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Omikron-Hotspot Schule: Bildungsdirektoren überlassen Schüler ihrem Schicksal

Am Montag beginnen überall in den Kantonen Aargau und Solothurn die Schulen. Der Kanton Aargau führt keine Spucktests mehr durch, weil die Labore angeblich überlastet seien. Und der Kanton Solothurn führt zwar Spucktests durch, aber freiwillig. Das bedeutet, wer keine Lust hat mitzumachen, kann auch ungetestet zur Schule. Beides ist ein Spiel mit dem Feuer. Die politische Verantwortung dafür tragen die beiden Bildungsdirektoren der Kantone.

Symbolbild von Gert Altmann / pixabay.com


Seit zwei Jahren weiss man, dass das grösste Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, im familiären Umfeld besteht. Das belegt jede Statistik. Die Möglichkeit, dass also eine Schülerin oder ein Schüler das Virus früher oder später ins Klassenzimmer bringt, besteht. Schulklassen sind unter den geltenden Schutzmassnahmen die grössten Menschenansammlungen, die es in geschlossenen Räumen noch gibt. Ob sie wollen oder nicht, Schülerinnen und Schüler müssen stundenlang mit 15-20 anderen Kindern im Schulzimmer sitzen. Selbst bei gutem Lüften und mit Maskenpflicht ab 1. Primarschulklasse, ist das Risiko, sich anzustecken sehr hoch. Das wissen alle. Und trotzdem lässt man die Situation schleifen. Wenn das Virus ins Klassenzimmer getragen wird und sich dort verbreitet, bringen es Schülerinnen und Schüler wieder in neue Familien. Dort gibt es Geschwister, die ebenfalls noch schulpflichtig sind und das Virus wiederum in andere Klassen schleppen.


Erschütternde Beispiele von der Front

Der Redaktion von soaktuell.ch liegen nach der Berichterstattung über den Missstand mit den Spucktests an unseren Schulen dutzende von E-Mails von Eltern vor, welche genau diese Situation erlebt haben. Ein Schüler bringt das Virus von der Schule nach hause. In der Familie werden dann der Reihe nach alle Familienmitglieder krank. Bis Symptome ausbrechen, gehen alle Geschwister in unterschiedliche Klassen, stecken dort weiter Kinder an. Die Quarantäne für alle Familienmitglieder verlängert sich mit jedem neuen Krankheitsfall in der Familie wieder um 10 Tage (heute 7 Tage). Eine Tortur. Und von wegen "leichte Verläufe": Die erkrankten Kinder erleiden oft Wochen nach einer Infektion wieder Rückfälle, sind auch zwei bis drei Monate nach Corona noch extrem müde, schlapp, ausgehungert und bleich. Die Verantwortlichen, die oftmals selber keine schulpflichtigen Kinder mehr haben, nehmen das auf die leichte Schulter.


So wird die Schule zum Corona-Hotspot

Das Infektionsgeschehen an den Schulen hat sich, wegen den Weihnachtsferien, etwas beruhigt. Aber bei den Schutzkonzepten der Kantone Aargau und Solothurn wird sich die Situation ab kommender Woche dramatisch verschlechtern. Die Schule wird zum Corona-Hotspot schlechthin. Geschlossene Schulen und Eltern, die ebenfalls krank werden oder in Quarantäne müssen, nützen weder der Wirtschaft noch sonst jemandem. Wenn die Kantone das Infektionsgeschehen wirklich bremsen wollten, müssten sie genau in den Schulen ansetzen und zwar mindestens einmal wöchentlich mit obligatorischen Spucktests für alle Personen im Klassenzimmer.


Ausrede der überlasteten Labore

Dass die Kapazitäten der Labore nicht genügen, sieht nach einer Ausrede aus, um sich vor der Durchsetzung der Testpflicht an den Schulen drücken zu können. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hält fest, dass «grundsätzlich ausreichend Laborkapazitäten vorhanden» seien. Es sei einfach wichtig, dass die Laborkapazitäten schweizweit gut koordiniert würden, um mögliche lokale Engpässe zu umgehen. Für das Umsetzen der Testungen seien die Kantone zuständig.


Schuss wird nach hinten losgehen

Der Kanton Aargau überlässt die ganze Generation der ungeimpften Schüler unter zwölf Jahren also ihrem Schicksal - und dahinter deren Familien. Man hofft, das Omikron-Virus mit einer Maskenpflicht ab der 1. Primarschulklasse und gutem Lüften (nächste Woche wird es am Morgen teilweise Minus 5 Grad) im Griff halten zu können. Dass dieser Schuss nach hinten losgehen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.


Im Kanton Solothurn ist die Situation noch perfider. Hier führt man zwar Spucktests an den Schulen durch, aber nicht obligatorisch für alle. Und die Maskenpflicht gilt erst aber der 3. Primarschulklasse. Man tut also etwas, aber man macht es nicht richtig.


In Klassen, in denen sich über 30 oder 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler weigern, bei den Tests mitzumachen, wird das Ergebnis das selbe sein wie im Aargau. So machen Tests nun wirklich keinen Sinn, das haben der Internet-Zeitung soaktuell.ch gegenüber sogar Massnahmengegner amüsiert zugegeben. Sinn machen würden die freiwilligen Test nur dann, wenn die Testverweigerer im Falle eines positiven Pool-Tests unverzüglich in Quarantäne müssten oder ebenfalls einen negativen Test mitbringen. Lässt man sie aber wieder zur Schule, als ob nichts gewesen wäre (wie vor Weihnachten reihenweise geschehen) kann man die Spucktests gleich weglassen. Das Contact-Tracing wolle im Kanton Solothurn von Fall zu Fall über Quarantänemassnahmen entscheiden. Als ob das Contact-Tracing bei 600-1000 Neuinfektionen pro Tag im Kanton Solothurn nichts anderes zu tun hätte.


Die politische Verantwortung tragen die beiden Bildungsdirektoren

Regelmässiges Testen an den Schulen wäre noch nie so wichtig gewesen, wie ab dem 10. Januar 2022. Und zwar obligatorisch - für alle im Klassenzimmer. Denn nur an den Schulen können die Kantone das Infektionsgeschehen tatsächlich und direkt beeinflussen. Das passiert in den Kantonen Aargau und Solothurn aber nicht. Die Folgen auf den Schulbetrieb und das Infektionsgeschehen werden dramatisch sein.


Die politische Verantwortung dafür, dass Schüler und ihre Familien nicht gleich gut geschützt werden, wie jene im Kanton Basel-Landschaft (wo eine Testpflicht für alle gilt), tragen die bürgerlichen Bildungsdirektoren der beiden Kantone, also Regierungsrat Remo Ankli (FDP SO) und Regierungsrat Alex Hürzeler (SVP AG).

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