Der Journalist Werner De Schepper wird in der heutigen Ausgabe des Tages-Anzeigers als langjähriger "Tööpli" bezeichnet. Der Ehemalige Chefredaktor des "Blick" und Redaktor von AZ Medien oder Tele M1 soll Frauen reihenweise bedrängt und ungefragt berührt haben. 

von Martina Gloor

Mit dem Outing von Werner De Schepper als "Chef der Zudringlichkeiten" zündeten Michèle Binswanger und Mario Stäuble vom Tages-Anzeiger kurz vor Weihnachten eine kleine Bombe. Denn De Schepper galt viele Jahre als Vorzeigejournalist und war in zahlreichen Kaderfunktionen, so etwa bei Ringier oder AZ Medien, tätig. Er war auch Interimspräsident der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz, wo er im katholischen Medienzentrum in Zürich die Website kath.ch zum führenden Medium für Christen aufbauen wollte. SRF schrieb über sein Engagement bei der katholischen Kirche: "Er wird seiner Kirche zeigen, dass es da eine Welt gibt, die zumeist etwas anders funktioniert, als man es sich hinter geschlossenen Kirchenpforten vorstellt." Dieser Vorsatz scheint ungewollt gelungen zu sein. 

Po, Beine und Brüste berührt?

Die Tagi-Journalisten sprachen mit 28 Ex-Mitarbeiterinnen, Vorgesetzten und Bekannten über De Scheppers Verhalten gegenüber weiblichen Angestellten. Daraus ergab sich ein Muster von Vorwürfen, beginnend im Jahr 2000. Gemäss Tages-Anzeiger berichten zwölf Quellen "von Vorfällen, in denen De Schepper Mitarbeiterinnen bedrängt und berührt haben soll, an Po, Beinen oder Brust, am Arbeitsplatz, im Lift, an Firmenfesten, im öffentlichen Raum, teilweise bezeugt von Dritten". Strafrechtliche Folgen seien bisher keine bekannt. 

Doppelmoral

Die Enthüllungen überraschen. Denn De Schepper stellte mit Vorliebe bürgerliche Politiker bloss, mit ausgeschlachteten Geschichten aus deren beruflichem oder privatem Umfeld. Dabei ging er nicht zimperlich vor und machte oftmals "aus Mücken Elefanten" indem er versuchte, Geschichte so aufzublasen und auszuwalzen, damit an den Betroffenen möglichst viel Schmutz hängen bleibt. 

Selber scheint der Katholik De Schepper aber alles andere als ein Saubermann gewesen zu sein. Im Tages-Anzeiger beklagen viele Opfer denn auch seine Doppelmoral.

Ringier weiss von nichts. AZ Medien schweigt

Die Ringier-Pressestelle lässt im "Tagi" verlauten, man habe keine Kenntnis von Vorfällen, die Werner de Schepper beträfen. AZ Medien hielten eine Stellungnahme nicht für nötig.

Gegenüber dem Tages-Anzeiger sagten aber mehrere Frauen, dass De Schepper beim "TeleBärn"-Weihnachtsessen im Februar 2013 als designierter Redaktionsleiter des zu AZ Medien gehörenden Senders eingeladen gewesen sei. Er habe dort "künftige Mitarbeiterinnen in einer Art und Weise angebaggert, dass mehrere sich danach beim Management beklagten, worauf ihn der Geschäftsleiter zum Gespräch zitierte". Entsprechend kurz dauerte De Scheppers Engagement beim Berner TV-Sender. Nach nur einem Jahr war die Luft raus. 

Wurde De Schepper von den Arbeitgebern gedeckt?

Strafrechtlich relevant wären vor allem sexuelle Belästigungen von direkt untergebenen Mitarbeiterinnen. Ob es zu solchen  gekommen ist, lässt der Tages-Anzeiger vorerst offen. Mindestens besteht der Verdacht, denn der "Tagi" schreibt im Zusammenhang mit den Opfern von "Ex-Angestellten". Die Namen der zwölf Ex-Angestellten, die Vorwürfe konkretisierten, seien dem "Tagi" jedoch bekannt. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Arbeitgeber wie Ringier, AZ Medien oder gar das katholische Medienzentrum, Kenntnis von den Vorfällen und allenfalls nichts unternommen hatten.

Klar ist: Männer, welche in einem Abhängigkeitsverhältnis stehende Mitarbeiterinnen (z.B. direkt untergebene Angestellte etc.) bedrängen oder befummeln, sind als Chefs völlig ungeeignet. Vielleicht erklärt das den faktischen beruflichen Abstieg De Scheppers. Vom hochgejubelten Chefredaktor des "Blick", über den stellvertretenden Chefredaktor der "Aargauer Zeitung", zum Chefredaktor von "TeleBärn", dann zum Moderator von "TalkTäglich" auf Tele M1 und weiter zum Kolumnist der "Aargauer Zeitung" ging es eigentlich nur bergab. Unterwegs zerbrach auch De Scheppers Familie. Heute ist er mit der Grünen Aargauer Nationalrätin Irène Kälin liiert, für die er im Wahlkampf kräftig die Werbetrommeln rührte. 

De Schepper wollte auf einen detaillierten Fragenkatalog des Tages-Anzeigers keine Auskunft geben. Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. 

 

Screenshot Twitter-Account Werner De Schepper

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