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Im Lenz kommt Fabian Renz, der tapfere Warner vor Andreas Glarner

Tamedia-Redaktor Fabian Renz berichtete, wie er einer Hass verbreitenden geschlossenen Facebook-Gruppe auf die Schliche kam. („Corona befeuert den Hass im Netz“.) Der Podcast beginnt fruchteinflössend mit einigen Zitaten: „Schrot würde ich auch noch nehmen – oder einen Haufen Gummigeschosse“, „Landesverräterin“, „Am besten Kopfnuss, äh…, Kopfsch…“. Diese Zitate seien mit die prägnantesten Stellen im Blog der Gruppe, bemerkt der Redaktor gleich zu Beginn. Auf die Frage, ob man solche Parolen ernst nehmen müsse, meint er: „Letztlich habe ich das Gefühl, dass man das schon ernst nehmen muss, weil man inzwischen sieht, dass der Hass so ein wenig den Raum der sozialen Medien verlassen hat und so quasi in der realen Welt angekommen ist.“ Also nur so „ein wenig“ und „quasi“ – wer so vorsichtig formuliert, will meistens verhindern, den Wahrheitsbeweis erbringen zu müssen.


Thomas Baumann

Freier Autor - u.a. Tagesanzeiger, NZZ und Weltwoche - und Ökonom

Photo by Markus Winkler on Unsplash


Das Hauptindiz für seine Behauptung sieht er denn auch vor allem darin, dass die Polizeipräsenz scheinbar vor einigen Verwaltungsgebäuden des Bundes und ganz sicher bei allen Eingängen des Medienzentrums verstärkt wurde – auch ein Bundeshausjournalist lebt eben in seiner kleinen Blase.


Dass die Geschichte aber offenbar nicht so heiss war, wie sie vom TA-Redaktor aufgekocht wurde, bestätigt er gleich selbst: „Die Leute finden irgendwie, Sommaruga solle zurück an den Herd, so, und darüber kann sich die Gruppe dann seitenlang unterhalten.“ Dazu kann man nur sagen: Ein derart explizit angedrohter Lockdown in der heimatlichen Küche ist natürlich schon schwerstkriminell.


Offenbar ist der im Beitrag oft zitierte Hass zudem ein reichlich amorphes Gebilde, denn „er sucht sich so je nach Pandemielage neue Ziele. In der aktuellen Situation in der Schweiz ist das Ziel sehr oft der Bundesrat selbst und dort drin vor allem die weiblichen Bundesrätinnen.“ Welches die männlichen Bundesrätinnen sind, verrät der TA-Redaktor allerdings nicht. Auch das kolportierte Überspringen des Hasses in reale Gewalt ist alles andere als klar: Einmal hat es irgendetwas mit dem Sturm auf das Capitol in Washington am 6. Januar 2021 zu tun, ein anderes Mal mit dem Attentat in Zug. Das war doch gleich … 2001. Und Friedrich Leibacher war davor jahrelang in Hass-Gruppen auf Facebook aufgefallen, denn damals gab es Facebook selbstverständlich schon.


Etwas bessere Geschichtskenntnisse würde man bei einem Bundeshausjournalisten gerne voraussetzen. Zudem hat Friedrich Leibacher gemäss Wikipedia vor dem Attentat „jahrelang durch exzessiven Gebrauch von Rechtsmitteln auf sich aufmerksam gemacht“. Man sollte sich also vielleicht bei Gelegenheit auch überlegen, den Rechtsstaat einzuschränken, denn es ist ja offensichtlich, wie gewisse Leute in einem rechtstaatlichen Umfeld radikalisiert werden.


Einige Fehler können durch Probleme erklärt werden, welche bei der Recherche auftraten. Im Wortlaut: „Ich habe es nicht geschafft, 10‘000 Kommentare einfach so durchzulesen. Ich hab es schon nicht geschafft, mich länger als eine halbe Stunde intensiv mit dem zu befassen, denn das Level an Hass, an Aggressivität, an Verunglimpfung, Beschimpfung ist wirklich recht hoch.“ Da kann man nur sagen: Als Reporter in einem Kriegsgebiet wäre Fabian Renz definitiv nicht der geeignete Mann, wenn ihm bereits eine halbstündige Lektüre von Kommentaren, die Simonetta Sommaruga einen Lockdown in der Küche verordnen wollen, an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Kein Wunder, wird das Bundeshaus durch derart empfindsame Journalisten wie Fabian Renz zur Wohlfühloase. Hat da gerade jemand etwas von „vierter Gewalt im Staat“ gesagt?


Fehlende Argumente versucht der Journalist auch dadurch wettzumachen, dass er sich exzessiv des Wortes „Hass“ bedient – beinahe so häufig wie des Wortes „ähm…“. Die nicht gerade geschliffene Ausdrucksweise hindert ihn aber nicht daran, über die Mitglieder der Facebook-Gruppe zu mutmassen: „Vielleicht sind sie nicht alle selber Akademiker.“ Neben nicht-Akademikern und Akademikern gibt es nun also auch die Kategorie der „selber Akademiker“. Es scheint, nicht nur die Geschlechteridentitäten werden in der modernen Welt immer unübersichtlicher…


Nachdem der Journalist minutenlang darüber schwadroniert hat, wie angeblich gewalttätige Äusserungen in Facebook-Foren in reale Gewalt umschlagen können, konstatiert er plötzlich: „Die Leute in den Blasen werden nie mit der Realität ausserhalb der Blase konfrontiert.“ Da möchte man doch gleich anfügen: Ist ja beruhigend, dass es trotz aller Unkenrufen offenbar doch nicht zu realen Konfrontationen kommt.


Fazit: Die logische Stringenz der Argumente des TA-Journalisten befindet sich bestenfalls auf „selber Akademiker“-Niveau.

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