Die Branche der Online-Casinos ist kein Neuling mehr. Bereits in den 90ern tauchten die ersten Online-Casinos auf, sobald das Internet soweit war, dass es eine Spielwiese für Spieler im grossen Stil bieten konnte, sprich für Millionen von Nutzern. Vorbei war damit die Zeit, wo man sich jeweils in die Spielhalle begeben musste, oder in den nächsten Ort, der vielleicht über ein Casino verfügte.

von Martina Gloor

Seit den 90ern konnte sich jedermann, zu jeder Zeit und überall, wo er eine Internetverbindung finden konnte, über das Internet in das Casino seiner Wahl einloggen. Es dauerte nicht lange, bis diese damals neue Branche sich zu einem echten Konkurrenten für jene Casinos entwickelte, die sich auf ihren monopolistischen Status verliessen. Monopolistisch deshalb, weil es eben nur begrenzte Möglichkeiten gab, sich auf ein kleines oder auch grösseres Spiel einzulassen.

Sobald der Casinobereich mit neuen Anbietern abgedeckt wurde, hatte es ein Ende mit der geruhsamen Gewissheit, dass die Kunden schon kommen würden. Die Konkurrenz war da, und Konkurrenz sieht niemand gerne.

In den einzelnen Ländern tauchten neue Gesetze auf, wie z.B. in Deutschland der Staatenvertrag, welcher dieser Konkurrenz aus dem Internet schnell Einhalt bot, und das Ganze sehr stark einschränkte. Inwieweit dies tatsächlich von der Lobby der Casinobetreiber beeinflusst war, und ob überhaupt eine Verbindung bestand, lässt sich nur sehr schwer sagen, aber man darf Vermutungen anstellen. Unter dem Mantel des Spielerschutzes wurden jedenfalls Grenzen gezogen, die dem mündigen Bürger das Recht entziehen wollten, sich im Casino (Online) zu vergnügen.

Dass jenes in gerade so liberalen Ländern wie der Schweiz auch passierte, war ein wenig überraschend. Die wirtschaftsneutrale Zone Europas hielt sich in dieser Richtung so ganz und gar nicht neutral.

Es ist nicht abzuleugnen, dass ein unbefristeter Zugang zum Glücksspiel gewisse Gefahren in sich birgt. Die Verfügbarkeit der Online-Casinos ist schliesslich 24/7. Öffnungszeiten gibt es bei den Webseiten nicht. Die Suchtgefahr ist jedoch auch bei landbasierten Casinos oder in der Spielhalle gegeben. Der Spielerschutz sollte und muss selbstverständlich ernst genommen werden.

Ist die Schweiz so liberal wie sich gerne zeigt?

Die Frage ist, wie die aktuelle Situation in der Schweiz aussieht, wenn es um Online-Casinos geht. Und da sieht es so aus, dass man, ähnlich wie in Österreich, den landbasierten Casinos der Schweiz zukünftig eine Konzession für das Online-Casino geben möchte. Der Vorteil liegt ganz klar auf der Hand. Die rückläufigen Umsatzzahlen dieser landbasierten Casinos dürften wieder enorm angekurbelt werden, wenn sie zukünftig Spiele auch im Internet anbieten dürfen. Denn die rückläufigen Umsatzzahlen der Casinos haben sich auch bei den Steuereinnahmen bemerkbar gemacht. Vater Staat entging hier ein schöner Batzen Geld, der teilweise in andere Länder abfloss. Denn der Spieler, der sich ins Internet begibt, spielt nicht nur bei den Schweizer Online Casinos, die eine Lizenz für ihr Angebot in der Schweiz haben, und somit auch dort ihre Gelder abliefern. Auch andere Casinos, die international operieren, werden von den Spielern besucht. Von den Geldern, die dort ausgegeben werden, sieht man in der Schweiz nichts. Das muss weh tun.

Damit folgt man aber eigentlich auch dem Trend, dass mehr und mehr Geschäfte ihre Dienste oder Waren im Internet anbieten. Im Jahr 2016 kann man sich eine Geschäftspolitik, die sich alleine darauf verlässt, dass der Kunde schon zu einem kommen wird, nicht mehr erlauben. Man muss das Geschäft zum Kunden bringen. Und so ist die Schweiz und ihre Casinos auf dem besten Wege, sich endlich in das neue Zeitalter des Internets zu begeben. Der Schweizer Spieler darf sich darauf freuen, dass er zukünftig über das Internet Zugriff auf die Casinos hat, die vielleicht in einer "internetlosen Vergangenheit" die Lieblingscasinos waren.

 

Symbolbild von La-Liana / pixelio.de