Freihandelsabkommen Schweiz und China: Nächster Schritt einer engen Zusammenarbeit
Aktualisiert: 21. Aug.
Bundespräsident Guy Parmelin und der chinesische Handelsminister Wang Wentao haben am 20. August 2026 anlässlich eines Treffens in Bern den Abschluss der Verhandlungen über die Optimierung des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der Volksrepublik China bekannt gegeben.
Seco / Redaktion soaktuell.ch

Die Schweiz hat ihre Verhandlungsziele erreicht: Während im bestehenden FHA fast alle chinesischen Importe in die Schweiz zollfrei erfolgen, war dies nur für rund die Hälfte der Schweizer Exporte nach China der Fall. Mit dem optimierten FHA wird dieses Ungleichgewicht behoben: Neu werden 99,8% der aktuellen Exporte der Schweiz zollfrei auf den chinesischen Markt gelangen können. Das optimierte FHA sichert auch den Zugang von Schweizer Investoren zum chinesischen Markt. Schliesslich werden auch die Bestimmungen zu Umweltfragen und den Arbeitsrechten im optimierten FHA ausgebaut und gestärkt.
Darüber hinaus umfasst die Optimierung des FHA auch die Ursprungsregeln und die Handelserleichterungen, den Dienstleistungshandel, den Digitalen Handel, den Wettbewerb sowie die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Nach Abschluss der rechtlichen Bereinigung werden die Schweiz und China die Unterzeichnung des Abkommens vorbereiten. Diese wird noch im Laufe des Jahres 2026 angestrebt. Anschliessend folgen die jeweiligen innerstaatlichen Genehmigungsverfahren.
Die Verhandlungen über die Optimierung des Freihandelsabkommens (FHA) von 2014 wurden im September 2024 offiziell lanciert und konnten nun nach fünf Verhandlungsrunden abgeschlossen werden.
China ist der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz nach der EU und den USA. Mit der Optimierung des Abkommens verbessert und sichert der Bundesrat den Zugang zum chinesischen Markt und trägt damit zur Diversifizierung der Absatzmärkte für Schweizer Unternehmen bei.
Weil Teile des US-Marktes wegfallen könnten: Enge Zusammenarbeit mit China ist möglich und erwünscht
Die Modernisierung des Freihandelsabkommens schliesst nach fünf Verhandlungsrunden eine entscheidende Lücke im bilateralen Handel. Durch die Einigung fallen künftig die Zölle auf 99,8 % der Schweizer Ausfuhren nach China, was der Schweizer Wirtschaft geschätzte Einsparungen von rund 240 Millionen Franken jährlich bringt.
Bedeutung für
die Schweiz: Beseitigung der bisherigen Asymmetrie. Bislang waren chinesische Importe in die Schweiz fast komplett zollfrei, während nur rund die Hälfte der Schweizer Ausfuhren von Nullzöllen profitierte. Das Abkommen stärkt die Diversifikation der Schweizer Exportmärkte, verbessert den Marktzugang für Dienstleistungen und Investitionen und verankert verbindlichere Bestimmungen zu Umwelt und Arbeitsrechten. Details dazu hat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) veröffentlicht.
China: Ein wichtiger handelspolitischer Prestigegewinn. In einer Phase wachsender westlicher Handelsbarrieren demonstriert Peking, dass es mit hoch entwickelten Volkswirtschaften tragfähige Freihandelsabkommen schliessen kann. Gleichzeitig sichert sich China den verlässlichen Zugang zu Schweizer Spitzentechnologie, Pharmazeutika und Finanzdienstleistungen.
Branchen, Produkte und Dienstleistungen im Fokus
Pharma, Chemie & Medtech: Die wichtigste Schweizer Exportkategorie profitiert von beschleunigten Zulassungsverfahren und dem Abbau verbleibender Zolltarife auf Medikamente und Vorprodukte.
Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM): Hochspezialisierte Werkzeugmaschinen, Robotik, Industrieautomation und Messtechnik können künftig ohne Zollaufschläge nach China geliefert werden.
Uhren & Luxusgüter: China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für die Schweizer Uhrenindustrie; Erleichterungen senken hier direkt den Endverkaufspreis oder verbessern die Margen.
Dienstleistungen & Digitaler Handel: Verbesserter Marktzugang für Schweizer Banken, Versicherungen, Ingenieurdienstleister und Prüfkonzerne sowie vereinfachter grenzüberschreitender digitaler Datenverkehr.
Einordnung zu Elektronik, Batterien, Photovoltaik und Autos
Konsumentenseite (Import in die Schweiz): Bei Smartphones, Laptops, Tablets, Batteriezellen, Solarmodulen und Elektroautos ist die Schweiz primär Konsument und Importeur. Da die Schweiz per 1. Januar 2024 sämtliche Industrie-Importzölle einseitig abgeschafft hat und das FHA von 2014 diese Güter ohnehin weitgehend befreite, ändert sich an den Endkundenpreisen in der Schweiz kaum etwas.
B2B- & Zulieferseite (Export aus der Schweiz): Schweizer Halbleiter-Ausrüster (z. B. Vakuumventile, Röntgenprüfsysteme), Sensorik-Hersteller sowie Automobil- und PV-Zulieferer profitieren direkt, wenn sie High-End-Komponenten an chinesische Tech- und Fertigungskonzerne liefern.
Je mehr Druck Trump auf die Schweiz ausübt, desto enger wird die Zusammenarbeit mit China
Signalwirkung gegen US-Protektionismus: Die Vertiefung des Abkommens steht im Widerspruch zur Handelsdoktrin von Donald Trump, die auf Entkopplung (Decoupling), hohe Schutzzölle gegenüber China und den Aufbau von Handelsbarrieren setzt.
Schweizer Balanceakt: Die USA sind der wichtigste Einzel-Exportmarkt der Schweiz. Strenge Ursprungsregeln im Abkommen stellen zwar sicher, dass keine chinesischen Waren zollfrei über die Schweiz in Drittstaaten wie die USA umgeleitet werden können, dennoch erfordert der Schulterschluss mit China diplomatisches Fingerspitzengefühl gegenüber Washington. Wahrscheinlich liegt es an Präsident Trump. Je höhere Zölle und je mehr Druck er gegen die Schweiz aufbaut, desto enger wird die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und China. Das ist logisch.
Foto von Carlos de Susa / unsplash.com













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