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Oltner Stadtanzeiger eingestellt - CH Media dünnt Medienlandschaft Solothurn aus

Der Stadtanzeiger Olten erscheinen bald zum letzten Mal. Grund: Ungenügende Wirtschaftlichkeit. Zwei Mitarbeitende verlieren den Job. Auch bei der Online-Plattform 32today und bei Radio 32 werden acht von zwölf Personen abgebaut. Damit dünnt die Medienlandschaft im Kanton Solothurn massiv aus.


Logo: 32today


Als der Stadtanzeiger Olten, das Oltner Tagblatt und Radio 32 in den letzten Jahren von CH Media (früher AZ Medien) geschluckt wurden, war klar, dass sich in der solothurnischen Medienlandschaft ein ungesundes Klumpenrisiko gebildet hatte. Jetzt trifft der schlimmste Fall ein: CH Media beginnt, die an sich gerissenen solothurnischen Medien zu schliessen oder auszudünnen.


Stadt Olten stark betroffen

Der Oltner Stadtanzeiger verschwindet im Februar 2024. Er erschien jeweils am Donnerstag in einer Auflage von ca. 35'000 Exemplaren und war das amtliche Publikationsorgan der Stadt Olten. Diese muss sich nun überlegen, wie sie ihre Mitteilungen auf anderen Kanälen an die Leute bringen kann, auch an jene, die nicht internetaffin sind.


CH Medien klagt über eine starke Konkurrenzsituation in der Stadt Olten. Hier gebe es neben dem Stadtanzeiger schliesslich noch das Oltner Tagblatt, den Anzeiger für Gäu und Thal und die Neue Oltner Zeitung. Doch diese Situation war schon beim Kauf des Stadtanzeigers durch CH Media so und ist nicht neu. Fakt ist: Es ist den Machern des Stadtanzeigers schlicht und einfach nicht gelungen, das Produkt von einer eigentlichen Inserateschleuder zu einer interessanten und lebendigen Wochenzeitung zu entwickeln, auf die man sich jede Woche freut. Das ist schade. Hätte sich der Stadtanzeiger nicht im Besitz eines Grossverlages befunden, wären die Macher mit Sicherheit viel früher kreativer geworden. Wahrscheinlich ist es jetzt aber tatsächlich zu spät für den Stadtanzeiger.


Auch 32Today und Radio 32 werden faktisch kaputt gespart

Bei Radio 32 und 32Today wurden insgesamt acht Mitarbeitende entlassen. Erst Anfang 2023 wurde das kostenlose Online-Portal 32today in Solothurn gegründet. Damals rieben sich Medien-Insider die Augen über den Mut von CH Media. Mit dem Start "wird auch am letzten verbleibenden CH Media Entertainment Standort ein trimediales Zeitalter eingeläutet", schrieb CH Media damals grosskotzig. Dieses trimediale Zeitalter à la CH Media dauerte nicht einmal ein Jahr. Die Zugriffszahlen und die Rendite von 32today müssen derart mies sein, dass CH Media jetzt schon die Notbremse zieht. Das Regionaljournal von SRG berichtet, dass die Redaktion für die Online-Plattform 32today in Solothurn mit jener von «Bärn Today» in Bern zusammengelegt werde.


Today-Fehlplanung

Innert kurzer Zeit hat CH Media in der Schweiz sechs solcher Gratis-Online-Portale aufgebaut. Das Problem: Mit dem Gratis-Angebot werden die kostenpflichtigen Aboangebote aus dem gleichen Haus kanibalisiert. Im Gegensatz zu anderen Gratis-Angeboten wie nau.ch, 20 Minuten oder auch soaktuell.ch, wo News nur für die Gratisplattformen produziert werden, ging CH Media dazu über, immer mehr Artikel aus dem kostenpflichtigen Angebot der abonnierten Zeitungen als Zweitverwertung auch auf den "Today-Plattformen" gratis zu publizieren. Welcher Leser ist schon so dumm, andernorts für News zu bezahlen, wenn man die gleichen News auch gratis haben kann? Entweder publiziert man News kostenpflichtig hinter einem bezahlten Abo oder dann kostenlos auf einem mit Werbung finanzierten Gratisportal. Beides wird längerfristig nie funktionieren.


Auch "Solothurner Woche" ist weg

Ende Juni 2023 war bereits die frühere Cash-Maschine "Solothurner Woche" von ZT Medien AG eingestellt worden, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das Anzeigeblatt erschien in 83 Gemeinden des westlichen Kantons Solothurn und in einigen angrenzenden Gemeinden des Kantons Bern.


Nur noch ein Journalist pro Tag bei Radio 32

Bei Radio 32 sollen die Nachrichten, gemäss Recherchen des Regionaljournals Aargau-Solothurn, künftig von einer Zentralredaktion in Zürich oder Luzern kommen. In der Redaktion von Radio 32 sitze künftig nur noch ein Journalist oder eine Journalistin pro Tag. Die Enttäuschung bei den entlassenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei gross. Auf Online-Plattformen lassen sie ihren Frust aus. Sie haben recht. Mit einer Journalistin oder einem Journalisten lässt sich kein qualitativ halbwegs vernünftiges Radioprogramm machen, auch wenn News künftig mit Zürcher Dialekt im Kanton Solothurn verlesen werden.


Die Solothuner Kantonsregierung nahm Anfang dieser Woche zum schleichenden Mediensterben Stellung. Man sehe keinen dringenden Handlungsbedarf, beobachte den Konzentrationsprozess der Medien im Kanton aber mit gewisser Sorge, hiess es. Diese Stellungnahme auf eine Anfrage aus der Mitte-Partei erfolge aber noch vor dem nun beschlossenen Abbau.


Die "Hunter-Strategie" von CH Media

Zuerst alle Medien im Kanton Solothurn aufkaufen, dann ausdünnen und letztlich einstellen. Genau so geht CH Media im Kanton Solothurn vor. Jetzt sind wir soweit im Kanton Solothurn. Heute schon werden die Solothurner Zeitung und das Oltner Tagblatt weitgehend aus einer Redaktion in Aarau produziert. Die News von Radio 32 kommen wie erwähnt bald aus einer Redaktion in Zürich oder Luzern, das Tele M1 aus Studios in Aarau. Die Online-Zeitung 32today wird redaktionell künftig mit "Bärn today" zusammen produziert, die "Solothurner Woche" und der "Stadtanzeiger" Olten sind tot. Langsam dämmert es den letzten im Kanton Solothurn, dass sich die Zusammenarbeit mit CH Media für solothurnische Medien nie gelohnt hat und nie lohnen wird.


Gut, gibt es das Regionaljournal von SRF

Der Kanton Solothurn wird in wenigen Jahren noch froh über unabhängige Online-Medien wie die Internet-Zeitung soaktuell.ch sein. Und der Kanton Solothurn kann froh darüber sein, dass die SRG mit dem Regionaljournal Aargau-Solothurn (mit Studio in Solothurn) ein tägliches hoch qualitatives News-Programm für die Kantone Aargau-Solothurn produziert. Das Regionaljournal Aargau-Solothurn ist politisch und gesellschaftlich relevant und deshalb unverzichtbar in unserer Region. Der Kanton Solothurn sollte alles daran setzen, dass dies so bleibt und die SRG auch in Zukunft die finanziellen Mittel dafür bekommt.


Wir von der Internet-Zeitung soaktuell.ch wagen eine Prognose: Der nächste Abbauschritt wird mittelfristig wohl die vollständige Zusammenlegung von Oltner Tagblatt und Solothurner Zeitung zu nur noch einer Zeitung sein. Wetten, dass...?


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