Der Import amerikanischer Autos in die Schweiz wird mit allerlei künstlichen Hemmnissen verkompliziert, verteuert oder gar verunmöglicht. Damit bevorteilt die Schweiz direkt den Verkauf von in der EU produzierten Autos. Die Benachteiligung amerikanischer gegenüber europäischen Autos durch die Schweiz ist wirtschaftlich unsinnig und beeinträchtigt die Beziehungen mit den USA zunehmend.  In der Frühjahressession hat es das Parlament in den Händen, die Situation zu korrigieren.

von Martina Gloor

Die Zulassung von EU-Normen und EU-Standards in der Schweiz für Sicherheits-, Abgas- und Geräuschauflagen sowie Lichtanlagen, wurden im Rahmen der bilateralen Abkommen harmonisiert. Damit wird ein funktionierender und unkomplizierter grenzübergreifender Autohandel mit den EU-Mitgliedstaaten ermöglicht. Direktimporte von Autos aus den so genannten "Nafta-Staaten" (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen) unterliegen jedoch einem kostenintensiven Nachweis- und Genehmigungsverfahren, da die Erfüllung der Schweizer Auflagen bei jedem Fahrzeug einzeln geprüft werden muss. Dies ist in der Praxis zwar eine reine Formsache, wie die bereits existierende Harmonisierung im Abgasbereich zeigt. Die mit der aktuellen Regelung verbundene Nachweiserbringung nimmt aber regelmässig Monate in Anspruch und verursacht Kosten um 5'000 Franken pro Fahrzeug; sie wirkt preistreibend und zementiert die Hochpreisinsel Schweiz. Zudem werden Kunden so vor einem Import eines amerikanischen Autos abgeschreckt. Es handelt sich dabei also um einen klaren Markteingriff der Schweiz zulasten der USA. 

Bürokratie pur

Für die Zulassung eines Personenwagens aus den USA (Klasse M1 bis 3,5 Tonnen) muss der Importeur in der Schweiz derzeit Dutzende Nachweise doppelt erbringen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Nachweise des Insassenschutzes und der Abgasnorm problemlos erfüllt werden. Amerikanische Autos sind bezüglich Qualität, Sicherheit und Technik mindestens so gut wie europäische Autos, wenn nicht sogar besser. Eine grundsätzliche Akzeptanz der Nafta-Normen bietet sich also an, ohne damit Umwelt und Verkehrssicherheit zu gefährden. Die Normen der Nafta-Länder sind nämlich nicht minder streng als die europäischen. 

USA werden von der Schweiz gegenüber EU benachteiligt

Die Handels-Erleichterungen für in der EU produzierte Autos sind gut. Die gleichzeitige Verkomplizierung des Imports amerikanischer Autos hingegen ist unnötig und muss korrigiert werden. Sie bevorteilt die europäischen Hersteller und deren Generalimporteure. Die Handelsbeziehungen mit den USA werden dadurch beeinträchtigt, was dort zunehmend auf Unverständnis stösst und dazu führen kann, dass Importe aus der Schweiz in die USA oder die Dienstleistungserbringung von Schweizer Unternehmen in den USA ebenfalls mit Bürokratie belegt werden. 

In der bevorstehenden Frühjahrssession behandelt der Nationalrat eine >> Motion von Lukas Reimann (SVP/SG), die in der Schweiz die Anerkennung von "Nafta-Standards" bei Personenwagen und damit die Abschaffung dieser Handelshemmnisse fordert. 

Beziehungen mit USA und Grossbritannien verbessern

Nach der Ohrfeige der EU mit der Erteilung einer nur befristeten Börsenzulassung rechnet man in Bundesbern damit, dass die Schweiz Handelshemmnisse bei Autos gegenüber den USA abbaut. Demnächst wird man sich nämlich auch mit ähnlichen Handelshemmnissen gegenüber Autos aus Grossbritannien (Jaguar, Land Rover, Mini usw.) konfrontiert sehen, spätestens dann, wenn Grossbritannien nicht mehr Mitglied der EU ist. 

Es gibt für die Schweiz keinen ersichtlichen Grund, warum die Handelsbeziehungen mit USA und Kanada sowie bald auch mit Grossbritannien gegenüber der EU im Bereich der Autos benachteiligt werden sollen. 

Der Abbau entsprechender Importhürden schützt Schweizer Konsumenten vor überrissenen Zulassungskosten und hilft beim Abbau der Hochpreisinsel Schweiz. Mit der Anerkennung der Nafta-Normen für Personenwagen durch die Schweiz wird auch kein bilaterales Abkommen mit der EU verletzt. 

Bekämpft wird die Forderung vom Bundesrat, der die Einhaltung europäischer Normen gefährdet sieht sowie von den Generalimporteuren (AMAG, Renault, Peugeot usw.), die natürlich wirtschaftliche Eigeninteressen an einer faktischen "Marktabschottung" haben. 

 

Foto: 2018er Lincoln MKX (lincoln.com)

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode