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Dritte Jugend in der Schweiz

Mit 65 gehen die Schweizer in den Ruhestand und treten in einen neuen Lebensabschnitt ein. Sie widmen sich Hobbys und sozialen Projekten, heiraten und bekommen sogar Kinder. Laut Statistik leben heute 17 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes ein so interessantes Leben.

Symbolbild von Wilfried Pohnke / pixabay.com


Die zwei Millionen Rentner in der Schweiz, die große Mehrheit, streben nach neuen Leistungen nach der Pensionierung. Dieser Wunsch erreicht sogar den (offensichtlich) lange hinausgezögerten Kinderwunsch!


Der Anteil älterer Menschen wächst stetig: Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren kommen 27 Rentner über 65 – vor einem Jahrhundert waren es nur 11. Heute sind es in der Schweiz 1300 Personen, die 100 Jahre und älter sind. 1970 waren es noch 61. Das Gesicht der Schweiz wird wirklich älter…


Aber das gibt den Bewohnerinnen und Besohnern neues Leben. Von 1961 bis heute ist die Lebenserwartung in der Schweiz von 72 auf 82 Jahre gestiegen. Deshalb sind die Schweizer zwischen 65 und 75 aktiver denn je.


Viele geben sich neuen und alten Hobbys hin, unter denen die Fotografie mit Abstand an erster Stelle steht. Fotografieren wurde von 22 Prozent der Schweizer Rentner als Lieblingsbeschäftigung genannt. Es folgen Singen, Spielen in Mr Bet oder in anderen beliebten Online-Casinos, Musizieren, Malen, Schreiben literarischer Werke und Artikel, Tanzen und Mitwirken an Theateraufführungen.


Noch mehr ältere Menschen genießen Kunst nicht als Schöpfer, sondern als Zuschauer: beim Besuch von Museen, historischen Stätten, Theatern, Balletten, Klassik- oder Rockkonzerten. Schließlich geht Mick Jagger mit seinen 70 Jahren auf Welttournee!


Der 70-jährige Adolf Scheidegger beispielsweise war Jahrzehnte lang Rechtsanwalt. Während seiner Jahre als Richter in Zürich schickte er Straftäter für insgesamt 5000 Jahre ins Gefängnis. Im Ruhestand widmete sich Scheidegger dem Hobby seiner Jugend: dem Klavierspielen.


Schon vorher führte er ein Doppelleben: Tagsüber präsidierte er den Hof, abends spielte er Jazz in Bars und kleinen Sälen und gründete die Buddhas Gamblers, eine der besten Jazzbands der Schweiz. 2020 verstarb er.


Der ehemalige Bundesrat Adolf Ogi, der dieses Jahr 70 Jahre alt wird, arbeitet ebenso wie seine Kollegin Ruth Dreyfuss an Projekten für verschiedene Nichtregierungsorganisationen. Der 72-jährige Politiker Christoph Blocher bleibt eine führende Kraft der rechtskonservativen Kräfte in der Schweiz.


Spitzenmanager im Alter nach der Pensionierung sitzen in Verwaltungsräten großer Unternehmen oder führen weiter: So bleibt Jürgen Dormann mit 72 Jahren Präsident des Sulzer-Konzerns.


Und der ehemalige Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger, Jahrgang 1941, wurde letztes Jahr bestbezahltes Mitglied des Verwaltungsrats, die Bank UBS zahlte ihm 1,5 Millionen Franken.


Auch einfache Rentner sind bereit, dazuzuverdienen. Vor vier Jahren gründete der (pensionierte) Elektriker Peter Hildebrand die Agentur Rent a Rentner: Mit ihrer Hilfe kann man einen Rentner für verschiedene kleine Jobs einstellen, und dieses Geschäft boomt.


Ein weiterer Bereich, der von Schweizer Rentnern gut beherrscht wird, ist der Erfahrungstransfer, die Beratung und die Arbeit in einem Fachgebiet in Entwicklungsländern. Viele nutzen die im Ruhestand entstandene freie Zeit für ein Studium: Sie immatrikulieren sich an den Universitäten Zürich, St. Gallen, Bern und anderen Städten.


Doris Burg ist seit 38 Jahren als Neurologin tätig. 2006 gingen sie und ihr Mann, ebenfalls Arzt, in den Ruhestand. Aber schon 1998 reisten die Burgs zu einem Medizinkongress nach Nepal. Dort stellte Doris fest, dass es in der Region einen außergewöhnlichen Mangel an Neurologen gebe. 2010 schloss sie sich auch dem Senior Expert Corps-Projekt an, das pensionierte Fachkräfte in Entwicklungsländer entsendet.


Im Rahmen dieses Programms hielt Dr. Burg 2011 eine Vortragsreihe an der Universität Kathmandu und begleitete ihren Mann siebenmal nach Nepal, wo er sich in einem medizinischen Projekt engagiert. „Reisen hält mich jung, beschäftigt mich und lernt das Land kennen, was Reisenden die Augen für die Welt öffnet“, sagt sie über ihr Leben.

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