv: «In der Schweiz sind die Einkommen zwischen 2007 und 2017 zwar spürbar gestiegen. Dies gilt sowohl für das Durch­schnittseinkommen (8,6%) wie auch für das Medianeinkommen (7,1%). Doch insgesamt wurde die Ungleichheit der Einkommensverteilung leicht stärker und somit die Schere zwischen Arm und Reich etwas grösser.»


Für BAK-Chefökonom Martin Eichler ist es gut möglich, dass mit Corona die Einkommensschere noch weiter aufgeht: «Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Gesell­schaft sind atypisch für eine Krise und tangieren fast alle Lebensbereiche. Jedoch ist die Belastung am untersten Ende der Einkommensverteilung überproportional gross - die Ungleichheit wird also zuneh­men.»

Reineinkommen in CHF, Wachstumsrate in %

Quelle: ESTV, BAK Economics


Das Medianeinkommen ist in der Schweiz um 7,1% gestiegen

Das mittlere Reineinkommen (Median) der Schweizer Haushalte ist im Beobachtungszeitraum von 2007 bis 2017 um 7,1% (+0,7%) bzw. 3'500 CHF gestiegen und beträgt Ende 2017 rund 52'600 CHF. Am höchsten ist das mittlere Reineinkommen im steuergünstigen Kanton Zug und liegt dort bei 66'100 CHF, vor den Kantonen Basel-Landschaft (59'200 CHF) und Zürich (58'500 CHF). Die geringsten mitt­leren Reineinkommen finden sich im Tessin (44'500 CHF) und im Wallis (41'400 CHF).

Durchschnittliches Reineinkommen steigt in der Schweiz um insgesamt 8,6%

Wie viel «verdient» eigentlich ein Schweizer Haushalt im Durchschnitt? Im Jahr 2017 gut 68'500 CHF. Verglichen mit dem mittleren Reineinkommen zeigt sich im Durchschnittswert der verstärkte Einfluss der oberen Einkommen. Denn bei der Berechnung des Durchschnitts ist das Einkommen fast 16'000 CHF höher. Zwischen 2007 und 2017 stieg das durchschnittliche Reineinkommen um gut 5'400 CHF an; das entspricht einer Erhöhung von insgesamt 8,6%. Betrachtet man die einzelnen Jahre, so zeigt sich die Auswirkung der Finanzkrise lediglich in einer Abschwächung der Wachstumsdynamik in den Jahren 2009 und 2010. Das Schweizer Durchschnittseinkommen ist in allen Jahren ausser 2012 und 2015 ange­stiegen.

Steuergünstiger Kanton Zug mit den höchsten Einkommen – Kantone Jura und Wallis auf den unteren Rängen

In welchen Kantonen sind die Einwohner finanziell gut gestellt? Und wo müssen sie sich mit weniger zufrieden geben? Betrachtet man die einzelnen Kantone, so liegen die steuergünstigen Kantone Zug, Schwyz und Nidwalden an der Spitze des Rankings der Durchschnittseinkommen.

  • Der Kanton Zug zeigt mit gut 107'000 CHF das höchste kantonale Durchschnittseinkommen. Damit liegt Zug knapp 39'000 CHF höher als der Gesamtschweizer Durchschnitt.

  • Zudem ist Zug der einzige Kanton mit einem Durchschnittseinkommen von mehr als 100'000 CHF.

  • Nach Zug folgen die Kantone Schwyz (96'700 CHF), Nidwalden (83'800 CHF), Zürich (78'700 CHF) und Baselland (77'300 CHF), wobei Zürich und Baselland nicht zu den steuergünstigsten Kantonen zählen.

  • Am unteren Ende des Rankings befinden sich die Kantone Jura und Wallis mit einem Durchschnitts­einkommen von 53'100 CHF und 50'600 CHF.

Anzahl der Vermögensmillionäre steigt sehr deutlich

Die Anzahl der Vermögensmillionäre stieg zwischen 2007 und 2017 um beachtliche 52% auf mehr als 330'000 Personen. Dieser Anstieg lässt sich weder durch die Teuerung (die praktisch null betrug) noch durch Migration erklären. Beigetragen haben neben der positiven Einkommensentwicklung insbesondere die Entwicklung der Preise von Wertschriften und Immobilien. So ist auch der Börseneinbruch an­lässlich der Finanzkrise im Jahr 2008 sichtbar. Seither steigt die Zahl der Vermögensmillionäre aber kontinuierlich an.

Die Corona-Krise wird sich negativ auf die Einkommensverteilung im 2020/2021 auswirken

Die Entwicklung bis 2017 ist bekannt, doch was passiert aktuell? Zu Beginn des Jahres 2021 befinden wir uns weiterhin inmitten einer Krise. Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Einkommensverteilung in der Schweiz aus? Wird diese Krise, wie es häufig in Krisen der Fall ist, zu einer Reduktion der Ein­kommensungleichheit beitragen? BAK-Chefökonom Martin Eichler nimmt Stellung: «Um es vorweg zu nehmen: tatsächlich handelt es sich um eine 'atypische Krise', jedenfalls bezüglich der Auswirkungen auf die Einkommensverteilung. Denn die Ungleichheit wird durch die Corona-Pandemie weiter zuneh­men. Unterdurchschnittliche Einkommen müssen weitere Einbussen verkraften.»

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