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Ein Blick in die Klimazukunft: Aargauer Städte und Gemeinden im Jahr 2035

Der Klimawandel stellt eine neue Herausforderung für die Siedlungsentwicklung dar: gefühlte Temperaturen von über 40 Grad Celsius, zu wenig Schatten und kaum Abkühlung in den Nächten. Seit 2021 sind die Klimakarten des Kantons eine Grundlage für hitzeangepasste Siedlungsentwicklung in Städten und Gemeinden. Nun liegen auch die Klimakarten für das Jahr 2035 vor – sie erlauben einen Blick in die heisse Zukunft. Und sie verdeutlichen die Wichtigkeit von Grün- und Freiräumen für die Kaltluftproduktion und somit für die Lebens- und Aufenthaltsqualität im Siedlungsgebiet.


Departement Bau, Verkehr und Umwelt

Wie entwickeln sich die Hotspots in Wettingen bis 2035? Grafik zVg.


Wo befinden sich die Hitzehotspots im Siedlungsgebiet des Kantons? Welche Grün- und Freiräume sind wichtig für die Kaltluftproduktion? Wo verlaufen wichtige Kaltluftleitbahnen, die es bei der Siedlungsentwicklung freizuhalten gilt? Die Antworten liefern die Klimaanalyse- und Planhinweiskarten des Kantons Aargau, die seit einem Jahr online abrufbar sind. Diese Klimakarten sind die zentrale Planungsgrundlage für eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung der Städte und Gemeinden. Aus ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungsbedarf ableiten.


In Ergänzung dazu hat das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) nun eine flächendeckende Zukunftsanalyse für das international gültige Emissionsszenario RCP 4.5 gerechnet. Das Szenario entspricht einem "Begrenzten Klimaschutz", im Vergleich zu "Keinem Klimaschutz" und "Konsequenten Klimaschutz". Der Ausstoss von Treibhausgasemissionen wird zwar eingedämmt, aber der Gehalt in der Atmosphäre steigt noch weitere fünfzig Jahre an, und das Zwei-Grad-Ziel gemäss dem Pariser Klimaabkommen wird verfehlt. Die neuen Karten für alle Aargauer Gemeinden zeigen auf, wie sich die Folgen des Klimawandels auf Lufttemperatur, Wärmeinseleffekt und Kaltluft-Volumenstrom im Jahr 2035 auswirken werden und zeigen die Differenz gegenüber der heutigen Situation.


Die unterschiedlichen Nutzungsstrukturen wirken darauf verstärkend (überbaute und/oder versiegelte Räume) oder abschwächend (weitgehend unbebaute Grünräume) ein. Im Allgemeinen werden mit dem Klimawandel sowohl die Grünflächen als auch der Siedlungsraum wärmer. Im Zukunftsszenario zeigt sich die klimawandelbedingte Zunahme der Lufttemperatur in einem insgesamt höheren Werteniveau, das rund 1,3 Grad Celsius über dem der Gegenwart liegt.

Über den ausgedehnten und meist landwirtschaftlich genutzten Freiflächen nimmt die nächtliche Minimumtemperatur um 4 Uhr im Vergleich zu heute je nach Höhenlage und örtlichen Gegebenheiten etwas weniger stark zu, da diese nach einem heissen Tag schneller abkühlen, sobald die Sonneneinstrahlung nicht mehr wirkt. Auf den bewaldeten Flächen ist der Temperaturunterschied zwischen heute und 2035 ähnlich hoch wie im Siedlungsraum, da auch der Wald etwas weniger schnell abkühlt als eine offene Freifläche. Grün- und Freiflächen weisen aber auch in Zukunft kühlere Lufttemperaturen als das Siedlungsgebiet auf und liefern kalte Luft für die nächtliche Abkühlung.


Insgesamt stärkere Wärmebelastung

Im Zukunftsszenario ist unter dem Einfluss des Klimawandels auch am Tage von einer insgesamt stärkeren Wärmebelastung im Kantonsgebiet auszugehen, wobei die intensiv durch Vegetation beschatteten Bereiche auch weiterhin als Zonen mit höherer Aufenthaltsqualität hervortreten. Das Wärmeempfinden des Menschen ist nicht nur von der Lufttemperatur abhängig. Die physiologisch äquivalente Temperatur PET ermöglicht durch die Kombination von Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit sowie kurz- und langwelligen Strahlungsflüssen eine Einschätzung der Wärmebelastung für die Menschen. Über den versiegelten Arealen nimmt die PET um 1,3 bis 1,6 Grad Celsius zu, so dass gegenwärtig noch mässig wärmebelastete Siedlungsräume zukünftig eine starke Belastung aufweisen können. Dies unterstreicht die Bedeutung siedlungsnaher Grünflächen mit ausreichender Beschattung als Aufenthaltsbereiche an Tagen mit starker Wärmebelastung.

Im Zukunftsszenario entwickelt sich unter dem Einfluss des Klimawandels auch ein Kaltluftsystem mit sehr ähnlicher Ausprägung wie in der Gegenwart. So liegt im Prognosejahr 2035 zwar ein insgesamt höheres Temperaturniveau vor, die relativen Temperaturunterschiede zwischen den Grün- und Freiflächen und den wärmeren Siedlungsräumen bleiben als "Antrieb" für den Luftaustausch aber weiterhin bestehen. Es sind hinsichtlich der Einwirktiefe der Kaltluft nur graduelle Unterschiede erkennbar.


Die zuvor beschriebenen Auswirkungen des Klimawandels spiegeln sich auch in den Flächenbilanzen wider. Im Zukunftsszenario nimmt der Anteil der Siedlungsfläche mit Wärmebelastung um 6,4 Prozent zu. In der Summe sind somit 2035 gut 16 Prozent der Siedlungsfläche als wärmebelastet einzuordnen. Umso wichtiger werden in der Folge die an diese Flächen angrenzenden Grün- und Freiflächen als Kaltluft produzierende Bereiche. Zukünftig sind etwa vierzig Prozent des Freiflächenbestands als bioklimatisch bedeutsam für überwärmte Siedlungsbereiche anzusehen und entsprechend sorgfältig zu beplanen und aufzuwerten.

Planungsgrundlagen in Städten und Gemeinden nutzen

Die Klimakarten sind die zentralen Planungsgrundlagen, um die Hitze im Siedlungsgebiet mit gezielten Massnahmen zu reduzieren oder den Zufluss von kalter Luft durch neue Bauten nicht zu unterbinden. Aus ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungsbedarf ableiten. Mit praktisch jedem Planungs- und Bauprojekt in der Gemeinde kann ein Beitrag für ein angenehmes Klima im Siedlungsgebiet geleistet werden – vom Strassenprojekt, über Lage, Ausrichtung und Gestaltung einer Wohnüberbauung bis hin zur Grünflächenpflege. Zu den wirkungsvollsten Massnahmen gehören: das Pflanzen von Schatten spendenden Bäumen, das Fördern von Brunnen und anderen Wasserelementen, die zum Abkühlen einladen, oder das Entsiegeln von Hartbelägen, damit das Wasser besser versickern kann.


Für die Arbeit mit den Klimakarten stehen online verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung: eine Lesehilfe mit einer Beschreibung der Karteninhalte und Hinweise für die Planung, der Schlussbericht Klimaanalyse mit einem detailliertem Methoden- und Vorgehensbeschrieb sowie ein Leitfaden, der aufzeigt, wie eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung in der Planung und bei Projekten umgesetzt werden kann.

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