Aus dem Alltag eines werdenden Zwillingsvaters

Als die Ärztin im letzten Sommer zu meiner Frau sagte: „Sie sind schwanger“, ging für uns ein Wunsch in Erfüllung. Als sie anfügte: „Da ist aber noch was“, verschlug es uns die Sprache. „Zwillinge“.

Kolumne von Roman Jäggi, Gründer der Internet-Zeitung soaktuell.ch

 

Die Reaktion meiner männlichen Kollegen war unisono gleich.

Als ich sagte: „Meine Frau ist schwanger“,
antworteten die Kollegen: „Das ist aber schön, gratuliere.“
Ich: „Es sind Zwillinge.“
Die Kollegen: „Du arme Siech.“

Ich war mit 39 Jahren geschieden und habe aus dieser ersten Ehe zwei Töchter. Heute sind sie 15, respektive 17 Jahre alt. Ein in diesem Alter geschiedener Mann hat drei Möglichkeiten im Leben: Alleine bleiben, sich chaotisch durch Partnerschaften wursteln oder wieder zu heiraten. Für mich war die Familienplanung 2003 zwar abrupt unterbrochen, aber hinten und vorne nicht abgeschlossen. Die Antwort war somit klar.

Glücklicherweise lernte ich bald danach meine jetzige, etwas jüngere Frau kennen. 2008 heirateten wir und 2011 kam unsere Tochter Ilona zur Welt.

Ein grosses Glück
In diesem Jahr werde ich 50 Jahre alt. Andere Männer werden in diesem Alter Grossvater. Ich arbeite immer noch an der „Erstauflage“. Aber mit Zwillingen rechnet man nun wirklich nicht. Meine Frau und ich brauchten jedoch nur kurz, um die Botschaft zu verdauen und uns damit anzufreunden. Denn für uns bedeuten Zwillinge primär ganz grosses Glück und wenn sie gesund zur Welt kommen ein aussergewöhnliches Geschenk, für das wir endlos dankbar sein werden. Natürlich sind wir uns bewusst, dass eine grosse Herausforderung naht und sich in unserem Leben noch einmal einiges verändern wird. Aber wir haben Platz für Kinder, sind dank der dreijährigen Tochter Ilona eingespielt und bereit für diese Aufgabe. Ich fühle mich mit 50 sogar reifer für Kinder, als ich es wohl mit 30 war. Vielleicht geht es anderen Vätern auch so.

Da ist sie also unterwegs, die volle Ladung. Die beiden Twins sind fast identisch gewachsen und wiegen in der 32. Schwangerschaftswoche rund 1700 Gramm. Bis zur Geburt legen sie, nach Angaben der Ärztin, pro Kind und Woche noch rund 200 Gramm zu.

Kauft ein Ultraschallgerät - es lohnt sich
Wer schon mal eine Ultraschalluntersuchung bei Ungeborenen erlebt hat weiss, wie lange es dauert, bis alle vorgeschriebenen Messungen gemacht sind (Kopf, Bauch, Knochen, Füsse, Hände, Gehirn, Herz, Gefässe usw.). So eine Ultraschalluntersuchung kann gut und gerne 45 Minuten dauern – pro Kind, plus Wartezeit im Wartezimmer. Eine Mehrlings-Schwangerschaft ist immer eine Risiko-Schwangerschaft. Entsprechend länger wird alles angeschaut. Ein Tipp an Zwillingsväter: Nehmt Euch einen halben Tag frei, wenn ihr Eure Frau zum Ultraschall begleitet – oder wer es vermag: Kauft Euch gleich selber ein Ultraschallgerät.

Buben oder Mädchen oder ein Pärchen?
Die grosse Frage aller Verwandten und Bekannten ist natürlich: Buben oder Mädchen oder ein Pärchen? Wir antworten darauf immer: „Ach, das sollen unsere Kinder später selber entscheiden.“ -Spass beiseite. Unsere dreijährige Tochter Ilona hat ihre Forderung schon klar deponiert: „Ich will keine Buben. Wenn es Buben sind, stosse ich sie wieder rein.“ Manchmal kann man es sich halt nicht aussuchen. Was es wirklich gibt, verraten wir selbstverständlich erst später, um den Spannungsbogen hoch zu halten. 

Die spontane Reaktion meiner beiden älteren Töchter auf die frohe Botschaft, dass sie demnächst drei Halbgeschwister haben werden, lautete: „Yeahhhhh, cool.“

In der nächsten Kolumne "Hilfe, es sind Zwillinge" geht es um die Suche nach einem Aaregäu-tauglichen Zwillings-Kinderwagen – und, warum für einmal nicht "McLaren" das Rennen machte. Zudem gehen wir der Frage nach, was ein Sehnenriss mit der Autobahnvignette und Zwillingen zu tun hat.

Mehr auf www.jaeggi-family.ch

 

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