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"Papi, warum sind wir die einzigen, die niemand richtig schützen will?"

Wir solidarischen Eltern hätten uns gewünscht, der Kanton Solothurn würde die Primarschüler mindestens bis Ende Februar obligatorisch gegen Corona testen und Testverweigerer bei einem Ausbruch in der Klasse konsequent in Quarantäne schicken. Dies hätte vielen Kindern Zeit gegeben, sich doppelt gegen Corona impfen zu lassen. Doch diese Chance gab man ihnen nicht.


Roman Jäggi, Fulenbach, (Vater von drei schulpflichtigen Mädchen und einer Tochter im Kindergarten), Alt-Kantonsrat und ehemaliges Mitglied der kantonsrätlichen Bildungskommission

Wenn eine meiner drei schulpflichtigen Töchter fragt: "Papi, warum sind wir Primarschüler eigentlich die einzigen, die niemand richtig vor Corona schützen will?" gibt das zu Denken. Ich sagte ihr, das sei eine sehr gute Frage, die sie gerne vor den nächsten Wahlen dem Erziehungsdirektor persönlich stellen solle.


Der Kanton Solothurn hat erst nach massivem medialem Druck und dem Vorpreschen anderer Kantone entschieden, ab 17. Januar 2022 obligatorisch alle Schülerinnen und Schüler der Primarschulstufe wöchentlich gegen Corona zu testen. Doch er lieferte gleich ein Schlupfloch mit, von dem nun rege Gebrauch gemacht wird. Mit einem einfachen Gesuch "aus persönlichen Gründen" können Eltern ihre Kinder vom Maskentragen oder Testen dispensieren lassen. Ein Obligatorium für die Katz also.


Wenn in einer Schulklasse ein Kind beim Spucktest nicht mitmacht, kann man mit dieser Extrawurst noch leben. Aber in Schulklassen, in denen vorher schon über 25 Prozent oder mehr der Schülerinnen und Schüler beim Spucktest nicht mitmachten, bleibt die Verweigerung auch mit dem "Obligatorium" hoch. Und der Entscheid, auch gleich die Quarantäne in den Schulen aufzuheben, die Ungetesteten nach einem Ausbruch also wieder mit den Getesteten zusammen in die Klasse zu schicken, gefährdet die Kinder und ihre Familien direkt.


Die Dummen sind die solidarischen Kinder und ihre Eltern, die mit Maskentragen und Testbereitschaft einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten. Hier hat die Regierung die Interessen einer lauten Minderheit von Test- und Maskenverweigerern über die Interessen der überwiegenden Mehrheit gestellt. Ein grosser Fehler.


Niemals darf man nach einem Ausbruch in der Klasse ungetestete Kinder mit den getesteten zusammen wieder zur Schule schicken. Das Testobligatorium mit automatischer Quarantäne für Verweigerer wäre der Preis, den überzeugte Massnahmengegner in Kauf nehmen müssten.


Der Kanton Solothurn hätte die Primarschülerinnen und -schüler wenigstens bis Ende Februar bestmöglich schützen können. Solange nämlich, bis die Impfwilligen unter ihnen eine Chance hatten, sich zweimal impfen zu lassen. In den Impfzentren des Kantons Solothurn können sich Kinder unter 12 Jahren seit dem 16. Januar impfen lassen. Bis zur Zweitimpfung dauert es vier weitere Wochen. Doch nicht mal diese Chance hat man den Primarschülern gewährt.


Wegen diesem Kniefall der Regierung vor den Massnahmengegnern wird es nun dazu kommen, dass sich reihenweise einmal geimpfte Schülerinnen und Schüler infizieren, bevor sie die zweite Impfdosis erhalten haben, wie dies in den Schulen Fulenbach bereits geschehen ist.


Die Generation U12 ist zu bedauern. Man hat sie aus Rücksicht auf eine Minderheit von Massnahmengegnern bis heute nicht optimal schützen wollen. Die Möglichkeit wäre da, doch der Wille fehlt. Ein grosser Fehler, an den sich Schüler und Eltern erinnern werden. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Und das Internet vergisst nicht.


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