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Prämienschock führt zu Rekordzuwachs bei KPT

Der sprunghafte Anstieg der Prämien auf das Jahr 2023 hat zu historischen Veränderungen im Krankenkassenmarkt geführt. Das zeigt eine Umfrage von Comparis bei den Krankenkassen. Die KPT hat mit 195’100 zusätzlichen Grundversicherten einen Rekord aufgestellt: Noch nie hat eine Krankenkasse seit der Einführung der obligatorischen Grundversicherung im Jahr 1996 in dieser auf einen Schlag einen so grossen Zuwachs verzeichnet. Weiter zeigt die Analyse: Die Branchenleader sind in diesem Jahr die Verlierer, so etwa die Assura und die Helsana. Eine zusätzliche repräsentative Umfrage im Auftrag von Comparis zeigt zudem: Die Nachfrage nach HMO- und Hausarzt-Modellen flacht ab.


comparis.ch AG

Der überdurchschnittliche Prämienanstieg von 6,6 Prozent auf das Jahr 2023 hat die Zahl der Zu- und Abgänge gegenüber dem Vorjahr massiv ansteigen lassen. Dies zeigt die neuste Comparis-Analyse der grössten Schweizer Krankenkassen in der Grundversicherung.


Am meisten Zuwachs verzeichnete die KPT mit 195'100 neuen Grundversicherten. Ein Rekord: Es ist der grösste Kundenzuwachs einer Kasse seit Einführung der obligatorischen Grundversicherung im Jahr 1996. Der Kundenstamm der Berner Kasse wuchs damit um 54,6 Prozent.


«Je stärker die Prämien steigen, desto mehr Versicherte wechseln die Krankenkasse. Letzteres führt zu weiteren Prämienschwankungen, weil Kassen mit einem grossen Kundenzuwachs und wenig Reserven im Folgejahr die Prämien stärker als die Konkurrenz erhöhen müssen», kommentiert Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Die starken Prämienschwankungen seien stets weniger dem Anstieg der Kosten geschuldet gewesen als dem politischen Eingriff in die Reserven der Versicherer.

Die zwei Branchenleader verlieren

Die grosse Verliererin 2023 ist wiederum die in Pully bei Lausanne domizilierte Assura. Sie verlor 89’000 Versicherte, wurde von der Swica-Gruppe überholt und liegt nun auf Platz 4. Die Helsana verlor 84’000 Versicherte und bleibt mit deutlichem Abstand die Nummer 2 der Branche hinter der CSS, die 10’800 Kundinnen und Kunden verlor. Von den 13 grössten Kassen verzeichnete mit 21 Prozent die Berner Atupri den grössten prozentualen Rückgang. Sie verlor 40’500 Versicherte.


«Jahrelang war die Assura fast überall der Krankenversicherer mit den tiefsten Grundversicherungspämien. Die Jagd nach guten Risiken lohnt sich allerdings nicht mehr. Die Kassen mit vielen gesunden Kunden müssen in den Risikoausgleich einzahlen, während die Konkurrenz mit vielen kranken Kundinnen und Kunden Geld aus dem Risikoausgleichstopf erhält. Deshalb muss Assura noch mehr in Servicequalität investieren, um den Kundenschwund zu stoppen», so Schneuwly.


Helsana mit dem stärksten Kundenzuwachs seit 2018

Der Fünfjahresvergleich sieht etwas anders aus als der Einjahresvergleich: Trotz der aktuellen Verluste konnte Helsana ihren Kundenbestand seit 2018 am stärksten ausbauen. Sie legte um 237’000 Grundversicherte zu, die CSS um 126’400 und die Swica-Gruppe um 110’000. Prozentual liegt im Fünfjahres-Ranking wiederum die KPT mit 43,6 Prozent (167’700 Versicherte) vor der Sympany mit 22,8 Prozent (44’400 Versicherte) und der EGK mit 16 Prozent (13’200 Versicherte).


Die Groupe Mutuel konnte mit dem diesjährigen Plus die Verluste der letzten fünf Jahre auf 58’500 Kunden schmälern. Im Gegensatz zur Assura: Seit 2018 verlor sie 187'000 Kunden und Kundinnen. Mit diesem Minus von 18,7 Prozent liegt sie leicht vor der Atupri, deren Bestand in diesem Zeitraum um 17,4 Prozent oder 32'200 Versicherte geschrumpft ist.

Signifikanter Anstieg bei neuen alternativen Versicherungsmodellen

Eine zusätzliche repräsentative Comparis-Umfrage bei 1’035 Personen zeigt: Rund 31 Prozent der befragten Erwachsenen in der Schweiz geben an, in der Grundversicherung standardversichert zu sein. Dieser Wert ist seit Jahren stabil. Auch der Prämienschock hat daran nichts geändert.


Bewegung gab es bei den anderen Versicherungsmodellen. Hausarzt- oder HMO-Modelle haben an Beliebtheit verloren. 47 Prozent setzen 2023 auf ein solches Modell. Das sind signifikant weniger als in den Jahren 2021 und 2022. Damals waren es 55 beziehungsweise 53 Prozent. Zugelegt haben hingegen die «anderen», oft neuen Versicherungsmodelle. Ihr Anteil stieg von 2 Prozent im Jahr 2021 auf 5 Prozent in diesem Jahr.


Das Telmed-Modell tritt an Ort und Stelle

Das Telmed-Modell kommt weiterhin nicht richtig in Fahrt. Nur 16 Prozent der Versicherten haben sich für die virtuelle Erstberatung entschieden, etwa so viele wie 2022.


Gerade das wachsende Bedürfnis der Versicherten nach schnellem und direktem Zugang zu persönlicher Hilfe steht den Prinzipien des Telmed-Modells entgegen. Sowohl der Wunsch nach direkter Konsultation des Hausarztes als auch der rasche Zugang zu anderen medizinischen Leistungserbringern werden neben tiefen Krankenkassenprämien als wichtigste Aspekte für die Wahl des Versicherungsmodells genannt.


2021 war der direkte Zugang zum Hausarzt für 81 Prozent der Befragten eher bis sehr wichtig. Heuer lag der Anteil bereits bei 85 Prozent. Den schnellen Zugang zum Arzt bewerteten 2021 81 Prozent als eher bis sehr wichtig. Im April 2023 waren es 85 Prozent der Umfrageteilnehmenden.


«Kostenwachstum und Fachkräftemangel werden uns zu rascherer Digitalisierung zwingen», sagt Felix Schneuwly und ergänzt: «Wenn Telemedizin und Digitalisierung generell auf dem ganzen Behandlungspfad eingesetzt werden, können Komfort und Qualität der medizinischen Versorgung für Patientinnen und Fachleute verbessert werden. Voraussetzung ist aber der vollständige, digitale Zugriff auf alle relevanten Patientendaten für alle involvierten Fachleute. Unsere Datenschutzgesetzgebung muss auf der einen Seite weniger verbieten und auf der anderen Seite Missbrauch strenger bestrafen.»

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