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2024 wird Rekordjahr für Einkaufstourismus

Laut den Analysen der Swiss Retail Federation zu den Transaktionen mit Debit- und Kreditkarten haben die Einkäufe im Ausland im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 10,2% zugenommen. Im zweiten Halbjahr 2023 werden noch grössere Zunahmen erwartet, da die Preise wegen dem Rückgang der Inflation in Deutschland schneller fallen, als in der Schweiz. Hier werden sie teilweise erst angehoben. Kurz: Einkaufen in Deutschland rentiert sich wieder. 2024 dürfte das Einkaufen ennet der Grenze einen regelrechten Boom erleben, wegen der steigenden Mehrwertsteuer, aber auch wegen den massiv höheren Kosten für das Leben in der Schweiz.

Das Rhein-Center, direkt an der Grenze. Im Hintergrund der Grenzübergang Basel - Weil am Rhein. Foto: soaktuell.ch


Dem Verband zufolge werden durch den Einkaufstourismus jedes Jahr mehr als 8,5 Milliarden Franken in den Nachbarländern ausgegeben. 2024 rechnet man erstmals mit über 10 Milliarden Franken. In den Grenzkantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Genf, Aargau, Solothurn, Jura, Neuenburg, St. Gallen und Tessin begeben sich besonders viele Menschen zum Einkaufen in ausländische Geschäfte.


Nach einem totalen Einbruch des Einkaufstourismus während der Pandemie folgten die Preissteigerungen infolge der Inflation. Die Preise für beispielsweise Lebensmittel sind in Deutschland dabei wesentlich schneller gestiegen, als in der Schweiz. Der Einkaufstourismus reagierte sofort und erholte sich 2022 nur schleppend von der Pandemie. Seit Anfang 2023 senken die Händler in Deutschland jedoch die Preise, während sie in der Schweiz zum Teil erst angehoben werden. Damit geht die Schere wieder auseinander. Die Käuferinnen und Käufer reagieren prompt. Der Einkaufstourismus nahm explosionsartig zu. Und wenn ab Anfang 2024 in der Schweiz noch die höhere Mehrwertsteuer alles verteuert, was man so kauft, wird das Einkaufen ennet der Grenze noch attraktiver.


Wenn Strom, Krankenkassen, Mieten, Hypotheken, Lebensmittel und Mehrwertsteuer zusammen eine vierköpfige Familie tausende Franken mehr kostet (in nur einem Jahr), darf man ihnen nicht böse sein, wenn sie dort sparen, wo es noch möglich ist. Am einfachsten geht das, wenn man Dinge, die man sowieso braucht, wie Lebensmittel, Reinigungs- und Beauty-Produkte sowie Kleider und Schuhe dort kauft, wo man sie 30-50 Prozent günstiger erhält, nämlich im Ausland.


Der Einkaufstourismus, insbesondere von Schweizerinnen und Schweizern, hat in der süddeutschen Region, angefangen von Weil am Rhein bis Konstanz, eine grosse Tradition. Laut aktuellen Statistiken überqueren jährlich Millionen von Schweizerinnen und Schweizern die Grenze, um in Deutschland einzukaufen. Allein in der süddeutschen Region zwischen Weil am Rhein und Konstanz wurden im letzten Jahr mehr als 30 Prozent aller Einkäufe von Schweizer Staatsbürgern getätigt. Diese Zahlen verdeutlichen den signifikanten Einfluss des Einkaufstourismus auf die regionale Wirtschaft im deutschen Grenzraum.


Beliebte Produkte:

Die Liste der Produkte, die von Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten im Ausland erworben werden, ist breit gefächert. Besonders begehrt sind dabei Lebensmittel, Elektronikartikel, Bekleidung, Schuhe und Kosmetikprodukte. Diese Kategorien zeichnen sich trotz Inflation durch Preisunterschiede aus, die für die Konsumenten einen starken Anreiz darstellen, die Grenze zu überqueren und in ausländischen Geschäften einzukaufen.


Einkaufsziele:

Die süddeutsche Region bietet eine Vielzahl von attraktiven Einkaufszielen für Schweizerinnen und Schweizer. Städte wie Lörrach und Konstanz locken mit einem breiten Angebot an Geschäften und Einkaufszentren. Praktisch nach jedem Grenzübergang haben sich Einkaufszentren gebildet. So etwa in Weil am Rhein und Rheinfelden, wo besonders viele Basler, Aargauer und Solothurner anzutreffen sind. Ebenso sind grenznahe Einkaufsmärkte, Supermärkte und Fachgeschäfte beliebte Anlaufpunkte für die Schweizer Kundschaft. Weil am Rhein, mit dem bekannten Einkaufszentrum Rheincenter, erfreut sich grosser Beliebtheit.


Fazit:

Der Einkaufstourismus in der süddeutschen Region zwischen Weil am Rhein und Konstanz ist ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für Deutschland - aber auch wichtig für Schweizerinnen und Schweizer, die nur dank dieser günstigen Einkaufsmöglichkeit ihren Lebensstandard überhaupt noch halten können. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf lokale Märkte und Wirtschaftszweige in der Schweiz, das ist klar und wird voraussichtlich auch in Zukunft so bleiben.


Herabsetzen der Freigrenze wäre Pflästerlipolitik

Der Schweizer Politik ist das ein Dorn im Auge. Die Herabsetzung der Zollfreigrenze von 300 auf 50 Franken, die in Bundesbern diskutiert wird, würde den Einkaufstourismus kaum eindämmen. Im Gegenteil. Die Schweizerinnen und Schweizer gehen nicht wegen der Mehrwertsteuer über die Grenze einkaufen, sondern wegen den grossen Preisunterschieden der Produkte. Dort liegt das Sparpotenzial.


Zudem haben viele deutsche Händler schon angekündigt, an dem Tag, an dem die Schweiz die Freigrenze senkt, ihre Preise um 8.1 Prozent zu senken. Damit könnten die Schweizer Kundinnen und Kunden an der Grenze ihre eingekauften Waren legal melden und von dieser Ermässigung gleich die Schweizer Mehrwertsteuer bezahlen. Zudem würden deutsche Läden mit dieser Preissenkung gerade noch einmal attraktiver.


Die Schweiz ist also gut beraten, dem Einkaufstourismus nicht mit Pflästerlipolitik zu begegnen, die in der Eidgenossenschaft nur Aufwand und Kosten generiert, sondern mit günstigeren und attraktiveren Preisen sowie Gratis-Parkplätzen vor den Einkaufsgeschäften. Nur so könnte der Einkaufstourismus nachhaltig gebremst werden und die 8.5 bis 10 Milliarden Franken, die jährlich ins Ausland abfliessen, in der Schweiz verbleiben.

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