Am 18. Mai 2014 hat die Aargauer Stimmbevölkerung die Initiative "Ja für Mundart im Kindergarten" mit 55,5 Prozent der Stimmen angenommen. Damit soll die Unterrichtssprache im Kindergarten in Zukunft grundsätzlich Mundart sein. Der Regierungsrat verabschiedete nun eine Teilrevision des Schulgesetzes, welche die Unterrichtssprache über die gesamte Volksschule regelt, und gibt sie in die Anhörung.

Kanton AG

Symbolbild von Günter Havlena / pixelio.de

Mit der vorliegenden Anhörungsvorlage schlägt der Regierungsrat vor, die Unterrichtssprache über die gesamte Volksschule im Schulgesetz zu regeln.

Es soll ein neuer Paragraf geschaffen werden, der die Unterrichtssprache wie folgt bestimmt:

  • Die Unterrichtssprache im Kindergarten ist grundsätzlich Mundart.
  • Die Unterrichtssprache in der Primarschule und an der Oberstufe ist grundsätzlich die Standardsprache.
  • Die detaillierten Bestimmungen zur Unterrichtssprache werden im Lehrplan geregelt.

Unterrichtssprache im Kindergarten

Die Bestimmungen zur Unterrichtssprache im Kindergarten entsprechen dem Wortlaut der Volksinitiative. Einzelne Unterrichtssequenzen in Hochdeutsch sollen möglich sein. Im Lehrplan des Kindergartens wird festgelegt, dass sich diese auf Situationen mit klarem Bezug zur Standardsprache beschränken sollen wie beim Vorlesen oder beim Kennenlernen von Reimen, Versen und Liedern. Ebenso kann Hochdeutsch beim Förderunterricht "Deutsch als Zweitsprache" angewendet werden.

Unterrichtssprache in der Primarschule und Oberstufe

Der Regierungsrat nimmt den Volksentscheid zur Mundart im Kindergarten zum Anlass, auch die Unterrichtssprache in der Primarschule und an der Oberstufe gesetzlich zu regeln. Hier soll grundsätzlich in Standardsprache unterrichtet werden. Dies ist bereits heute in ähnlicher Form im Lehrplan geregelt. Die vorgeschlagene Bestimmung im Schulgesetz ist so formuliert, dass auch Sequenzen in Mundart möglich sind. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die beiden Sprachformen vergleichen und in beiden Sprachformen kommunizieren lernen. Aktuell geltende Regelung Als Konsequenz aus dem Abstimmungsergebnis zur Initiative hat der Regierungsrat bereits auf das aktuelle Schuljahr hin entschieden, die Regelungen im Kindergartenlehrplan, welche die Standardsprache betreffen, aufzuheben. Bis die von der Initiative verlangten gesetzlichen Regelungen in Kraft treten, gilt die Empfehlung, im Kindergarten grundsätzlich in Mundart zu unterrichten.

Umsetzung auch kompatibel mit Lehrplan 21

Der von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) im Oktober 2014 zuhanden der Kantone freigegebene Lehrplan 21 legt die Unterrichtssprache nicht explizit fest. Der Kanton Aargau kann bei dessen Einführung im Schuljahr 2020/21 kantonsspezifische Bestimmungen zur Unterrichtssprache gemäss Schulgesetz beibehalten.

Weiteres Vorgehen

Die Vorlage zur Teilrevision des Schulgesetzes geht vom 28. November 2014 bis 28. Februar 2015 in eine breit angelegte Anhörung. Der Grosse Rat berät voraussichtlich im August 2015 und in zweiter Lesung im Januar 2016 über das Geschäft. Die Änderungen im Schulgesetz sowie die Anpassungen im Lehrplan werden frühestens auf das Schuljahr 2016/17 in Kraft treten. 

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