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So werden testwillige Schüler und ihre Eltern für dumm verkauft

Immer mehr Kantone haben zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien das obligatorische Testen an den Schulen eingeführt. Spucktests sind das beste Mittel, um Corona-Ausbrüche in Klassen frühzeitig zu erkennen. Das funktioniert aber nur, wenn alle mitmachen. In der Nordwestschweiz haben Basel-Stadt und Basel-Landschaft eine Testpflicht eingeführt. In Kantonen, in denen das Testen an den Schulen freiwillig ist (z.B. Solothurn) sind die solidarischen Schüler, die mitmachen, letztlich die Dummen. Das darf nicht sein. Die Internet-Zeitung soaktuell.ch zeigt auf, wie testwillige Schüler und Eltern an der Nase herum geführt werden.

Das Schutzkonzept an den Solothurner Schulen hat eine riesige Lücke. Jeder weiss es und niemand tut etwas dagegen. Foto: Willi Heidelbach / pixelio.de


Das wichtigste vorweg: Seit Basel-Stadt und Basel-Landschaft alle Schülerinnen und Schüler obligatorisch testen, ist die Rate der Testverweigerer auf unter zehn Prozent gesunken. Der Grund ist einfach: Wer beim Spucktest nicht mitmacht, geht bei einem Ausbruch in der Klasse automatisch in Quarantäne oder bringt einen gültigen negativen Test mit. In Kantonen, in denen jeder und jede nach Lust und Laune bei den Spucktests mitmachen kann, beträgt die Verweigerungsrate durchschnittlich 25 Prozent, wie Radio SRF berichtet.

Im Kanton Solothurn hingegen werden Schülerinnen und Schüler, die bei den Tests mitmachen, buchstäblich doppelt bestraft. Mit ihrer Teilnahme an den Spucktests sorgen sie dafür, dass auch die unsolidarischen Testverweigerer nicht in Quarantäne müssen. Doch weil die Testverweigerer nicht in Quarantäne müssen, kommen sie meistens mit den negativ getesteten Kindern wieder zur Schule und gefährden diese zum Dank.

Das "System Solothurn" bestraft die Solidarischen und belohnt die Verweigerer

Schauen wir jetzt mal im Detail an, wie im Kanton Solothurn verfahren wird. Was geschieht bei einem positiven PCR-Pool-Testergebnis?

  1. Falls ein Pool positiv auf das Coronavirus getestet wird, werden alle Personen aus dem Pool via SMS informiert. Gleichzeitig werden die Einzelproben des entsprechenden Pools im Labor analysiert.

  2. Im Fall eines positiven Pools wird ausschliesslich den Personen innerhalb des positiven Pools dringend empfohlen, sich in Selbstisolation zu begeben. Dies gilt somit nicht für Geschwister, Eltern oder weitere Familienangehörige. Das bedeutet: Wer sich Testen liess, muss nach hause, die Testverweigerer können weiterhin zur Schule.

  3. Sobald die Einzelproben ausgewertet sind und die Resultate kommuniziert wurden, ist die Empfehlung der Selbstisolation für alle, bis auf die positiv getesteten Personen, vorerst aufgehoben. Das bedeutet: Die negativ getesteten Kinder müssen wieder mit den Testverweigerern zur Schule. Der grösste Fehler im Schutzkonzept des Kantons Solothurn. Niemand weiss, wie viele positive Fälle es unter den Ungetesteten noch gibt. Das Contact-Tracing könnte hier bei den Testverweigerern zwar Massnahmen anordnen, tut es aber nicht, nur selten oder erst viel zu spät, wie die Praxis vor Weihnachten gezeigt hat. Darauf ist also kein Verlass.

  4. Vollständig geimpften oder genesenen Personen (max. 180 Tage ab Infektion), welche sich in einem positiven Pool befinden, wird ebenfalls empfohlen, sich in Selbstisolation zu begeben. Das bedeutet: Selbst Geimpfte und Genesene fahren schlechter als die Testverweigerer, von denen niemand Selbstisolation verlangt.

  5. Wenn ich mein Kind nicht testen lasse und ein Corona-positiver Fall in der Klasse auftritt: Muss mein Kind in die Quarantäne? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das Ausmass der Quarantäne wird durch das Contact Tracing festgelegt. Das bedeutet: Die testwilligen Eltern können nicht sicher sein, ob der Kanton Solothurn nicht doch wieder ungetestete Kinder mit ihren negativ getesteten Kindern zusammen zur Schule schickt.

Und genau hier versagt das Schutzkonzept völlig. Denn, getestete Kinder dürfen nach einem Ausbruch niemals sofort wieder mit Ungetesteten zusammen ins Klassenzimmer geschickt werden. Das widerspricht jeder Logik und ist verantwortungslos.

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