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Fachkräftemangel in der Nordwestschweiz verschärft sich weiter (+23%)

Nachdem der Fachkräftemangel in der Schweiz bereits 2022 einen Höchststand erreichte, zeigen sich auch im Jahr 2023 wenig Anzeichen von Entspannung. Trotz einer abnehmenden Wachstumsdynamik aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Abschwächung ist der Fachkräftemangel in der Schweiz um 24% gestiegen und erreicht somit einen neuen Rekordwert. Auch in der Nordwestschweiz steigt der Fachkräftemangel weiter an, wodurch die Rekrutierung von neuem Personal weiterhin eine Herausforderung für Unternehmen bleibt.


Adecco Gruppe Schweiz

Entwicklung der Fachkräfte in der Nordwestschweiz. Grafik: Adecco


Besonders schwierig gestaltet sich in unserer Region die Besetzung von Stellen für Spezialist:innen in Gesundheitsberufen, ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte sowie für Entwickler:innen und Analytiker:innen von Software und IT-Anwendungen. Dies zeigt der Fachkräftemangel Index Schweiz der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich.


Nachdem der Fachkräftemangel Index bereits im Jahr 2022 aufgrund der wirtschaftlichen Erholung nach der Aufhebung der Corona-Massnahmen stark angestiegen ist, verschärft sich die Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften im Jahr 2023 weiter. Trotz aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen, die von Inflation über die Stärke des Schweizer Frankens bis hin zu einer sich abschwächenden Weltwirtschaft und wachsenden globalen Unsicherheiten reichen, macht sich noch keine Entspannung des Fachkräftemangels sichtbar.


Zwar sinkt die Wachstumsrate des Fachkräftemangel-Index‘ aufgrund der schwächeren Konjunktur - betrug der Zuwachs im Jahr 2022 satte 69%, entspricht der Zuwachs im Jahr 2023 lediglich 24%. Trotzdem erreicht der Index einen neuen Höchstwert. Diese Entwicklung ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Zum einen verringerte sich die Anzahl der Stellensuchenden deutlich, wodurch die Arbeitslosenquote im Jahr 2023 einen Tiefstand von 2% erreicht. Zum anderen stieg die Anzahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr um 7% an.


Primärer Antrieb dieser Entwicklung scheint der Binnensektor zu sein. Während exportorientierte Wirtschaftszweige mit der sinkenden globalen Nachfrage ringen, konnten binnenmarktorientierte Sektoren, wie zum Beispiel das Gastgewerbe, sich grösstenteils auf eine robuste inländische Nachfrage stützen. Dies erklärt auch, warum binnenorientierte Branchen trotz der Konjunkturabkühlung weiterhin einen Stellenaufbau planen.


Marcel Keller, Country President Adecco Gruppe Schweiz: «Der derzeitig überhitzte Arbeitsmarkt resultiert hauptsächlich aus der starken wirtschaftlichen Erholung, die nach der Aufhebung der Corona-Massnahmen einsetzte und die Fachkräftenachfrage deutlich antrieb. Obwohl die gedämpften Konjunkturaussichten für das kommende Jahr und die sichtbar abnehmende Dynamik des Fachkräftemangel Index‘ kurz- bis mittelfristig eine aufkommende Entspannungsphase vermuten lassen, wird der Fachkräftemangel die Unternehmen in der Schweiz langfristig weiterhin beschäftigen. Einflussfaktoren wie die alternde Bevölkerung, die fortschreitende Digitalisierung und der Übergang zu einer Green Economy werden diese Entwicklung auch in Zukunft weiter antreiben.»


Fachkräfte in Gesundheits- und technischen Berufen fehlen

Wie bereits im Vorjahr weisen folgende Berufsgruppen den akutesten Fachkräftemangel auf: Spezialist:innen in den Gesundheitsberufen (bspw. diplomierte Krankenpfleger:innen, Endokrinolog:innen oder Apotheker:innen), Entwickler:innen und Analytiker:innen von Software und IT-Anwendungen (bspw. SAP-Berater:innen, Softwareingenieur:innen oder ICT-Qualitätsmanager:innen) sowie ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte (bspw. Maschinentechniker:innen, Heizungsplaner:innen oder Mikrosystemtechniker:innen). Während sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften für die Spezialist:innen in den Gesundheitsberufen und den ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft, entspannt sich die Lage bei den Entwickler:innen und Analytiker:innen von Software und IT-Anwendungen deutlich.


Yanik Kipfer, Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich: «Die Turbulenzen in der Informatik-Branche haben deutliche Spuren auf dem Stellenmarkt für Entwickler:innen und Analytiker:innen von Software und IT-Anwendungen hinterlassen. Nicht nur die Zahl der offenen Stellen ist deutlich zurückgegangen, sondern auch die Zahl der Arbeitssuchenden hat stark zugenommen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen der Informatik-Branche wider. Im September 2023 wuchs die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um beeindruckende 44,8%. Dadurch hat sich der Fachkräftemangel für diese Berufsgruppe im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannt.»


Vor allem Technische Berufe sind stark in den Top 10 des Fachkräftemangel Rankings vertreten. Dies spiegelt die Ausrichtung der Schweizer Industrie wider, die sich auf die Produktion komplexer, technisch anspruchsvoller Nischenprodukte mit hoher Wertschöpfung spezialisiert hat. Die jüngste Quartalsbefragung des Branchenverbands Swissmechanic unterstreicht diesen Trend. Im dritten Quartal identifizierten KMUs der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche den Mangel an technischem Personal als eine ihrer grössten Herausforderungen.


Der Mangel an Fachkräften in technischen Berufen beschränkt sich nicht nur auf Berufsgruppen, die eine Tertiärausbildung, wie ein Universitätsstudium, einen Fachhochschulabschluss oder eine Ausbildung an einer Höheren Fachschule, erfordern. Er erstreckt sich auch auf Berufsgruppen, in denen vorrangig eine Berufslehre erforderlich ist. Neben den ingenieurtechnischen und vergleichbaren Fachkräften weisen auch die Elektriker:innen und Elektroniker:innen sowie die Polymechaniker:innen, Produktionsmechaniker:innen, Maschinenmechaniker:innen und -schlosser:innen einen akuten Fachkräftemangel auf.


Fachkräftemangel geht zunehmend in allgemeinen Arbeitskräftemangel über

Berufsgruppen am unteren Spektrum des Rankings zeigen vorwiegend ein Überangebot an Fachkräften. Hier gibt es mehr Bewerber:innen als offene Stellen. An letzter Stelle stehen die Hilfsarbeitskräfte, zu denen beispielsweise Fensterreiniger:innen, Strassenmarkierer:innen und Möbelpacker:innen zählen. Ihnen folgen die Führungskräfte und dann Allgemeinen Büro- und Sekretariatskräfte und sonstige Bürokräfte, unter denen Berufe wie Sachbearbeiter:innen, Personalsachbearbeiter:innen und Korrekturleser:innen fallen.


In diesem Jahr stechen insbesondere die divergierenden Entwicklungen zwischen den Berufsgruppen hervor: Während sich das Überangebot an Fachkräften bei den Berufsgruppen in der unteren Hälfte des Rankings merklich reduziert, bleibt der Mangel an Fachkräften in der oberen Hälfte weitestgehend stabil. Das bedeutet, dass der Fachkräftemangel mehr und mehr in einen generellen Arbeitskräftemangel übergeht. So hat sich selbst bei den Berufsgruppen mit geringeren Qualifikationsanforderungen, wie etwa Hilfsarbeitskräfte, das Fachkräfteüberangebot stark reduziert. Damit wird auch die Rekrutierung dieser Arbeitskräfte für die Unternehmen immer schwieriger.


Martin Meyer, Leiter Adecco Deutschschweiz : «Was wir heute auf dem Schweizer Arbeitsmarkt erleben, ist ein eigentlicher Arbeitskräftemangel und kein Fachkräftemangel mehr. Auch in Berufsgruppen, in denen kein akuter Fachkräftemangel herrscht, wird es immer schwieriger, neue Mitarbeitende zu rekrutieren. In der Gastronomie beispielsweise wird der Wettbewerb um gelernte Köch:innen oder ausgebildete Servicekräfte immer härter. Um Arbeits- und Fachkräfte zu finden, müssen Unternehmen innovativ werden und sowohl den internen Arbeitsmarkt besser nutzen als auch ausländische Arbeitskräfte in Betracht ziehen. Das Potenzial des internen Arbeitsmarktes kann beispielsweise durch Investitionen in die Aus-, Um- und Weiterbildung, den Einsatz von Quereinsteiger:innen, die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen oder den gezielten Einsatz von temporären Mitarbeitenden zum Aufbau von internem Know-how besser ausgeschöpft werden.»


Nordwestschweiz: Zunehmender Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen

In der Nordwestschweiz (Kantone BS, BL, AG) hat sich der Fachkräftemangel weiter zugespitzt, was zu einem Anstieg des regionalen Fachkräftemangel-Indexes um +23% geführt hat. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf einen spürbaren Rückgang der Stellensuchenden und eine leichte Zunahme der offenen Stellen in der Region zurückzuführen. Besonders Spezialist:innen in Gesundheitsberufen sind von einem akuten Fachkräftemangel betroffen, der sich dieses Jahr nochmals deutlich verstärkt hat.


Entsprechend dem gesamtschweizerischen Trend ist die Nachfrage nach Entwickler:innen und Analytiker:innen von Software und IT-Anwendungen auch in der Nordwestschweiz in diesem Jahr gesunken, so dass diese Berufsgruppe im Ranking von Platz 2 auf Platz 3 gefallen ist. Verantwortlich für diese Entspannung ist ein gleichzeitiger Anstieg der Anzahl Stellensuchende sowie ein Rückgang der offenen Stellen.


Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage nach ingenieurtechnischen und vergleichbaren Fachkräften gestiegen, was ihnen den zweiten Platz auf der Liste der Berufsgruppen mit dem grössten Fachkräftemangel sichert. In dieser Berufsgruppe ist insbesondere die Zahl der Stellensuchenden deutlich zurückgegangen, was zu einem Anstieg des Fachkräftemangel-Indexes für diese Berufsgruppe beigetragen hat.

Die auffälligste Jahresveränderung in der Nordwestschweiz zeigt sich bei den Gesundheitsassistenzen und Betreuungsberufen (bspw. Dentalhygieniker:innen, Kinderbetreuer:innen oder Pflegehelfer:innen). In der Nordwestschweiz verzeichnet diese Berufsgruppe, ähnlich wie in Zürich, einen markanten Anstieg im Fachkräftemangel, klettert um sechs Positionen nach oben und belegt nun den 18. Platz. Dies spiegelt die steigende Nachfrage nach Gesundheits- und Betreuungsdienstleistungen wider und deutet darauf hin, dass der Bedarf an Fachkräften in sämtlichen Gesundheitsberufen in diesen Grossregion zunimmt.


Corinne Scheiber, Leiterin Adecco Medical Schweiz: «Im Ringen um Gesundheitsfachkräfte sieht sich die Nordwestschweiz einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt. Dieser erstreckt sich nicht nur über die Kantonsgrenzen hinweg, wo etwa Zürich mit höheren Löhnen lockt, sondern reicht auch ins Ausland, insbesondere nach Deutschland, wo sich die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen in den letzten Jahren merklich verbessert haben und somit die Attraktivität der Schweiz als Arbeitsort schmälern. Mit der zunehmenden Verknappung dieser Fachkräfte verschärft sich der Wettbewerb weiter. Unternehmen, die sich nicht an die veränderten Marktbedingungen anpassen, sehen sich mit zwei wesentlichen Herausforderungen konfrontiert: einer zunehmenden Schwierigkeit bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte und dem Risiko, vorhandene Mitarbeitende zu verlieren.»


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