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SP hat entschieden: Die Wahl von Eva Herzog gilt damit als sicher

Gestern Samstag hat sich auch die SP entschieden. Eine der beiden Ständerätinnen Eva Herzog (BS) oder Elisabeth Baume-Schneider (JU) sollen Bundesrätin werden. Damit gilt die Wahl von Eva Herzog als beinahe sicher. Denn für die Bürgerlichen ist Baume-Schneider viel zu links und viel zu "welsch".

Foto zVg. SP Schweiz


Die Bernerin Evi Allemann ist bei der SP hochkannt durchgefallen. Die Nominationen von SP und SVP zeigen ein grosses Problem unseres politischen Systems:

  1. Frauen mit Kindern können unter normalen Bedingungen kaum Bundesrätin werden.

  2. Wer nicht im nationalen Parlament sitzt, kann auch kaum Bundesrat oder Bundesrätin werden.

Bei der SVP sind die beiden Regierungsräte Michèle Blöchliger (Mutter von drei Kindern) und Heinz Tännler (Vater von drei erwachsenen Kindern) durchgefallen, bei der SP nun die Berner Regierungsrätin Evi Allemann (Mutter von zwei Kindern). Das Parlament denkt offenbar zuerst an sich selber und nominiert lieber seinesgleichen, als Anwärterinnen und Anwärter mit Regierungserfahrung aus Kantonen.


Ausser Widmer-Schlumpf keine Mutter im Bundesrat

Aufs Ticket geschafft haben es Hans-Ueli Vogt (SVP), Eva Herzog (SP) und Elisabeth Baume-Schneider (SP), allesamt kinderlos. Nur Bundesratskandidat Albert Rösti (Vater von zwei erwachsenen Kindern) bringt Erfahrungen als Familienvater mit in die Landesregierung, sollte er gewählt werden. Der Berner Kandidat Werner Salzmann hätte bezüglich Kindern sogar auf vier Sprösslinge blicken können. Doch er hat die Selektion in der eigenen Partei nicht geschafft.


Die Parteien wären wohl gut beraten, künftig nicht nur von Familienpolitik zu reden, sondern sie auch zu leben. Die einzige Bundesrätin mit Kindern war bisher Eveline Widmer-Schlumpf. Aber ihr Name stand damals nicht auf dem offiziellen SVP-Ticket, sondern sie war eine taktische Wahl zur Verhinderung von Christoph Blocher. Unter normalen Bedingungen ist es für eine Mutter schwierig, überhaupt nominiert zu werden. Das ist schon lange aufgefallen und nicht erst jetzt ein Thema. Parteien, deren Spitzenfunktionen reihenweise mit kinderlosen Karrierefrauen besetzt sind, geben ein schlechtes Bild ab.


Der einzige Sitz der selbsternannten Familienpartei CVP (Die Mitte) ist mit einer kinderlosen Karrierepolitikerin besetzt. Da kann Viola Amherd eine noch so gute Bundesrätin sein, aber die Bedürfnisse von kinderreichen Familien sind nicht ihr Ding.


Bundesrätin Irène Kälin?

Bereits fordert denn auch die Grüne Nationalratspräsidentin Irène Kälin (AG) ein Umdenken. Es mute komisch an, dass keine junge Mutter auf dem SP-Ticket stehe, wird sie bei 20 Minuten zitiert. Sie hat bewiesen, dass man ein hohes politisches Amt und Kinder unter einen Hut bringen kann. Damit hat sich Irène Kälin sehr gut als mögliche erste grüne Bundesrätin in Position gebracht. Der Kanton Aargau wäre als Mittelland-Kanton sowieso wieder an der Reihe, eine Bundesrätin zu stellen.

Eva Herzog marschiert durch

Verärgert über das offizielle Bundesratsticket der SP dürften auch die Bürgerlichen sein. FDP-Vizepräsident Andrea Caroni brachte es auf den Punkt, indem er sich daran störte, dass die SP für den Ersatz von Simonetta Sommaruga kein reines Deutschschweizer Ticket präsentiere. Es sei jetzt nicht die Zeit für eine Bundesrätin aus der Westschweiz. Und die SVP schmunzelt hinter vorgehaltener Hand, dass sie Baume-Schneider sowieso nicht wählen werde, da sie viel zu sehr links stehe. Damit dürfte Eva Herzog bei der Bundesratswahl durchmarschieren. Der Kanton Basel-Stadt wird endlich wieder mal eine Bundesrätin erhalten.


Ziele der Parteien erreicht?

Wahrscheinlich ist das aber auch das Ziel des SP-Tickets. Wenn man eine bestimmte Person im Bundesrat haben will, stellt man ihr üblicherweise eine Person mit politischem Handicap zur Seite. So hat es auch die SVP gemacht. Sie will Rösti um jeden Preis im Bundesrat und hat seine Kandidatur mit einem Zürcher Intellektuellen eher noch verstärkt. Denn Rösti ist näher an der Partei und gilt bei der SVP als "lenkbarer" als der recht unabhängige Vogt.


Ob die Rechnungen der Parteien aufgehen, sehen wir bei der Bundesratswahl am 7. Dezember 2022 ab 8 Uhr.

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