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Jede sechste Person musste für Steuern schon Freunde anpumpen oder wurde betrieben

Eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat keine Mühe, ihre Steuerrechnungen zu begleichen. Jede sechste Person dagegen musste in den Jahren 2017 bis 2021 mindestens einmal Freunde oder Verwandte anpumpen, eine Stundung beantragen oder wurde gar betrieben. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von comparis.ch.


comparis.ch AG


«Bei Haushalten mit Zahlungsrückständen stehen die Steuern nach Häufigkeit noch vor den Krankenkassen an der Spitze. Schwierigkeiten mit dem Bezahlen der Steuern haben zudem überdurchschnittlich häufig Menschen mit finanziellen Engpässen», sagt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn.


Steuern zahlen macht nicht allen Freude. Ein beachtlicher Anteil der Schweizer Bevölkerung hat Mühe, die Steuerschuld zu begleichen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch. Zwar konnten 77 Prozent der Befragten alle Steuerrechnungen im Zeitraum 2017 bis und mit 2021 aus eigenen Mitteln bezahlen. Über 16 Prozent waren dazu jedoch nicht in der Lage. 7 Prozent machten keine Angaben.


«Bei Haushalten mit Zahlungsrückständen stehen die Steuern nach Häufigkeit noch vor den Krankenkassen an der Spitze. Schwierigkeiten mit dem Bezahlen der Steuern haben zudem überdurchschnittlich häufig Personen mit finanziellen Engpässen», sagt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn.


7 Prozent aller Befragten konnten zwar alle Steuerforderungen begleichen. Aber sie mussten dafür Geld ausleihen bei Freunden und Angehörigen oder einer Bank. 6 Prozent konnten nicht alle Steuerrechnungen bezahlen und haben deshalb eine Stundung. Das bedeutet, dass die Frist erstreckt wird, die Steuern jedoch bezahlt werden müssen. Und 3 Prozent konnten eine oder mehrere Forderungen nicht erfüllen und haben deshalb eine oder mehrere Betreibungen erhalten.


Jüngere leihen sich öfter Geld aus für die Steuern als Ältere

Mit einem Anteil von 78 Prozent haben Personen zwischen 36 und 55 Jahren sowie Ältere mit 85 Prozent kaum Probleme, ihre Steuern aus den eigenen Finanzen zu begleichen. Bei den 18- bis 35-Jährigen liegt der Anteil aber nur bei 68 Prozent. Entsprechend mussten mit 12 Prozent auch am meisten jüngere Steuerzahlende Geld bei Freunden, Verwandten oder einer Bank ausleihen. Bei den 36- bis 55-Jährigen und den über 56-Jährigen war dieser Anteil signifikant kleiner (6 bzw. 3 Prozent).


«Der Umgang mit hohen Rechnungen will gelernt sein. Je älter die Befragten, desto weniger hatten sie Mühe, die Steuern aus eigenen Mitteln zu zahlen. Das hat selbstverständlich auch mit dem steigenden Einkommen zu tun», beobachtet der Comparis-Experte.


Mehr Deutschschweizer als Romands und Tessiner können ihre Rechnungen sofort bezahlen

Ebenfalls auffällig: In der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz konnten 9 beziehungsweise 12 Prozent der Personen nicht alle Steuerrechnungen bezahlen und hatten deshalb eine Stundung. In der Deutschschweiz liegt dieser Anteil bei nur 5 Prozent.


Wenig überraschend konnten mehr Haushalte mit einem höheren Bruttoeinkommen pro Monat – 4’000 bis 8’000 Franken (76 Prozent) und über 8’000 Franken (84 Prozent) – all ihre Steuerrechnungen aus eigenen Mitteln bezahlen als Wenigverdienende bis 4’000 Franken (65 Prozent). Die Wenigverdienenden waren mit 8 Prozent überdurchschnittlich häufig nicht in der Lage, alle Steuerrechnungen zu bezahlen, und hatten eine oder mehrere Betreibungen. Bei Einkommen von 4’000 bis 8’000 Franken waren es 3 Prozent, bei höheren Einkommen 2 Prozent.


Mehr säumige Steuerschuldner in der italienischsprachigen und der Westschweiz

Die am häufigsten genannte Art, die Steuerrechnung zu bezahlen, ist mit 30 Prozent die Einmalzahlung des gesamten Betrages nach Erhalt der definitiven Rechnung. Danach folgen mit 24 Prozent mehrere Akontozahlungen nach Erhalt der provisorischen Steuerrechnung sowie die Ratenzahlung nach Erhalt der definitiven Steuerrechnung mit 21 Prozent. Noch nichts an die Steuerrechnung von 2021 bezahlt haben 4 Prozent.


Während in der Deutschschweiz nur 3 Prozent noch nichts an die Steuern von vor drei Jahren, also 2021, bezahlt haben, sind es in der Westschweiz 7 Prozent und in der italienischsprachigen Schweiz 8 Prozent.


Junge zahlen lieber alles auf einmal

Die Mehrheit der 18- bis 35-Jährigen bevorzugt mit 36 Prozent die Einmalzahlung des gesamten Betrags nach Erhalt der definitiven Steuerrechnung, bei den 36- bis 55-Jährigen sind es nur 25 Prozent.


«Bei den jüngeren Steuerpflichtigen scheint häufig die Regel zu gelten: Wenn eine Rechnung ins Haus flattert, dann bezahle ich sie. Vorauszahlungen, um vom Skonto zu profitieren, sind bei den 18- bis 35-Jährigen deutlich weniger verbreitet als bei den Älteren», sagt Kuhn.


Steuererklärung: Die meisten Schweizerinnen und Schweizer legen selbst Hand an

Die Mehrheit der Schweizer Wohnbevölkerung füllt die Steuererklärung eigenhändig aus (63 Prozent). An zweiter Stelle folgt die Beauftragung eines Treuhänders mit 21 Prozent. Mehr Männer (68 Prozent) als Frauen (58 Prozent) füllen ihre Steuererklärung selbstständig aus. Auch legen Personen mit hoher Bildung mit 69 Prozent häufiger selbst Hand beim Ausfüllen der Formulare an als Personen mit niedriger und mittlerer Bildung (58 Prozent).


Kuhn: «Mit den etablierten Online-Lösungen zum Ausfüllen der Steuererklärung wurde diese Pflicht in der Regel deutlich angenehmer und ist für Personen ohne komplizierte Finanzsituation relativ einfach umzusetzen. Dennoch gibt es hier einen Bildungsgraben.»

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